Heinz Dieter Kittsteiner

Die Stabilisierungsmoderne

Deutschland und Europa 1618-1715
Cover: Die Stabilisierungsmoderne
Carl Hanser Verlag, München 2010
ISBN 9783446235809
Gebunden, 448 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Europa im 17. Jahrhundert: Nach dem Dreißigjährigen Krieg löst sich der Staat von der Kirche, statt Angst und Magie bestimmt von nun an die Naturwissenschaft das Weltbild. Heinz Dieter Kittsteiner nennt diese Zeit der Säkularisierung die Stabilisierungsmoderne. Der Historiker verwebt Politik, Wirtschaft, Religion, Kunst, Wissenschaft und Alltag zu einer vielstimmigen Geschichte. Berühmte Wissenschaftler kommen ebenso zu Wort wie einfache Soldaten. Reich illustriert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2010

Der überraschende Tod des Historikers Heinz Dieter Kittsteiner hat auch zur Folge, dass Rezensent Thomas Maissen ziemlich allein dasteht mit der Epochenbezeichnung "Stabilsierungsmoderne". Ob sich der Begriff als solcher überhaupt eignet, müsse sich noch erweisen, meint Maissen. Mit dem nun erschienenen ersten Teilband (1618-1715) der vom Autor dreibändig angelegten und jäh abgebrochenen Geschichte der Moderne hat Maissen noch weitere Schwierigkeiten. So stört ihn die mechanistische Bildlichkeit Kittsteiners, in der eine Epoche die andere überrollt. So scheint ihm der Stabilisierungsprozess in einer an sich von Maissen wohlwollend betrachteten Geschichte "von unten", der Söldner und Hexen und Höflinge nämlich, vom Autor allzu geistesgeschichtlich gedacht. Bei aller philosophischen Bildung, bei aller unkonventionellen Denke des Autors auch und seiner eleganten Feder - zu einer einleuchtenden Synthese gelangt Kittsteiner laut Maissen hier nicht. Allzu häufig erscheint ihm der Band als eine Kompilation beliebiger Lesefrüchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2010

Eingenommen ist Rezensent Harry Nutt von Heinz Dieter Kittsteiners posthum erschienenen Werk über das Deutschland und Europa im 17. Jahrhundert. Das ursprünglich auf sechs Bände angelegte Projekt konnte zu Nutts Bedauern wegen des Tods des Historikers nicht mehr realisiert werden. Immerhin vermittelt der nun vorliegende Band in seinen Augen einen ausgezeichneten Eindruck von Kittsteiners "neuartigem Blick" auf die deutsche Geschichte im Prozess der Moderne. Erhellend scheint Nutt, wie der Autor die Epoche anhand so unterschiedlicher Beispiele wie der Hexenverfolgung und der sich wandelnden kosmologischen Weltsicht untersucht. Eine der wichtigsten Quellen des Autors scheint Nutt das Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf zu sein, eines gebildeten Mannes, der an der Zerstörung Magdeburgs teilgenommen hat. Das Fazit des Rezensenten: ein sprachlich eleganter, origineller und anregender Blick auf Deutschland und Europa im 17. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Großes Bedauern spricht aus Rezensent Patrick Bahners Rezension dieses Buches - das nämlich nur der erste von insgesamt sechs geplanten Halbbänden einer Modernegeschichte ist. Weitere aber werden nicht folgen, weil der Autor Heinz-Dieter Kittsteiner vor zwei Jahren überraschend verstarb. So bleiben also vor allem vielversprechende "Vorausdeutungen" auf das, was hätte folgen sollen; und es bleibt ein Inhaltsverzeichnis als Aufriss, aus dem auch sichtbar wird, dass viele der hier scheinbar etwas "beliebig" aufgenommenen Themen (von Spinoza bis China) auf mutmaßlich Zusammenhänge erhellende Weise wiedergekehrt wären. Gar nicht so sehr die Originalität im einzelnen ist es, die Bahners an diesem Band schon beeindruckt. Bewundernswert findet er eher, wie souverän Kittsteiner über das von der Forschung erarbeitete Material verfügt und seine Darstellung eher durch Anordnung, Auslassung und Gewichtung pointiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2010

Jens Bisky seufzt. Was hier nun vorliegt, findet er großartig, aber wie viel großartiger wäre es noch, hätte Heinz-Dieter Kittsteiner sein ehrgeiziges Projekt einer neuen Historie der Moderne vollenden können. Es kam ihm der Tod leider dazwischen und so wird es bei diesem ersten von sechs geplanten Bänden bleiben: der Rest ist nur in Form eines Inhaltsverzeichnisses im Vorwort präsent. Der Moderne-Entwurf, den der Marxist Kittsteiner hier in aufklärerischer Absicht als "große Erzählung" nach dem Ende der "großen Erzählungen" sich vornahm, sah nach der Stabilisierungsmoderne die weiteren Stufen der "Fortschrittsmoderne" und der "heroischen Moderne" vor. In dem nun vorliegenden Band geht es um das Chaos des 17. Jahrhunderts und die Befriedung, die folgte. Quellennah und "ironisch" verstehe Kittsteiner das zu erzählen und damit den Leser von Anfang bis Ende zu fesseln.
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