Georg Schmidt

Die Reiter der Apokalypse

Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
Cover: Die Reiter der Apokalypse
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406718366
Gebunden, 810 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Mit dem berühmten Prager Fenstersturz im Mai 1618 begann ein gewaltiger Krieg, der Millionen Menschenleben fordern und drei Jahrzehnte andauern sollte. Bis heute ist diese beispiellose historische Katastrophe von Mythen überwuchert. Georg Schmidt, einer der großen Kenner der Epoche, legt aus Anlass des 400. Jahrestages eine Gesamtdarstellung des Dreißigjährigen Krieges auf dem neuesten Stand der Forschung vor. "Die Reiter der Apokalypse" - das waren Krieg, Hunger und Seuchen, die einen millionenfachen Tod brachten und weite Teile Mitteleuropas verwüsteten. In seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges verknüpft Georg Schmidt das politische und militärische Geschehen mit Tagebuchaufzeichnungen, Predigten und anderen zeitgenössischen Quellen, die beklemmend anschaulich zeigen, wie der Krieg erfahren und durchlitten wurde: als Strafe Gottes, als Kampf um die deutsche Freiheit, als blutiger Weg zu einem neuen Frieden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.09.2018

Dirk Pilz stellt neue Bücher zum Dreißigjährigen Krieg vor. Den Ansatz des Historikers Georg Schmidt findet er detailreich aber problematisch. Dass sich der Autor bemüht, den Verlauf des Krieges nachvollziehbar zu machen, in allen Ehren, meint er, doch sein Ziel verfehlt Schmidt leider. Das liegt zum einen an seinem trockenen Stil, der Pilz schnell ermüdet, zum anderen daran, dass der Autor trotz aller Beflissenheit, auch die Zufälle in der Entwicklung zum Krieg hin zu schildern, eine "Fortschrittsstory" schreibt. Krieg und Fortschritt, das verträgt sich für Pilz nicht gut. Schmidts Vorstellung, der Krieg habe zu einem Säkularisierungsschub geführt, kann Pilz nicht nachvollziehen. Das ist ein frommer Wunsch des Autors, keine Geschichtsschreibung, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2018

Rezensent Rudolf Neumaier freut sich über den weiten und frischen Blick des Frühneuzeit-Historikers Georg Schmidt auf den Dreißigjährigen Krieg. Die Quellen, die der Autor für seine Analyse auswertet, scheinen anderen entgangen zu sein, staunt Neumaier. Dass sich der Autor vor allem für die Atmosphäre interessiert, in der der Krieg ausbrach, verbucht er als Gewinn. Den Geist der Zeit vermittelt ihm der Autor aus Quellen aus verschiedensten Gegenden und mit Blick für die politische wie die militärische Entwicklung. Über Tabubrüche und Medienrevolutionen berichtet Schmidt ihm und zeigt, mit welchen Impulsen, Hoffnungen und Ängsten in den Bauernstuben politisiert wurde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2018

Andreas Kilb lässt sich von Georg Schmidt in die Herrschaftskämpfe, militärischen Bündnisse und geostrategischen wie verfassungsrechtlichen Konflikte des 17. Jahrhunderts einführen, für ihn das eigentliche Verdienst des Buches. An Schmidts herausragenden Kenntnissen über die Rechtslage im Heiligen Römischen Reich hat er keinen Zweifel. Allein die Beschränkung auf den deutschen "Reichs-Staat" der Habsburger lässt Kilb die indirekt am Krieg beteiligten Staaten in der Darstellung vermissen. Dass die Personenzeichnung nicht Schmidts Sache ist, merkt Kilb an der dünnen Charakterisierung Wallensteins. Die Darstellung des Kriegswesens bietet Schmidts "Großpanorama" hingegen in allen Facetten, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.05.2018

Sehr ambitioniert findet der Historiker Bernd Roeck das Buch seines Jenaer Kollegen Georg Schmidt, der in seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges den "tiefen tektonischen Verwerfungen" nachspürt, die sich seit Renaissance und Reformation durch Europa ziehen. Schmidt deute den Krieg nicht nur als Religionskonflikt, sondern als Machtkampf, als Selbstbehauptung der alten Stände und Staaten gegen die Hegemoniebestrebungen der Habsburger. Da Schmidt auf Aktualisierungen des Geschehens verzichtet, sieht Roeck in diesem Buch auch das Gegenstück zu Herfried Münklers Band, der mit seiner aktualisierenden Geschichtsschreibung den "historisierenden Historikern" den Kampf angesagt habe.