Lange Zeit war der Staat für die Menschen so selbstverständlich, dass nur Utopisten von einer Gesellschaft ohne Staat träumten. Mit dem "Ende der Geschichte" scheint das jedoch anders geworden zu sein. Die Weltökonomie ist dabei, die Souveränität der Staaten auszuhöhlen. Das Kapital ist staatenlos, umso mehr sind die Menschen aber auf den Schutz ihres Staates angewiesen. Große Staatsdenker haben einen Kernbestand an Staatlichkeit herausgearbeitet, der auch heute noch gültig ist. Dieses Buch schlägt daher einen Bogen von Machiavelli, Bodin und Hobbes über Rousseau, Kant und Hegel bis zu den modernen und postmodernen Staatsdenkern Derrida, Habermas und Agamben und weiter zu den französischen Philosophen von heute. Dabei erscheint Carl Schmitt als Mittler zwischen den "Welten". Im Zentrum des Buches steht die Frage: "Wie kann man den Staat in einer Zeit denken, die aus den Fugen geraten zu sein scheint?"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2007
Mit hohem Lob bedenkt Wolfgang Kersting diese Studie über die Frage nach dem Staat in der politischen Moderne, die Rüdiger Voigt vorgelegt hat. Dem Staatswissenschaftler gelingt es seines Erachtens darin souverän, "hohe Aktualität mit hoher Gelehrsamkeit" zu verbinden. Er würdigt Voigt als "bedächtigen Denker", der die Krise des modernen westlichen Staates, der handlungsunfähig, überlastet, durch die Globalisierung unter Druck sei, nicht zum Anlass nimmt, einen Abgesang auf ihn anzustimmen. Vielmehr findet er bei Voigt eine fruchtbare Analyse des philosophischen und wissenschaftlichen Staatsdenkens der Neuzeit und der Gegenwart, von Bodin und Hobbes über Locke und Kant zu Habermas, Derrida und Agamben. Besonders unterstreicht er dabei Voigts Auseinandersetzung dieser Denker mit dem etatistischen Souveränitätskonzept Carl Schmitts, der als Mittler zwischen den verschiedenen politikphilosophischen und staatsrechtlichen Theorien fungiert. Deutlich wird für Kersting unter anderem, dass sich ein Hobbes'scher "Kernbestand an Staatlichkeit" aufrechterhalten lässt und dass das staatspolitische Ziel, die Sicherheit und Freiheit der Bürger zu gewähren, auch weiterhin die Pflege staatlicher Grundstrukturen verlangt.
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