FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube piekt mit seiner spitzesten Feder zu, um die verbliebene Luft aus dem "
Windbeutel Weimer" zu lassen. Seriös findet er ihn wirklich nicht, Weimer nenne sich zu Unrecht Germanist, erkläre die
FAZ ungefragt zu seinem Medienpartner und weiteres. "Das mag man ihm durchgehen lassen, Politik ist ein schwieriges Geschäft. Weimer hat keine Basis in Partei und Fraktion, gibt darum vielleicht
kompensatorisch den Intellektuellen. Sprüche aber bestimmen bislang auch seine
Kulturpolitik. Weder in Sachen Restitutionsgesetz noch in der Frage der Finanzierung der Bayreuther Festspiele, noch auch in Bezug auf die Nürnberger NS-Kongresshalle ist seit seinem Amtsantritt vor sieben Monaten irgendetwas von Belang geschehen."
Michael Bartsch
zieht für die
taz eine recht positive Bilanz des
Kulturhauptstadtjahrs in Chemnitz - bange Fragen stellen sich dennoch: "Bleiben werden von diesem Kulturhauptstadtjahr die sogenannten Interventionsflächen, also die umgestalteten Parks und
öffentlichen Räume. Der 18 Kilometer lange Kulturpfad Höhenweg oder der zu einem soziokulturellen Areal ausgebaute ehemalige Abfallhof. Schwieriger sieht die
Zukunft aufgebauter Strukturen aus. Über tausend freiwillige Helfer haben die organisatorische Arbeit wesentlich mitgetragen und werden nun nicht mehr gebraucht. Wo betätigen sie sich weiter, wo finden auch Hauptamtliche neue Jobs?"
Die meisten Menschen kommen
wegen der Kultur nach Berlin, aber nicht für die, die in einem nicht rechtfertigbaren Ausmaß subventioniert wird, schreibt Claudius Seidl in der
SZ. Da vor allem die großen Häuser von den Subventionen profitierten, sollte die Berliner Kulturpolitik eine Umverteilung von oben nach unten organisieren, findet er. "Sollte man, als Kulturpolitiker, das bürgerliche Publikum nicht viel
öfter an diese Umverteilung erinnern - und speziell jenen Teil des Publikums, der den gesamten Berliner Kulturetat aus seinem Privatvermögen finanzieren könnte, ohne davon arm zu werden? Wenn es das gäbe, ein ernstzunehmendes Mäzenatentum, bliebe der Stadt
endlich genug Geld für all die kleinen und kleinsten Bühnen, Atelierhäuser, Kunstprojekte, deren Weiterbestehen jetzt so gefährdet ist. (...) Es ist trotzdem alle Mühen wert, die Künstler vor noch grausamerer Selbstausbeutung, vor Arbeitslosigkeit und dem Kellnern zu retten." Bliebe noch zu fragen, wer das Budget der drei Berliner Opernhäuser in Höhe von 160 Millionen Euro jährlich aus seiner Privatschatulle finanzieren könnte.
Außerdem: Die mutmaßliche Affäre um die Mittel aus dem Berliner Budget, die der ehemalige Kultursenator
Joe Chialo an dubiose Firmen gegeben haben soll (
unsere Resümees), zieht laut Peter Laudenbach in der
SZ weitere Kreise. Auch Chialos Nachfolgerin
Sarah Wedl-Wilson soll wenig gegen diese Mittelvergabe unternommen haben.