Zu seinem 200. Geburtstag widmet Regina Dieterle dem Schriftsteller Theodor Fontane eine umfassende Biografie. Auf der Grundlage jüngster Recherchen zeichnet sie ein zeitgemäßes Bild des scheinbar vertrauten Autors, der zu den großen europäischen Romanciers des 19. Jahrhunderts zählt. Neben den Romancier tritt nun der Reiseschriftsteller und Journalist. Wechselseitig betrachtet, werden die engen Verbindungen zwischen dem literarischen und dem journalistischen Werk deutlich. Das wirft nicht nur ein neues Licht auf Fontanes Arbeitsweise, sondern verändert auch unsere Lektüre der Romane.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.03.2019
Rezensent Harry Nutt lernt Fontane in Regina Dieterles Biografie als liebenswerten Flunkerer kennen. Seine Manöver durchschaut sie, unangenehme Eigenschaften wie Fontanes Antisemitismus werden nicht übertüncht, aber alles in allem zeichnet sie doch ein eher freundlichen Gesamtbild, was für Nutt durchaus in Ordnung geht. Fontane war ein Kind seiner Zeit, denkt er sich und scheint froh, dass die Biografin auf den Gestus der Demaskierung verzichtet. Kenntnisreich und leicht lesbar findet Nutt das Buch, das Fontanes Selbstauskünfte immer wieder hinterfragt, sie mit Werk und historischem Kontext abgleicht, wie er schreibt. Ausführlich berichtet Dieterle laut Rezensent von Fontanes Herkunft, schreibt Werkgeschichte, sammelt Lebensdaten, und dies alles stets quellenreich und mit distanziertem Wohlwollen, so Nutt anerkennend.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2019
Rezensent Burkhard Müller freut sich, dass Regine Dieterle für ihre Fontane-Biografie tatsächlich Neues herausgefunden hat. Etwa, den Umstand, dass der Korrespondent Fontane in London einen Spion an den Fersen kleben hatte. Ein bisschen "Fontanisieren" gesteht Müller der Autorin da gerne zu, zumal sie die "schmunzelnden" Aspekte von Fontanes Leben und Schaffen übernimmt, wie er feststellt. Unterhaltsam findet Müller das Buch in stilistischer Hinsicht, da Dieterle zum kessen auktorialen Wir neigt und mitunter belletristisch wird, ohne dabei die Schwächen ihres Objekts aus dem Blick zu verlieren.
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