Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst, hat den Grundstein für Preußens Aufstieg zur Großmacht gelegt und das Haus Hohenzollern zu einer der führenden Dynastien Europas gemacht. So lautet das gängige Urteil über den Herrscher aus Brandenburg. Es entsprach vor allem seinem eigenen Selbstbild. Denn die historische Wirklichkeit sah anders aus, wie Jürgen Luh in seiner Biografie zeigt. Er zeichnet das Bild eines Fürsten, der in Wahrheit keine klare politische Strategie entwickelte, beständig die Seiten wechselte und damit Freund wie Feind düpierte. Und dem es am Ende nur mit Glück gelang, sein ererbtes Land zu behaupten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2020
Stephan Speicher hat allerhand auszusetzen an Jürgen Luhs Buch über Friedrich Wilhelm. Neu, wie der Untertitel behauptet, ist daran wenig, findet Speicher. Vor allem, dass der Autor längst überholte Arbeiten von Erdmannsdörfer und Prutz heranzieht, um sie abzukanzeln, scheint ihm billig. Luhs Schwerpunkt auf der Außenpolitik mangelt es laut Speicher zudem an Weitblick, und die innenpolitische Seite kommt darüber zu kurz, meint er. Luhs Kritik an Wilhelms üppiger Hofhaltung findet der Rezensent durch die Arbeit von Barbara Stollberg-Rilinger überzeugend widerlegt. Das üppige Zeremonialwesen habe seine Funktion gehabt, schreibt er.
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