Klappentext

Aus dem Englischen von Richard Barth, Norbert Juraschitz und Thomas Pfeiffer. Die Auflösung Preußens durch ein alliiertes Kontrollratsgesetz am 25. Februar 1947 setzte einen Schlusspunkt unter eine Jahrhunderte alte wechselvolle Geschichte. Der Name Preußen ist untrennbar verbunden mit Aufklärung und Toleranz, verkörpert etwa in Friedrich dem Großen, verbunden aber auch mit Militarismus, Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung Wilhelms II. Das Nachdenken über Preußen stand in den letzten Jahrzehnten im Schatten der hitzigen Debatten über die deutsche Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.04.2007

Als "historiografische Meisterleistung" würdigt Rezensent Alexander Cammann diese umfangreiche Geschichte Preußens, die der in Cambridge lehrende Historiker Christopher Clark vorgelegt hat. Das Werk hat ihm ein außerordentliches Lesevergnügen bereitet, was er vor allem auf die Fähigkeit des Autors zurückführt, tiefgehende Analysen souverän mit erzählerischem Können zu verbinden. Das Ergebnis ist seines Erachtens dann auch meilenweit entfernt von der hierzulande üblichen "Drittmittelantragsprosa". Doch scheint ihm das Werk nicht nur exzellent geschrieben. Er hebt besonders auch Clarks "modernen Blick" auf den scheinbar "altmodischen Gegenstand" Preußen hervor, der immer die aktuelle Forschung einbeziehe. Beeindruckt hat ihn, wie es dem Autor gelingt, die Geschichte der Religion, des Alltags, der Kriege und der Mentalitäten, der Diplomatie, der Gesellschaft und der Ideen zu einer "multiperspektivischen 'Histoire totale'" zu bündeln und dabei das Ineinandergreifen von Strukturen, Prozessen und Ereignissen gekonnt herauszuarbeiten. Cammanns einziger Kritikpunkt ist, dass Clark das Nachleben Preußens bis 1945, nachdem es im Reich 1871 aufgegangen war, "zu sehr als Epilog" inszeniert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2007

So nüchtern und sachbezogen habe noch kaum jemand über Preußen geschrieben, lobt Rezensent Christoph Jahr. Üblicherweise herrsche ein Hauen und Stechen von Preußenschmähern und Preußenverehrern, aus dem sich Christopher Clark gewissermaßen vorbildhaft neutral heraushalte. Doch nicht nur in der sachlichen und "methodisch reflektierten" Zugangsweise hat der britische Historiker den Rezensenten überzeugt, auch erzählerisch sei ihm ein "Meisterwerk" gelungen. Clark sehe in Preußen weniger den aggressiven Machtstaat als einen stets "reaktiven" Faktor, weil er im Vergleich mit Russland, Österreich oder Frankreich letztlich nur zweite Liga gewesen sei. Warum Preußen dennoch überlebt habe und sogar immer mächtiger wurde, diese wichtige Frage beantworte Christopher Clark mit dem Hinweis auf die Geschicklichkeit, mit der Preußen seine Krisen als Neuanfänge ideologisch zu inszenieren vermochte. Auch spiele die Religion eine wichtige Rolle in Clarks Darstellung, der damit einem aktuellen Trend folge. Zu wenig Raum, kritisiert der Rezensent, komme allerdings der Zeit nach 1871 zu, zumal hier die Wurzeln des Nationalsozialismus lägen. Auch das Thema Antisemitismus und die besondere Rolle Berlins dabei werde nicht genügend deutlich. Unter dem Strich komme um Christopher Clarks sachliche Historiografie jedoch kein zukünftiger Preußenforscher mehr herum.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007

Die Darstellung des in Cambridge lehrenden Historikers Christopher Clark zur preußischen Geschichte ist, wie der Rezensent Patrick Bahners feststellt, für ein "englisches Publikum" verfasst - könne aber hierzulande erst recht "segensreich wirken". Der große Vorzug des Bandes liege dabei im didaktisch motivierten Verzicht auf Abstraktion und einer die bereitliegenden Klischees weitgehend erfolgreich zurückdrängenden "Anschaulichkeit". So lerne man nicht nur einen Junker, sondern auch eine Junkerin und ihre der vorgesehenen weiblichen Rolle immer wieder widersprechenden Bewältigung der Probleme ihres Schlossguts kennen. Bahners erkennt in dem Band das auch in einschlägigen Dissertationen zu bewundernde "hohe methodische Niveau" der Deutschlandhistoriker in Großbritannien wieder und lobt die "Lebendigkeit" der Darstellung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007

Endlich traut sich wieder einer, unvoreingenommen über Preußen zu sprechen, freut sich Harry Nutt, der für Christopher Clarks rundum gelungene Studie nur Lob übrig hat. Clark gelinge es, Preußen weder im Nachhinein zu verklären noch sich auf die Seite derer zu schlagen, die in Preußen die Wurzel allen nationalsozialistischen Übels sehen. Das Buch ist umfangreich, aber nie langatmig, versichert Nutt, und durch die Hereinnahme religions-, sozial-, militär- und ideengeschichtlicher Perspektiven entsteht gar ein "rhythmisches Gemälde", in dem Personen und Strukturen gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Dazu lässt es sich auch noch gut lesen, die Sprache sei "analytisch klar", der Stil zwar distanziert, "aber nie leidenschaftslos". Clark schaffe es, Preußen zu entdämonisieren und die kursierenden Mythen in überzeugender Weise "gegen den Strich zu bürsten". So ist Nutt nach der Lektüre auch davon überzeugt, dass Friedrich II. Schlesien nicht aus einem Vaterkomplex heraus angriff, sondern schlicht aufgrund von kühlen geopolitischen Überlegungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Begeistert äußert sich Rezensent Gustav Seibt über diese Geschichte Preußens, die der Historiker Christopher Clark vorgelegt hat. Er würdigt das Werk als überragend, umfassend und als "überraschend liebevoll". Es kommt in seinen Augen den großen Geschichtswerken preußischer Historiker wie Treitschke, Ranke und Droysen intellektuell gleich, übertrifft sie aber an Menschlichkeit. Clarks Preußen-Bild scheint Seibt lebendig und differenziert. Vorurteile über das scheinbar so militaristische Preußen werden für ihn immer wieder überzeugend wiederlegt und klargestellt. Eine der größten Stärken des Band sieht Seibt in Clarks Neugier und Unvoreingenommenheit. An der Darstellung gefällt ihm besonders der souveräne Wechsel zwischen allgemeinen Thesen und anschaulicher, nuancierter und anekdotenreicher Erzählkunst. Seibt hält dem Autor allenfalls vor, ein wenig dazu zu neigen, alles Negative am Preußischen erst der Spätphase seit 1871 zuzuschlagen. Bestechend findet er die Kapitel zur Geschichte von Religion und Frömmigkeit. Schließlich hebt Clarks Einschätzung Preußens als eines Staats hervor, der eine "bis heute schätzenswerte zivilisatorische Leistung" darstellt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.02.2007

Mit Enthusiasmus feiert Rezensent Volker Ullrich dieses glänzend erzählte Preußen-Buch des Cambridge-Historikers Christopher Clark, das aus seiner Sicht das gängige Preußen-Bild samt seiner Klischees einer gründlichen Revision unterzieht. Mit seinem Buch, das den Rezensenten auch mit einer "souveränen Beherrschung" der "ungeheuren" Quellen- und Literaturmassen" zum Thema beeindrucken kann, hat sich Clark aus seiner Sicht in die "erste Riege der britischen Historiker hineingeschrieben". "The Iron State" (so der Originaltitel) stelle gängige Lesarten in Frage, bemühe sich um ein differenziertes Bild, ohne der Apologie zu verfallen. Fasziniert betrachtet der Rezensent also das beschriebene Doppelgesicht Preußens aus Untertanentum und aufgeklärter Toleranz, absolutistisch durchdrungenem Gemeinwesen und preußischen Gegenden, wo das Vorhandenseins eines Staats kaum zu spüren gewesen sei. Politik- und Militärgeschichte sei in dieser komplexen Darstellung ebenso repräsentiert, wie Ideen- und Geistesgeschichte, identitätsbildende preußische Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Lediglich in Sachen Wirtschaftsgeschichte hätte sich der Rezensent mehr Ausführlichkeit vorstellen können. Es begeistern ihn besonders die sorgfältigen biografischen Exkurse der preußischen Protagonisten, die für Ullrich allesamt "kleine Juwelen historischer Porträtkunst" sind.