Geza Csath

Wenig ist über das Leben des Literaten, Arztes und Morphinisten Géza Csáth bekannt. Geboren wurde er 1888 als József Brenner in Szabadka, dem heutigen Subotica. Nach dem Abitur studierte er Medizin in Budapest, 1910 machte er sein Diplom als Neurologe, Assistenzarzt in der Klinik von Professor Moravcsik. Im selben Jahr - am 20. April, wie wir aus seinen Tagebüchern wissen - spritzt er sich "nach einer durchwachten, von Angst und Verzweiflung erfüllten Nacht" zum erstenmal Morphium. Er gibt die Stellung auf und schlägt sich als Kurarzt durch. Süchte bestimmen sein Leben: nach Glück, Reichtum, Frauen, literarischem Erfolg und nach Morphium. 1909 erscheint sein erster Novellenband, binnen vier Jahren folgen vier weitere. Ebenfalls 1909 erscheint ein Essay über das Opium. Csáth spielt Violine und Klavier, komponiert. Ein Buch über Puccini wird ins Deusche übersetzt. Als er 24 Jahre alt ist, spielt ein Budapester Theater zwei Stücke von ihm. Ein Jahr später erscheint sein erstes medizinisches Buch: Über den psychischen Mechanismus der Geisteskrankheiten.
Dann kommt der Erste Weltkrieg. Csáth wird Militärarzt, wird aber, schwerkrank, entlassen und praktiziert als Landarzt in verschiedenen Dörfern Südungarns. Über die Frau, die er heiratet, schütteln Verwandte und Freunde den Kopf. Eines Tages erschießt er seine Frau, sein Selbstmord wird verhindert. Man bringt ihn in eine Klinik. Aus ihr flieht er einige Wochen später. Er will nach Budapest, aber inzwischen gibt es eine Demarkationslinie. Serbische Soldaten fangen ihn ab, im Handgemenge nimmt er Gift und stirbt im Straßengraben, am 29.9.1919. Seine Grabstelle in Subotica gibt es nicht mehr, niemand kam für sie auf.

Geza Csath: Erzählungen.

Brinkmann und Bose Verlag, Berlin 1999
Ausgewählt und aus dem Ungarischen übersetzt von Hans Skirecki.