Elena Guro

Elena Guro, sie lebte von 1877 bis 1913, ist eine der ersten und die einzige Dichterin des frühen russischen Futurismus und die vielleicht am meisten verkannte, von der sowjetischen Literaturgeschichtsschreibung verschwiegene Autorin. Sie gehörte zum Kreis jener damals so vielen Doppelbegabungen im Malerischen wie im Literarischen, war an allen frühen Almanachen der Futuristen mit eigenen Arbeiten beteiligt, mit Gedichten, mit Prosa, mit Bildern und Illustrationen. Als Dichterin hat Elena Guro, unverkennbar eine Petersburgerin, einen ganz eigenen Ton gefunden. Ihre pastellleichten, ironisch überhöhten Stadtbilder, gewiss von der Prosa der Symbolisten beeinflusst, - lassen an die Großstadtpoesie Majakowski, aber mehr noch an die Welimir Chlebnikows denken; interessanterweise haben diese so unterschiedlichen Autoren Elena Guro beide verehrt und geliebt. Verheiratet mit dem Komponisten, Schriftsteller und Verleger Michail Matjusin, einer der wichtigsten Förderer der Futuristen, wurde beider Wohnung in Petersburg zu einem Aktions-Zentrum der Avantgarde.

Elena Guro: Lieder der Stadt. Prosa und Zeichnungen

Friedenauer Presse, Berlin 2003
Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Peter Urban. Ganz im Gegensatz zum kämpferischen Impetus und dem Getöse, mit dem die Futuristen in der Öffentlichkeit auftraten, ist der Ton Elena Guros,…