Antisemitismus bei muslimischen Jugendlichen, mangelnde Vorstellungen von Gleichberechtigung, ein anderes Verständnis von Demokratie und Religionsfreiheit - manche Muslime geben nichts auf die liberalen Werte des Westens. Doch woher kommt das? Eine mögliche Antwort: weil junge Muslime es so lernen. Constantin Schreiber nimmt Schulbücher in der islamischen Welt unter die Lupe, unter anderem aus dem Iran, der Türkei, Afghanistan, Saudi-Arabien. Was wird dort im Religions- oder Geschichtsunterricht gelehrt? Was lernen Schüler über Philosophie? Schreiber spricht mit Lehrern, Eltern und Schülern und stellt fest: In einigen Ländern sind Schulen kein Ort der Bildung, sondern Orte der Ideologisierung. Junge Menschen lernen dort, die Welt mit anderen Augen zu sehen, als wir es im Westen tun. Und das hat auch Auswirkungen auf Deutschland und Europa.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2019
Rezensent Rainer Hermann hat dieses Buch des Journalisten Constantin Schreiber mit Gewinn gelesen. Den Aufbau des Buchs, das zuerst Schulbücher aus Afghanistan, Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei vorstellt, indem Schreiber zunächst eine kurze Einführung in das jeweilige Land gibt, dann ein Kapitel aus einem der Schulbücher ungekürzt wiedergibt, schließlich analysiert und mit Schulpädagogen bespricht, findet der Kritiker erhellend. Wie in den Büchern Narrative der Regime gefestigt und Feindbilder gepflegt werden, kann ihm Schreiber anschaulich darlegen. So liest Hermann hier etwa, wie im ägyptischen Geschichtsbuch Verschwörungstheorien und "antisemitische Erzählmuster" verbreitet werden oder im afghanischen Religionsbuch keine andere Religion als der Islam erwähnt wird. Der Forderung Schreibers, die Zusammenarbeit mit jenen Ländern an die Bedingung von Reformen dieser Schulbücher zu knüpfen, kann sich Hermann nur anschließen, auch wenn er sie für nicht recht realistisch hält.
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