Eva von Redecker

Revolution für das Leben

Philosophie der neuen Protestformen
Cover: Revolution für das Leben
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2020
ISBN 9783103970487
Gebunden, 320 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Eine neue Kapitalismuskritik - und eine Liebeserklärung an menschliches Handeln: In Zeiten der Krise entzündet sich politisches Engagement. Protestbewegungen wie Black Lives Matter, Fridays for Future und NiUnaMenos kämpfen derzeit weltweit gegen Rassismus, Klimakatastrophe und Gewalt gegen Frauen.So unterschiedlich sie scheinen mögen, verfolgen diese Widerstandskräfte doch ein gemeinsames Ziel: die Rettung von Leben. Im Kern richtet sich ihr Kampf gegen den Kapitalismus, der unsere Lebensgrundlagen zerstört, indem er im Namen von Profit und Eigentum lebendige Natur in toten Stoff verwandelt: Der Kapitalismus verwertet uns und unseren Planeten rücksichtslos. In autoritären Tendenzen und rassistischen Ausschreitungen, in massiven Klimaveränderungen und einer globalen Pandemie zeigt er seine verheerendsten Seiten. In den neuen Protestformen erkennt Eva von Redecker, die als Philosophin zu Fragen der Kritischen Theorie forscht und auf einem Biohof aufgewachsen ist, die Anfänge einer Revolution für das Leben, die die zerstörerische kapitalistische Ordnung stürzen könnte und unseren grundlegenden Tätigkeiten eine neue solidarische Form verspricht: Wir könnten pflegen statt beherrschen, regenerieren statt ausbeuten, teilhaben statt verwerten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2020

Noch eine Kapitalismuskritik. Mit viel Geduld resümiert Rezensent Philipp Bovermann die Ausführungen der Autorin über die von ihre beklagte Verwertungslogik des Kapitalismus und die davon zugerichtete Natur. Sie scheint zu wissen, wovon sie spricht. Den Biohof, auf dem sie aufgewachsen ist, und der am Ende wie jeder Hof - wie schonend auch immer - ebenfalls der Ausbeutung der Natur dient, scheint sie aber mit Natur gleichzusetzen. Dort wimmelte es jedenfalls von Käfern. Mit mütterlich bedauerndem und doch auch bewunderndem Blick, so der Rezenent, schreibt Redecker über die heute rebellierenden Jugendlichen, etwa von "Ende Gelände", die sie als eine Wiederkehr rächender Naturwesen schildere. Da wird's selbst dem Rezensenten zu bunt. Sie lande eben doch wieder bei einer Romantisierung der Natur. Und ob sie den struppigen AktivistInnen damit nützt…

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.09.2020

Rezensentin Katharina Döbler hält Eva von Redeckers Buch für einen wichtigen Entwurf einer neuen Graswurzelrevolution gegen die Sachherrschaft und die menschengemachte Zerstörung des Planeten. Ganz auf der Höhe der Diskurse, mitunter zwar dialektisch herausfordernd, aber immer wieder auch realitätsnah, etwa wenn sie die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie kritisiert, analysiert die Autorin laut Döbler das Alte, das Zerstörerische: Eigentum, Güter, Arbeit, Leben. Was die Philosophin dem entgegensetzt, einen "rebellischen Universalismus", eine "Gemeinschaft der Teilenden", kann Döbler nachvollziehen, wenn die Lektüre sie mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, den Ursachen des Klimawandels, der rassistischen Unterdrückung und der kapitalistischen Herrschaft konfrontiert und durch Redeckers Marx- , Arendt- und Adorno-Lektüren führt.

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