Omri Boehm

Israel - eine Utopie

Cover: Israel - eine Utopie
Propyläen Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783549100073
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Adrian. Zwischen einem jüdischen Staat und einer liberalen Demokratie besteht ein eklatanter Widerspruch, sagt der israelische Philosoph Omri Boehm. Denn Jude ist, wer "jüdischen Blutes" ist. In einem großen Essay entwirft er die Vision eines ethnisch neutralen Staates, der seinen nationalistischen Gründungsmythos überwindet und so endlich eine Zukunft hat.  In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Israel dramatisch verändert: Während der religiöse Zionismus immer mehr Zuspruch erfährt, fehlt es der Linken an überzeugenden Ideen und Konzepten. Die Zwei-Staaten-Lösung gilt weithin als gescheitert. Angesichts dieses Desasters plädiert Omri Boehm dafür, Israels Staatlichkeit neu zu denken: Nur die Gleichberechtigung aller Bürger kann den Konflikt zwischen Juden und Arabern beenden. Aus dem jüdischen Staat und seinen besetzten Gebieten muss eine föderale, binationale Republik werden. Eine solche Politik ist nicht antizionistisch, sondern im Gegenteil: Sie legt den Grundstein für einen modernen und liberalen Zionismus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2020

In einer Doppelrezension beschäftigt sich Alexandra Föderl-Schmid mit der Frage, ob eine Lösung des Nahostkonflikts auf neue Weise denkbar wäre. Große Sympathie hat sie für den Vorschlag von Omri Boehm, der in seiner philosophisch-politischen Logik von Kant ausgehend über ein bereits bestehendes Gesetz von Menachem Begin bis zum Ursprung bei Theodor Herzl reicht. Utopisch mag der Vorschlag sein, konzediert die Kritikerin, aber sie stimmt offenbar dem Philosophen darin zu, dass eine "Republik Haifa", wie er es nennt - also ein föderales, binationales Israel - gegenüber der alten Zweistaatenlösung gleichwohl die realistischere Option sei.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.07.2020

Sehr begeistert ist Rezensent Micha Brumlik von diesem Buch, und schon in seiner Artikelüberschrift liegt die überraschende Erklärung: "In Haifa liegt die Zukunft". Warum Haifa? Und wie ist der Philosoph Omri Boehm darauf gekommen? Zunächst einmal zitiert er, so lesen wir bei Brumlik, ein bereits 1977 durch Menachem Begin durchgesetztes Gesetz zur Autonomie palästinensischer Bürger, und hat dann, was der Kritiker politisch noch wichtiger findet, dies als Forderung des rechtszionistischen Urvaters Jabotinsky wiederentdeckt. Auch der habe bereits von einem binationalen Staat gesprochen! Aus dem unfruchtbaren Beharren auf einer völlig unrealistisch gewordenen Zweistaatenlösung könne, so stimmt der Kritiker dem Philosophen zu, vielleicht nur das Vorbild der Stadt Haifa herausführen, in der ein gemeinsames Leben von Juden und Palästinensern schon lange praktiziert würde. In dieser "hoffnungsvollen Vision" schwingt die Erkenntnis mit, dass man nur außerhalb symbolischer Orte wie etwa Jerusalem zu einer lebbaren Lösung kommen kann. Deshalb ist dies, findet Micha Brumlik, das "wohl bedeutendste Buch" zum Konflikt seit langem.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.06.2020

Rezensent Matthias Bertsch annonciert ein so "kluges" wie mutiges Buch - wenn auch mit Einschränkungen - mit diesem Essay des jüdisch-israelischen Philosophen Omri Boehm. Zwischen Selbstbestimmung und Souveränität unterscheidend billige Boehm dem israelischen Staat ersteres zu, ein Recht auf Souveränität, das Minderheiten und andere Völker unterdrücke, stehe Israel indes genauso wenig wie allen anderen Staaten zu, liest der Kritiker. Auch Boehms Kritik an Siedlungspolitik und Annexionsplänen der israelischen Regierung vollzieht er nach, ebenso liest er mit Interesse, wenn ihm der Autor darlegt, dass nicht ein souveräner jüdischer Staat, sondern eine "binationale Förderung von Juden und Arabern" in Palästina das Ziel der Zionisten gewesen sei. Wenn Boehm schließlich die stete Erinnerung an Holocaust und Nakba kritisiert, weil so der "Hass" - auch im eigenen Land immer wieder geschürt werde, attestiert Bertsch dem Autor "erhellende und schonungslose" Einblicke in "grundsätzliche Webfehler" Israels. Boehms Schluss, der Wunsch nach einer gemeinsam jüdisch-palästinensischen Föderation, erscheint ihm dann aber doch arg utopisch.