9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

369 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 37

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2025 - Wissenschaft

Verschwendung von Steuergeldern, zweifelhafte "Diversity"-Klauseln - amerikanische Universitäten haben viele Fehler gemacht, weiß Yascha Mounk in der Welt: "Und ja, in manchen Ecken so gut wie jeder amerikanischen Hochschule - auch in Harvard - wimmelt es inzwischen von ideologischem Unsinn. Aber wie andere bedeutende Institutionen, die massiv unter Beschuss geraten sind, bleibt Harvard zugleich führend in zentralen Forschungsfeldern - von Halbleitern bis zur Künstlichen Intelligenz. Wenn Trump wirklich daran interessiert wäre, dass Amerika in den nächsten Jahrzehnten Konkurrenten wie China überflügelt, müsste er erkennen, dass es für das Land ein sehr schlechtes Geschäft ist, seine Zukunftsindustrien zum Kollateralschaden eines ideologischen Kriegs gegen woke Professoren im Fachbereich Amerikastudien zu machen."

In der SZ kommentiert Alexander Görlach: "Wer meint, dass Trump nur ein Exempel an einer von sich selbst zu sehr eingenommenen Elite-Institution statuieren will, der irrt. Im zeitlichen Umfeld von Trumps Attacke auf Harvard spielte der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Mike Johnson, mit dem Gedanken, die Bundesgerichte zu 'eliminieren', sollten sie weiter Urteile fällen, die Trump missfallen. Die Attacken auf die Gerichte, die Universitäten und die Medien ergeben das Bild eines gleichgeschalteten Trump-Amerikas, das dem der Oligarchie, mit der Wladimir Putin die Menschen in Russland geißelt, in nichts nachsteht. Trump schafft alle checks and balances ab, die ihm und seinen Kumpanen dabei im Weg stehen, sich weiter zu bereichern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2025 - Wissenschaft

Die Astronomin Aparna Venkatesan macht sich im Gespräch mit Sophie Tiedemann von der taz Sorgen über die Lichtverschmutzung, nicht nur auf der Erde. Die Tausenden Satelliten in der Umlaufbahn erzeugen Reflexionen, die die Teleskope behindern, erläutert sie. "Außerdem kommt es insgesamt zu einer Aufhellung des Himmels durch die schiere Menge leuchtender Punkte... Dass heute fast niemand mehr dunkle Sternenhimmel oder die Milchstraße sehen kann, bereitet mir Sorgen. Denn wir schützen und schätzen nur das, was wir kennen. Wenn wir den Himmel, den die Menschheit über Jahrtausende gekannt hat, nicht mehr erleben - wie sollen wir dann den Geschichtenerzähler*innen und Wissenschaftler*innen von morgen zeigen, was wir einst hatten? Das ist keine bloße Nostalgie nach einer vergangenen Zeit. Der Himmel war einst unser natürlicher Referenzrahmen, etwas, an das wir uns biologisch, kulturell und spirituell angepasst haben. Das will ich verteidigen. Ich halte es für ein zentrales menschliches und ökologisches Recht."
Stichwörter: Lichtverschmutzung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2025 - Wissenschaft

Christian Strowa, der Leiter des Deutsch Akademischen Austauschdienstes in New York, fasst im Welt-Gespräch die Lage für ausländische Wissenschaftler in den USA zusammen. Grund zur Panik besteht ihm zufolge nicht - alarmierend klingt aber eigentlich schon, was er berichtet: "Wenn ich als deutscher Studierender hier bin und ich möchte beispielsweise über Ostern meine Familie in Deutschland besuchen, kann ich das überhaupt noch machen oder riskiere ich, nicht wieder einreisen zu können? Es ist tatsächlich so, dass viele Universitäten ihren internationalen Studierenden vor dem 'Spring Break' im März eine E-Mail geschickt und ihnen geraten haben, ihre Vorlesungspause in den USA zu verbringen. Deutsche Studierende sind nicht unbedingt im Fokus, aber auch vor dem Hintergrund der angeführten Antisemitismusbekämpfung wird jetzt bei der Wiedereinreise sehr viel genauer als vorher geschaut, auch auf soziale Medien. Das kannte man in diesem Ausmaß hier noch nicht. Das Auswärtige Amt hat kürzlich auch seine Reisehinweise entsprechend aktualisiert."
Stichwörter: Daad

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2025 - Wissenschaft

Das Motto des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, "Wandel durch Austausch", sollte nie bedeuten, dass wir andere wandeln, sondern dass der Wandel uns alle betrifft, stellt Joybrato Mukherjee, Präsident des DAAD, im Interview mit der FAZ klar. Natürlich hat der Austausch Grenzen, wie jetzt bei Russland, aber bei der Türkei, Indien und sogar China gilt das nicht: Die Türkei habe "keinen Nachbarstaat überfallen, weshalb wir weiter Kontakte pflegen und etwa an der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul festhalten. Ein Rückzug aus Indien steht nicht zur Debatte, im Gegenteil: Wir wollen die Partnerschaft ausbauen. Ich selbst stehe der Hindutva-Ideologie sehr kritisch gegenüber, aber das Agieren der aktuellen indischen Regierung ist in ihren Konsequenzen für die Wissenschaft doch weit entfernt von dem, was wir etwa gerade in den USA erleben. Wir haben in Indien mit dem Supreme Court einen bemerkenswert stabilen Pfeiler eines funktionierenden Rechtsstaates. ... Auf die Kooperation mit China werden wir schon allein deshalb nicht verzichten können, weil wir uns ansonsten von wichtigen technologischen Entwicklungen ausschlössen. Wir müssen aber auf die Spielregeln achten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2025 - Wissenschaft

"Wie können wir angesichts der immer schlauer werdenden Maschinen menschlich bleiben?", fragt der amerikanische Politologe Roger Berkowitz und führt in der SZ die Geisteswissenschaften gegen eine von Technik bestimmt Welt ins Feld: "In einer Zeit, in der Forschungsuniversitäten, die mit vielen Milliarden Dollar ausgestattet sind, in den USA von einer menschlich irrationalen Regierung bedroht werden, ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass die Geisteswissenschaften wenig kosten, aber viel bieten. Sie bieten weder Gerechtigkeit noch Wahrheit, sondern die Möglichkeit, indem wir miteinander reden, eine gemeinsame Welt aufzubauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2025 - Wissenschaft

Irgendwo, ziemlich weit weg, gibt es einen Planeten namens K2-18b, der seine Sonne innerhalb der bewohnbaren Zone umkreist: Man könnte dort ein Glas Wasser hinstellen, und es würde weder verdampfen noch gefrieren, erzählt Enno Schöningh in der taz. Es könnte der erste von Wissenschaftlern entdeckte Planet sein, auf dem es Leben gibt. Denn die Wissenschaftler fanden auch "Hinweise auf Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan - und auch auf Dimethylsulfid (DMS). Das ist ein Molekül, das auf der Erde nur von lebenden Organismen produziert wird, größtenteils von marinem Phytoplankton. Deshalb vermuteten sie, dass der Planet einen Ozean haben könnte. Die Hinweise auf DMS waren jedoch äußerst schwach, und viele Astronom*innen forderten belastbarere Hinweise. Mitte April hat das Forschungsteam daher K2-18b mit einem anderen Instrument des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) beobachtet. Dieses Mal fanden sie ein viel stärkeres Signal für DMS und zusätzlich auch für ein verwandtes Molekül namens Dimethyldisulfid (DMDS), das auf der Erde ebenfalls nur von Lebewesen produziert wird."
Stichwörter: Außerirdisches Leben, Ozean

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.04.2025 - Wissenschaft

Dass sich die Trump-Regierung ausgerechnet die Universität Harvard vornimmt (unsere Resümees), ist wahrlich kein Zufall, erinnert Andrian Kreye in der SZ. Sie gilt noch immer "als Kaderschmiede eines liberalen Amerikas": "Der rechtsideologische Strippenzieher Peter Thiel etablierte 2010 eine Fellowship, die ausgewählten Elitestudierenden 100 000 Dollar dafür bezahlt, ihr Studium abzubrechen. Milliardenschwere Gründer erfolgreicher Firmen wie der Cryptowährungs-Plattform Ethereum, der Hotelkette Oyo Rooms oder der KI-Firma Cognition AI gehören zu den Thiel-Fellows. Andere Giganten der Techwelt wie Bill Gates oder die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Dustin Moskovitz gehen auch ohne Thiel-Geld schon seit Jahren damit hausieren, dass sie so erfolgreich wurden, obwohl sie in Harvard hinschmissen. So funktioniert Harvard sogar im negativen Umkehrschluss: als Symbol eines bildungsfeindlichen Zeitalters."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2025 - Wissenschaft

Die Harvard-University in den USA widersetzt sich Forderungen der Trump-Regierung, die bereits zwei Milliarden Fördergelder eingefroren hat. Unter anderem forderte Trump, Diversitätsabteilungen zu schließen und die Einwanderungsbehörde bei der Kontrolle von Studierenden zu unterstützen. Aber anders als Columbia knickt der Harvardpräsident Alan Garber nicht einfach ein:

Auch die vorherigen Regierungen hatten nicht immer ein ungetrübtes Verhältnis zur Wissenschaft, gibt der in Harvard lehrende Psychologe und Kognitionswissenschaftler Steven Pinker in der SZ, befragt von Andrian Kreye, zu bedenken. Aber das hier ist etwas ganz anderes: "Ich glaube, dass Trump sehr viel weiter geht als die Republikaner vor ihm. Auch die Demokraten haben sehr viel Wissenschaftsleugnung betrieben, etwa bei den Geschlechterunterschieden. Oder bei der Verteilung bei Opfern von Polizeischießereien. Biden hat sich die Zahlen über die unterschiedlichen Anteile von Schwarzen und Weißen, die von der Polizei erschossen werden, einfach nicht angesehen. Viele der Covid-Maßnahmen waren nicht besonders wissenschaftlich fundiert. Aber Trump hat das noch mal auf eine ganz andere Ebene gehoben. Das ist keine Leugnung. Das ist die komplette Verachtung der Wissenschaft. Wenn er zum Beispiel einen Impfgegner zum Leiter des Gesundheitswesens macht: Das ist eine Verachtung des wissenschaftlichen Konsenses, wie wir sie seit Langem nicht mehr erlebt haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2025 - Wissenschaft

Pia Heinemann schildert im Leitartikel der FAZ die extrem wissenschaftsfeindliche Politik der Trump-Regierung. Drastische Einschnitte betreffen die Medizin, Klimaforschung, Pharmafoschung und viele andere Bereiche. Und auch wenn Europa von einem neuen Braindrain profitieren sollte, warnt Heinemann: "Der Schaden beschränkt sich nicht auf die USA. Wissenschaft basiert auf internationalem Austausch. Dass amerikanische Klima- und Gesundheitsforscher schon nicht mehr zu internationalen Treffen reisen, Daten nicht mehr austauschen dürfen, bremst den Fortschritt weltweit. Zudem entstehen Datenlücken, die global zu Problemen führen können. Breiten sich Infektionskrankheiten unbemerkt aus, verengt sich in allen anderen Ländern das Zeitfenster, um den Schutz hochzufahren."
Stichwörter: Wissenschaftspolitik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2025 - Wissenschaft

Roglit Ishay und Marina Allal vom Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender schildern in der taz den grassierenden Antisemitismus an Deutschen Universitäten. Die Leitungen seien oft überfordert oder gleichgültig: "Der Vortrag von Emilia Roig an der FU Berlin ist ein Beispiel dafür. Auf einer gezeigten Power Point wurde in der Folienabfolge Theodor Herzl mit Europas Rechtsradikalen verglichen, eine völlig anachronistische und nicht haltbare Gleichsetzung. Gleichzeitig wurde eine geplante Veranstaltung wie die Ausstellung 'The Vicious Circle' über antisemitische Pogrome von der NS-Zeit bis heute abgesagt, unter anderen mit der nachträglichen Begründung, dass eine Darstellung antisemitischer Pogrome zu unterschiedlichen Zeiten unter Umständen als eine Form der Holocaust-Relativierung verstanden werden könnte. In Wirklichkeit aber findet die Relativierung der Shoah an anderer Stelle statt. Etwa wenn der Genozid-Begriff pauschal im Zusammenhang mit Gaza geführt wird. Wenn auf diese Weise eine latente Holocaust-Relativierung stattfindet, wird das zu selten als Problem wahrgenommen."