Das
Thema Iran verschwindet langsam aus den Zeitungen. In der
FAS findet sich noch ein ganzseitiger Brief einer jungen iranischen Autorin unter dem Pseudonym Nila, die von Familien erzählt, die in den Leichenhallen nach ihren Kindern suchen müssen: "Auf den Säcken stehen keine Namen. Deshalb muss jeder den Reißverschluss eines jeden Sacks öffnen, bis er das Gesicht seines eigenen geliebten Menschen findet. Das ist das brennendste und
schmerzlichste Feuer im Leben der Iraner." Unglücklich ist sie auch über die Gespaltenheit der
Opposition. Aber kann man den Pahlevi-Anhängern wirklich trauen, fragt sie sich: "Derzeit sind alle Monarchisten der Ansicht, dass die übrigen Protestierenden - im Sinne der Einheit - zugunsten der monarchistischen Strömung besser auf Kritik am monarchischen System oder an der Person des Reza Pahlavi und seinem Umfeld verzichten sollten. Aber ist diese Aufforderung zum Schweigen, sind diese versöhnlichen Formen der Nachsicht nicht vergleichbar mit dem Aufruf zum Aushalten und Abwarten, den die
Anhänger Khomeinis im Jahr 1357 (1979) an die anderen Oppositionsgruppen richteten?" In der
SZ ruft Sara Maria Behbehani die unversöhnlich zerstrittenen Fraktionen der
iranischen Exilopposition zur Versöhnung auf.
Warum konzentriert Trump seine Angriffe auf
Minnesota? Der kanadische
Autor Stephen Marche hat im
taz-Gespräch mit Sebastian Moll eine Theorie dazu: "Minnesota ist einer der letzten Orte, wo noch
überparteiliche Entscheidungen getroffen werden. Dort sind die Republikaner nicht alle wahnsinnig, es gibt konservative Menschen, die
Kompromisse eingehen, so, wie Politik gedacht ist. Minnesota ist einer der am wenigsten gespaltenen Staaten in der Union. Große Teile Amerikas sind heute Einparteienstaaten. Minnesota ist das nicht. Ich glaube, Trump geht es darum, das zu zerstören, um den Gedanken von verhandelbarer Politik auszuhöhlen. Er will sicherstellen, dass niemand unpolitisch bleibt. Er will alle radikalisieren. Er will, dass es nirgendwo in den Vereinigten Staaten einen Ort außerhalb dieser
giftigen,
narzisstischen Fernsehpolitik gibt, die alles antreibt."
Moll
erzählt in einer Reportage außerdem, dass sich die Bürger von Minnesota nach den starken Protesten und Widerständen
Hoffnung auf ein Nachgeben Trumps machten - nebenbei erfährt man in Molls Artikel übrigens, dass
Barack Obama viel mehr Menschen abschob als Trump. "Die Tatsache, dass Obama so viele Menschen abschob, müssen sich Trump-Kritiker immer wieder vorhalten lassen. Der einzige Unterschied, wird behauptet, sei
die Optik gewesen." "Im Kampf um die öffentliche Meinung haben die Menschen von Minneapolis vorerst gesiegt",
schreibt Mitsuo Iwamoto ebenfalls in der
taz.
"Trumps Ziel, alle Ausländer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis abzuschieben, trifft indessen nicht nur auf massiven Widerstand, es ist auch
juristisch wie logistisch unrealistisch", erläutert Frauke Steffens in der
FAZ, die auch daran erinnert, das "Undokumentierte" in den USA für ein Steueraufkommen von hundert Milliarden Dollar stehen. Auch in der
FAS schreibt Steffens ausführlich zum Thema.
Die Bürger von Minneapolis demonstrieren nicht nur gegen Trump, meint Hilmar Klute in einem kleinen
SZ-Essay: "Die Frauen und Männer, die sich den Paramilitärs auf den Straßen ihrer Stadt entgegenstellen, haben nämlich auch kein Vertrauen mehr in die
Entschlusskraft der Opposition. Zu wenig haben die Demokraten dem Treiben des Präsidenten entgegengesetzt; beinahe jeden Kompromiss, der die Maga-Maschine in Gang gehalten hat, sind sie eingegangen, jeden der abenteuerlichen Haushaltsentwürfe Trumps haben sie am Ende durchgewinkt." Andrian Kreye fürchtet ebenfalls in der
SZ Zensur in den Medien und bei
Tiktok (das jetzt dem Trumpisten Larry Ellison gehört) durch das MAGA-Lager.
Timothy Snyder bleibt auch im
FAS-Gespräch mit Konrad Schuller bei seinem
Faschismus-Vergleich mit Blick auf Trump. Die Parallelisierung bringt Erkenntnisgewinne, beteuert er: "Hitler zum Beispiel hatte nach 1933 das Problem zu lösen, wie
eine nationale Polizei mit paramilitärischen Elementen geschaffen werden kann. Wenn wir erkennen, dass das ein wichtiger Schritt hin zur totalitären Herrschaft war, verstehen wir besser, was die Sondermiliz ICE bedeuten kann. Auch hier geht es um die Schaffung einer nationalen Polizeimacht in einem föderal organisierten Staat." Schullers Hinweis, es gebe in Deutschland eine Scheu bei
Nazi- und Holcaust-Vergleichen kontert er mit der Diagnose, dies sei ein "
negativer nationaler Exzeptionalismus". "Die Tendenz, von der Sie sprechen, hat eine ernste Folge: Sie droht die historische Erforschung des Holocausts nutzlos zu machen. Ja, alles in der Geschichte ist einzigartig, das ist eine sehr simple Feststellung. Aber wir müssen uns vor dem Fehlschluss hüten, dass deshalb aus dem
Holocaust nichts gelernt werden kann."