Jiri Langer

Jiří (Georg) Mordechai Langer wurde 1894 in Prag geboren, als sechs Jahre jüngerer Bruder von František Langer, der wegen seines Einsatzes für die Gründung eines unabhängigen tschechoslowakischen Staats - Legionärsbewegung im Ersten Weltkrieg - und vor allem als Dramatiker zu einem der anerkanntesten Schriftsteller seines Landes wurde. Das gilt für Jiří Langer nicht, dem die Rolle im Rampenlicht allerdings auch wenig behagt hätte. Zunächst ein leidenschaftlicher Konzertbesucher und Leser, wandte er sich unter dem Einfluss eines Freundes der jüdischen Religion zu. 1913 verschwand er aus seinem Elternhaus und aus Prag in die Welt, in der er in Gedanken und im Glauben schon länger lebte: In Belz, rund tausend Kilometer östlich, in der hintersten Provinz, schloss er sich der religiösen Bewegung der Chassidim an, jener rückständigen Welt mit ihren Wunderrabbis und der religiösen Ekstase, die vom aufgeklärten Judentum zumeist belächelt oder sogar bekämpft wurde.
Nach langen Aufenthalten unter den Chassidim - der Erste Weltkrieg und die neuen Grenzziehungen nach dem Zusammenbruch des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn zersprengten die angestammten religiösen Zentren - fand Jiří Langer mühsam in das bürgerliche Prager Leben zurück, das er zunächst - in der Tracht eines mittelalterlichen Juden: in einem Kaftan, mit traditionellem Hut, wildem Bart und Schläfenlocken - einigermaßen aufgeschreckt hatte. Er blieb seinem tiefen Glauben und manchen religiösen Riten treu, die er in Belz praktiziert hatte. Und er verband seine tiefe Kenntnis des traditionellen Judentums mit der Moderne: so mit Sigmund Freud und Albert Einstein. Diese Forschungen mündeten 1923 in das Deutsch verfasste, von Max Brod lektorierte Buch "Die Erotik der Kabbala".
1937 kehrte er in "Die neun Tore" zurück zur Welt der Chassidim, wie er sie bereits jahrelang seinen Freunden Franz Kafka und Max Brod geschildert hatte. Als die Deutschen 1939 in Prag einmarschierten, stand der Untergang der alten jüdischen Welt in Europa bevor. Jiří Langer gelang unter zermürbenden Umständen die Flucht nach Palästina. Diese Strapazen hatten weitreichende Folgen: Jiří Langer zog sich auf der Flucht eine Krankheit zu, wurde nicht mehr gesund, und starb 1943 in Tel Aviv.

Jiri Langer: Die neun Tore. Geheimnisse der Chassidim

Cover: Jiri Langer. Die neun Tore - Geheimnisse der Chassidim. Arco Verlag, Wuppertal, 2012.
Arco Verlag, Wuppertal - Wien 2012
Aus dem Tschechischen von Kristina Kallert. Mit einem Vorwort von František Langer. Herausgegeben und mit einem Essay von Andreas Kilcher. Jiří (Georg) Langer (1894-1943) kannte den Chassidismus wie kaum…