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Johannes Kunisch

Friedrich der Große

Der König und seine Zeit
Cover: Friedrich der Große
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406522093
Gebunden, 624 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Keine andere Gestalt der preußischen Geschichte hat mehr Widerspruch und Faszination hervorgerufen als Friedrich der Große. Er ist unbestreitbar das Genie unter Preußens Herrschern und zugleich die Inkarnation all dessen, was an Preußen fragwürdig, unheilvoll und geradezu dämonisch erscheint. Nach langer Zeit liegt nun wieder eine Friedrich-Biografie auf dem neuesten Stand der Forschung vor. Johannes Kunisch schildert in seinem elegant geschriebenen Buch das Leben des Königs und die Epoche des Ancien Regime, an deren Ende, nur wenige Jahre nach Friedrichs Tod, mit der Französischen Revolution ein neues Zeitalter beginnen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.02.2005

Einen "großen Wurf" erblickt Rezensent Arne Karsten in Johannes Kunisch' Biografie Friedrichs des Großen. Reizvoll erscheint ihm, dass sich mit Kunisch ein herausragender Vertreter der "Strukturgeschichte" dem Genres der Biografie annimmt, und zwar "mit glänzendem Ergebnis". Dem Autor gelinge nämlich nicht nur die Schilderung eines "individuellen Lebensschicksals", sondern weit mehr: "das reflektierend-analytische Bild einer ganzen Epoche." Die Ruhmsucht des Königs etwa erkläre Kunisch vor dem Hintergrund des gültigen Verhaltenskodex der europäischen Adelsgesellschaft, seine Selbstbehauptung im Siebenjährigen Krieg analysiere er nicht nur als Leistung des Königs, sondern ebenso als Versagen seiner Gegner. Eine weitere Stärke des Buches sieht Karsten darin, dass der Autor die Widersprüche, etwa den Gegensatz zwischen den philosophisch-humanitären Idealen Friedrichs und seiner brutalen Machtpolitik, nicht wegzuerklären versucht. Gerade diese Widersprüche lassen für Karsten das Leben des Königs "so faszinierend" erscheinen. Er lobt insbesondere die Ausführungen über das Verhältnis zwischen Friedrich und seinem bewunderten Philosophenfreund Voltaire wegen ihrer "sensibel-aufmerksamen Feinfühligkeit", trotz der Kunisch immer die kritische Distanz wahre und die Schattenseiten des Königs nicht aus den Augen verliere. "Das mit Abbildungen und Karten schön ausgestattete Buch", resümiert Karsten, "verdient ohne Zweifel die Aufmerksamkeit des breiten Publikums."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2005

Die Reihe der Biografien, Porträts und Annäherungen an Friedrich II. ist lang, und spätestens seit Thomas Manns Essay über den Preußenkönig hängt die Messlatte hoch. Was also kann ein Historiker heute noch über Friedrich sagen, was noch nicht gesagt wurde? Ursula Pia Jauch räumt ein, dass Johannes Kunischs monumentale Biografie nichts wirklich Neues zur Person beiträgt, sehr wohl aber zu ihrem Verständnis. Wo etwa Thomas Mann in kräftigen Farben das Bild eines pfennigfuchserischen, hinterhältigen, "kaltblütig misogynen" Königs ausmale, bleibe Kunisch auf vornehmer Distanz, die Jauch geeigneter scheint, Friedrichs Persönlichkeit zu verstehen, die sich in jungen Jahren vielleicht noch durch eine laszive Weichheit ausgezeichnet habe, später jedoch durch "Härte, Berechnung, Menschenferne". Allerdings bleibe auch für Kunisch ein Rätsel, wie Friedrichs "kriegerischer Despotismus" mit seinen "evident musischen und philosophischen Seiten" zusammenging. Ebenfalls positiv rechnet die Rezensentin dem Autor die militärhistorische Präzision an, die "aufs Grässlichste" die menschenverachtende Maschinerie des preußischen Heereswesens verfolgen lasse. Aber letztendlich mag Jauch nicht verhehlen, dass ihr Thomas Mann "hitzige Farben" doch lieber sind als Kunischs kühle Zeichnung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2004

Alles, was vorangegangene Forschergenerationen an Friedrich dem Großen vor allem deutschlandpolitisch aufregend fanden, hat sich mittlerweile erledigt. Und zwar sehr gründlich, das ist, wie Gustav Seibt nicht ohne Bedauern mitteilt, dieser neuen Friedrich-Biografie von Johannes Kunisch ganz deutlich abzulesen. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Was bleibt vom preußischen Monarchen? Es bleibt, so jedenfalls Kunisch, eine nicht besonders außergewöhnliche Herrscherfigur. "Spätabsolutistisch", in einer "konstant instabilen Welt des ewigen Wettstreits um Macht, Ruhm und Glanz", in der es vor allem um das eine geht: Ruhm, "gloire". Dazu kommt eine vom Psychoanalytiker Ernst Lürßen übernommene Deutung der Person, die die Handlungen Friedrichs als "Reinszenierungen eines massiven Traumas" begreift. Das aber ist Seibt zu wenig. Er bemängelt, dass Kunisch seinem Gegenstand nicht nahe genug kommt, zugleich aber auch den Blick aus der weiteren Distanz nicht wagt. Er kritisiert die gelegentlich haarsträubenden "dramaturgischen Ungeschicklichkeiten" der Erzählung und versucht zuletzt, Friedrich denn doch als außergewöhnlichen "Außenseiter" zu rehabilitieren. Was nichts an seinem etwas überraschenden Schlussresümee ändert, dass Kunisch ein "vorzügliches, glänzend informiertes, nüchtern formuliertes Buch" gelungen sei.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.09.2004

Hans-Ulrich Wehler zieht den Hut vor seinem Kollegen Johannes Kunisch, der eine "mit immenser Gründlichkeit recherchierte, quellengesättigte, in plastischer, unprätentiöser Sprache und mit respektvoller Distanz geschriebene" Biografie Friedrichs II. vorgelegt hat. Kunisch, der durchaus Sympathie für Friedrich den Großen zeigt, zeichnet den Lebensweg des preußischen Königs auf über 600 Seiten nach und ist in der Wahl seiner Mittel offenbar ganz undogmatisch. So lobt Wehler, dass der Biograf zum besseren Verständnis der psychischen Folgen, die die äußerst brutale Erziehung Friedrichs hinterließ, auch eine neuere psychoanalytische Studie heranzieht. Eine besondere Stärke sieht Wehler vor allem in der genauen Schilderung der Kriege, die Friedrich führte: Kriegsgeschichte, so der Rezensent, werde von den meisten Historikern sonst eher ignoriert. Doch waren es gerade seine Kriege, die Preußen von einer unbedeutenden Provinz in eine Großmacht verwandelten und Friedrich den Beinamen "der Große" einbrachten. An dieser Stelle hat der Rezensent allerdings auch eine kleine Kritik vorzubringen: Er hätte sich gewünscht, dass Kunisch die preußischen Kriege auch aus einer universalgeschichtlichen Perspektive beleuchtet. Denn der Kampf um Schlesien, so Wehler, war ein "Nebenschauplatz des englisch-französischen Großkonflikts". Den Gesamteindruck trübt dies jedoch nicht. Für Wehler hat Johannes Kunisch "eine Biografie in der Perspektive unserer Zeit geschrieben: glänzend informiert, differenziert im Urteil, letztlich anerkennend, doch ganz frei von blinder Verehrung."
Johannes Kunisch war bis zu seiner Emeritierung Professor für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln. Er ist Vorsitzender der Preußischen Historischen Kommission in Berlin. mehr lesen
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