Daniel Kehlmann

Afrika

Roman
Cover: Afrika
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498003883
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll: Afrika. Es geht um die Errettung der Eingeborenen aus Heidentum und Sklaverei - doch wer sagt, dass man an guten Taten nicht auch bestens verdienen darf?Österreich wird von Legationsrat Strinetzky vertreten, denn der Botschafter ist verhindert: Franz Liszt hat ihm ein Pianostück gewidmet, er muss üben. Strinetzky hat jedoch ganz andere Probleme. Um die Affäre mit einer Aktrice zu finanzieren, hat er beträchtliche Gelder an einen fiktiven Gutachter namens "Doktor Waldbach" fließen lassen. In Berlin taucht nun auf einmal ein echter Waldbach auf. Der Betrug droht aufzufliegen, Strinetzky muss dringend 5.000 Gulden auftreiben. Und dann beleidigt er noch aus Versehen einen preußischen Offizier, der ihn zum Duell im Grunewald fordert.Mit derlei Sorgen im Nacken irrt der Legationsrat über das diplomatische Parkett, wo sich die internationalen Mächte belauern. Unversehens macht die Not aus Strinetzky einen gerissenen Verhandler - mit weltpolitischen Folgen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.10.2026

Rezensent Andreas Kilb hat nicht viel Freude mit dem neuen Kehlmann. Der spielt während der Kongokonferenz 1884/85 in Berlin, auf der de facto Afrika unter den europäischen Kolonialmächten aufgeteilt wurde. Kehlmann stellt jedoch keinen wichtigen historischen Akteur ins Zentrum, sondern eine fiktionale Randfigur: Gustav Strinetzky arbeitet für die österreichische Botschaft und bewegt sich sicher übers diplomatische Parkett, ist aber die meiste Zeit mit privaten Angelegenheiten wie einer Liebschaft und einer Duellforderung beschäftigt. Nur kurz verknüpft sich Strinetzkys Geschichte mit der großen Weltpolitik - tatsächlich, so Kilb, ist das Buch stärker in kleinen ornamentalen Details als bei der Darstellung der politischen Machtspiele, deren Aufarbeitung ihn eher an dröge Fernsehdramaturgie erinnert. Jedenfalls will das Buch einfach nicht so recht in Schwung kommen, ärgert sich der Rezensent: "Das historische Unheil geschieht, aber wir sehen es nur ganz von fern."

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