Literatur und Wissenschaft, künstlerische Imagination und rationales Denken zählen zu zwei getrennten Kulturen. Dennoch gibt es Berührungspunkte: Was wäre die Entwicklung der Raumfahrt ohne Jules Verne? Was Sherlock Holmes ohne chemische Kenntnisse? Und umgekehrt: Ist die Wissenschaft ohne Fantasie, ohne literarisch-künstlerische Einflüsse denkbar?
Um Episoden, Begegnungen, Schnittpunkte dieser beiden Welten geht es Elmar Schenkel in seinem neuen Buch. Er legt die wechselseitige Beeinflussung von Wissenschaft und Literatur frei und bringt u.a. Marie Curie, René Descartes, Alva Edison, Galileo Galilei, Friedrich August Kekulé oder Dimitri Mendelejew mit Douglas Adams, Flaubert, Calvino, Agatha Christie, Dante, Paul Valéry, Mary Shelley, Jonathan Swift oder Tolkien ins Gespräch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2016
Elmar Schenkels Anliegen, die wechselseitige Beeinflussung von Literatur und Wissenschaft in einem Buch zu beschreiben und belegen, scheint Rezensent Oliver Pfohlmann begeistert aufzunehmen, doch von der Umsetzung ist er nicht ganz so grenzenlos überzeugt. So wundert ihn zum Beispiel, dass sowohl Freud als auch die Romantik als Höhepunkt der Begegnung von Wissenschaft und Kunst, keine Erwähnung finden, klagt er. dafür aber einige recht beliebig wirkende Beispiele. Auch bleiben die Zusammenfassungen und Interpretationen der behandelten wissenschaftlichen oder literarischen Texte teilweise enttäuschend oberflächlich. Abgesehen davon, räumt Pfohlmann ein, liefere das Buch aber einige spannende und überraschende Beispiele und verschließe sich lobenswerterweise auch nicht vor Genre-Literatur wie Krimi, Fantasy oder Sci-Fi.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2016
Die offenkundigste Schnittstelle zwischen Literatur und Wissenschaft ist wohl das Genre der Science Fiction, lernt Thomas Weber. Welche Rolle die literarischen Spekulationen für die harte Wissenschaft haben, und wie scharf die Grenze zwischen Träumen und deren Erfüllung ist, ist allerdings umstritten, weiß der Rezensent. In seinem Buch "Keplers Dämon" beschreibt der Leipziger Literaturwissenschaftler Elmar Schenkel jetzt die vielfältigen Einflüsse verschiedener Fiktionen auf vor allem die frühe Naturwissenschaft und gibt einen schönen Überblick über das Feld, lobt Weber. Einzig die Hard ScyFy, die sich um technische Lauterkeit bemühe, bleibt für den Geschmack des Rezensenten etwas unterrepräsentiert, aber als Ausgangspunkt für eigene literarische Expeditionen ins Grenzgebiet zwischen Literatur und Wissenschaft eignet sich Schenkels Buch unbedingt, findet Weber.
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