Christoph Möllers

Freiheitsgrade

Elemente einer liberalen politischen Mechanik
Cover: Freiheitsgrade
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518127551
Kartoniert, 343 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Freiheitsgrade kennt man aus der Mechanik. Der Begriff bezeichnet dort die Zahl der Richtungen, in die ein Körper sich an einem Gelenk bewegen kann. Bei seinem Versuch, den Liberalismus auf die Höhe der Zeit zu bringen, geht Christoph Möllers weder von der politischen Großwetterlage aus noch vom Gegensatz zwischen Individuum und Gemeinschaft. Vielmehr versucht er, Formen einer Ordnung herauszupräparieren, die Bewegungsfreiheit und soziale Varianz ermöglicht. So gerüstet, verspricht er keine Antworten, aber neue Perspektiven auf diverse Phänomene: auf den Begriff der politischen Repräsentation, aber auch die Funktion territorialer Grenzen. Freiheit, so Möllers, ist eine Praxis der Ergebnisoffenheit, die Prozesse ermöglicht, von denen unklar sein muss, wohin sie führen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2020

Rezensent Jens Bisky empfiehlt das neue Buch des Berliner Verfassungsrechtlers Christoph Möllers zur Einübung politischen Denkens, mitunter sogar gegen eigene Überzeugungen. Gegenwartsnah führt ihn der Autor durch Traditionen und Vorstellungen des Liberalismus und entwickelt einen "kühnen" Standpunkt, sein "Konzept der Freiheitsgrade", ohne dabei zu stark zu systematisieren, stellt Bisky fest. Das gibt dem Rezensenten Raum für eigene Gedanken und Reibungen und lässt ihn neu über Politik und Freiheit nachdenken sowie, hoch aktuell, über die "körperliche Seite der Freiheit". Für Bisky eins der besten Bücher der jüngeren Vergangenheit, auch, da Inhalt und aphoristische Form zueinander passen, wie er findet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.11.2020

Rezensent Jens Hacke hätte vom Rechtswissenschaftler Christoph Möllers gern eine systematischere, argumentativ stärkere und ausdauerndere Apologie der Demokratie gehabt. Zwar beeindruckt Hacke einmal mehr Möllers' Gedankenschärfe, wenn der Autor die "Erosion liberaler Demokratie" untersucht und für eine "entspannte Wehrhaftigkeit" gegen den Antiliberalismus plädiert, doch strategisch bleibt ihm der Autor viel zu vage und wenig zupackend, wenn es um konkrete Gesellschaftspolitik geht. Schon die Anlage des Buches in 349 kurzen Kapiteln scheint Hacke Kleinteiligkeit und die Atemlosigkeit des Lesers zu begünstigen, der am Ende irgendwie überwältigt, aber auch unbefriedigt zurückbleibt, wie Hacke feststellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2020

Rezensent Herfried Münkler hält Christoph Möllers' Buch für eminent politisch: Denn der Autor erkunde hier die Aporien, in die ein Liberalismus gerät, der die "Fallen konkreter politischer Lagen" nicht in den Blick nimmt. Formal, durch seine Gliederung in kleinere Abschnitte, überzeugt Münkler das Buch ebenso wie ihm Möllers' Umschiffung des Dilemmas einer "Erzählung des fortgesetzten Scheiterns" liberaler Bewegungen imponiert. Dass sich der Autor auf keine ideengeschichtliche oder realpolitische Erzählung einlässt, wie Münkler feststellt, sondern ein Aspekte-Puzzle anbietet, das Chancen und Kosten von Freiheit "im politischen Feld" sichtet und abwägt, scheint Münkler zielführend.

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