Carola Stern

Kommen Sie, Cohn!

Friedrich Cohn und Clara Viebig
Cover: Kommen Sie, Cohn!
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006
ISBN 9783462037241
Gebunden, 167 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Ein Buch über die Schriftstellerin Clara Viebig und den Verleger Friedrich Theodor Cohn. Carola Stern erzählt in ihrem letzten Buch die Geschichte einer jüdisch-christlichen Familie zur Zeit der Jahrhundertwende, als die von Fontane beschriebene Welt des preußischen Adels unterging und Berlin zu einer Metropole der wirtschaftlichen und kulturellen Moderne wurde. Ein neues Wort kam damals auf, das Geschichte machen sollte: Antisemitismus. Zu Hause beim alten Fontane hat alles begonnen: Die angehende Autorin Clara Viebig erbittet sich Rat von dem großen Berliner Schriftsteller. Und der reicht ihre Manuskripte weiter an den Verlag seines Sohnes. Teilhaber dieses Verlages ist Friedrich Theodor Cohn, weit gereister Sohn einer gebildeten jüdisch-bürgerlichen Familie. In "Fritz" findet Clara einen verständnisvollen Zuhörer, der an ihrer literarischen Arbeit interessiert ist. Mit seiner Hilfe wird die Chronistin der kleinen Leute, die "deutsche Zola", eine Bestsellerautorin. 1896 heiraten die beiden - eine jüdisch-christliche Ehe ist zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. Ihre Familien sind von der Verbindung nicht begeistert. Bei Claras Mutter muss Fontane vermitteln: Cohn gehöre doch zu den "feinen Juden", nicht zu den Ostjuden, die der Berliner Historiker Heinrich Treitschke als "unser Unglück" bezeichnet hat. Carola Stern erzählt von Fritz und Clara, von den politischen und amourösen Affären ihres Sohnes Ernst, der komponiert und dirigiert und später emigriert, von dem Freundeskreis, zu dem Rudolf Steiner gehört, und von "Min", dem politisch couragierten Schriftsteller Armin T. Wegner, der 1933 einen berühmten Brief an Hitler schreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2006

Rezensentin Maria Frise sieht in Carola Sterns Biografie über Friedrich Cohn und Clara Viebig zugleich ein Porträt der Zeit um die Jahrhundertwende. Dass dabei manches skizzenhaft bleibt, erklärt sie damit, dass die inzwischen verstorbene Stern ihr letztes Buch nicht mehr selbst beenden konnte. Dennoch attestiert sie Sterns Freundin, Verlegerin und langjähriger Lektorin Ingke Brodersen, bei der Vollendung des Buchs nach Plänen der Autorin gute Arbeit geleistet zu haben. Sie unterstreicht die Assimilationsbemühungen des jüdischen Verlegers Friedrich Cohn, der zum Protestantismus konvertierte, als er Clara Viebig, die er im Haus Theodor Fontanes kennen gelernt hatte, heiratete. Zum Bedauern Frises erfährt man über Viebigs Werk, die mit ihren in Cohns Verlag erschienen Büchern zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Zeit wurde, recht wenig. Deutlich wird für sie dafür der zunehmende Antisemitismus, dem Cohn und Viebig mit Resignation begegneten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Bemerkenswert findet Rezensent Dorion Weickmann diese Doppelbiografie über die Schriftstellerin Clara Viebig und den Verleger Friedrich Theodor Cohn. Wie er hervor hebt, erzählt die inzwischen verstorbene Autorin Carola Stern die Geschichte des aus einer gebildeten jüdisch-bürgerlichen Familie stammenden Cohn und seiner protestantischen Gattin Clara Viebig vor dem Hintergrund des Ende des 19. Jahrhunderts aufkeimenden Antisemitismus. Eindringlich erscheint der wilhelminischen Antisemitismus für Weickmann dabei als "Präludium der nationalsozialistischen Barbarei". Er attestiert Stern Begabung für "szenische Arrangements" sowie "Freude am Fabulieren". Beeindruckt hat ihn besonders ihr Sinn für die Würde des einzelnen Menschen, der auch in vorliegendem Werk immer deutlich zu spüren ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2006

Das letzte Buch der inzwischen verstorbenen Carola Stern ist für Jürgen Busche möglicherweise das "schönste", mit Sicherheit aber ihr "bestes", wie er beteuert. Es handelt von Friedrich Cohn, einem erfolgreichen Verleger, und seiner als Schriftstellerin beachteten Ehefrau Clara Viebig, einen erhellenden Einblick in deutsch-jüdisches Leben im 20. Jahrhundert bekommt man zudem ganz nebenbei. Am meisten hat Busche offensichtlich die große Zurückhaltung der Autorin beeindruckt, die ihr Thema nicht auswalzt und wie im Vorbeigehen auch einige Zeitgenossen des Ehepaars porträtiert.
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