9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.08.2026 - Kulturpolitik

Im taz-Gespräch mit Julian Weber erkennt Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus in Dessau, Parallelen zwischen den Vorurteilen der Nazis und der AfD dem Bauhaus gegenüber: "In den 1930er Jahren hat man behauptet, das Flachdach gehöre in andere Kulturkreise, das Bauhaus sei fremd, es gehöre nicht zu uns, es sei undeutsch, diese Behauptung fällt heute wieder. Hans-Thomas Tillschneider sagt, deutsche Kultur sei deutsch. Für mich war deutsche Kultur immer interessant, weil sie hybrid ist, sich zu Hybridität bekennt, und vor allem weil man etwas aus der Vergangenheit gelernt hatte. Weil es ein kluges Grundgesetz gibt und auch Staatsrechtler, die in der jungen Bundesrepublik Schlussfolgerungen aus der Nazidiktatur gezogen hatten. In Österreich können Sie viel leichter einen autoritären Staat errichten, das geht in Deutschland nicht so einfach."
Stichwörter: Steiner, Barbara, Bauhaus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2026 - Kulturpolitik

"Den gesellschaftspolitischen Impetus der Bauhaus-Vordenkerinnen und Vordenker" sehen die Verfasser des "Bauhaus-Manifestes" (unsere Resümees), unter anderem der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und der Deutsche Städtetag, durch die AfD in Sachsen-Anhalt bedroht, resümiert Dankwart Guratzsch in der Welt. Guratzsch erinnert daran, dass vor allem das Bauhaus in Dessau unter ihrem Leiter Hannes Meyer nicht zum demokratischen Vorbild dient, war dieser doch offen für kommunistische Einflüsse aus Moskau. "Jetzt rächt sich die Geschichtsklitterung, mit der jahrzehntelang die Geschichte des Bauhauses 'aufgearbeitet' worden ist. Denn die 'Rechten, an der Spitze die Nazis', hatten den Kommunismus des Bauhauses eben nicht erfunden. Er war der Anstalt seit ihrer Gründung in Parallelität und engem Austausch mit den russischen Wchutemas, kommunistisch-revolutionären Kunstavantgarden, imprägniert. Weil man dies sieben Nachkriegsjahrzehnte lang geflissentlich ausgeblendet hat, sind die Kultureliten von heute gegen die politische Schlagseite des historischen Bauhauses blind. Und so kommt es zu der an Naivität nicht zu überbietenden Aufforderung, sich am 'gesellschaftspolitischen Impetus' dieses Instituts ein Beispiel zu nehmen."

Die Pläne der AfD, im Falle eines Wahlerfolgs in Sachsen-Anhalt das Bauhaus abschaffen zu wollen, schlägt nun auch im britischen Guardian Wellen. Deborah Cole besucht Dessau und spricht unter anderem mit Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, über die Pläne der AfD für Sachsen-Anhalt. 

Ausländische Kultureinrichtungen wie das Russische Haus in Berlin (unser Resümee) wurden schon im Kalten Krieg vom KGB genutzt, um die sowjetische Opposition auszuspionieren und KGB-Agenten in die ausländische Gesellschaft einzuschleusen, schreiben Florian Flade, Roman Lehberger und Jörg Schmitt in der SZ. Das geht aus einem alten KGB-Handbuch hervor, deren Lehren die Autoren heute noch für aktuell halten. "Die Kulturarbeit im Ausland könne genutzt werden, um gegen diese 'aktive Maßnahmen zur Zersetzung (…) durch Veröffentlichung in der Presse, im Rundfunk, auf Pressekonferenzen und auf andere Weise (…) durchzuführen'. Selbst zur Spionageabwehr können die angebliche Kulturarbeit genutzt werden, so das Handbuch. Sie sei auch für die Suche nach 'Verrätern' und 'feindlichen Agenten' unter den eigenen Landsleuten nützlich, heißt es in dem KGB-Dokument weiter."

Weiteres: Im Tagesspiegel schreibt Robert Kiesel, dass es in der Berliner Fördergeld-Affäre (unsere Resümees), in der Gelder in Höhe von 2,6 Millionen Euro ohne wirkliche Prüfung an Projekte gegen Antisemitismus vergeben worden sein sollen, immer noch keine schlussendliche Überprüfung des Falles gab. Dafür stellt der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Berliner Senats zum Thema heute seine Ergebnisse vor.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2026 - Kulturpolitik

In Berlin wird über Sanktionen gegen das Russische Haus diskutiert, berichtet Gerrit Bartels im Tagesspiegel. In einem Bericht des französischen Innenministeriums vor zwei Wochen (unter anderem SZ, WDR und Tagesspiegel berichteten) hieß es, dass das Haus von russischen Geheimdiensten genutzt werde und von dort womöglich Spionage betrieben werden würde. Eine Schließung hätte allerdings direkte Auswirkungen auf das Goethe-Institut in Moskau. Denn zwei Abkommen regeln den jeweiligen Umgang mit den Kulturinstitutionen: "Das eine hat eine Laufzeit von 99 Jahren und verpflichtet beide Staaten vertraglich, unter anderem die Grundsteuer für das jeweilige Gebäude des Partnerlandes zu übernehmen. Das andere wiederum, das 1993 in Kraft trat und die kulturelle Zusammenarbeit regelt, kann alle fünf Jahre gekündigt werden, so auch Ende dieses Jahres, was eine Schließung des Russischen Hauses spätestens im Sommer 2027 zur Folge haben könnte. Zum anderen aber ist man bei der Bundesregierung mutmaßlich auch deshalb zögerlich, weil der Kontakt zur russischen Zivilgesellschaft aufrechterhalten werden soll und man mit den Kulturprojekten des Goethe-Instituts vielleicht wirklich weiterhin 'zur Entwicklung demokratischer Strukturen in Russland beitragen' möchte, wie es auf der Website des Moskauer Goethe-Hauses heißt."
Stichwörter: Russisches Haus, Berlin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.08.2026 - Kulturpolitik

Sonja Zekri schaut sich in der SZ die Biografie des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider an, der neulich ein Podcast-Gespräch mit der Journalistin Melanie Amann vorzeitig verließ und dann versuchte, die Ausstrahlung der Folge verbieten zu lassen. Einiges an Tillschneiders Werdegang ist erstaunlich, so studierte er beispielsweise Islamwissenschaften in Damaskus, erklärt Zekri. Das Kulturprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt, das er größtenteils verfasst hat, zeigt allerdings keine Anzeichen von Weltöffnung: "Geschwächt sei Deutschland, dem Einfluss der 'Regenbogenideologie hilflos ausgeliefert'. Heilung verspreche einzig eine 'neue, patriotische Kulturpolitik', die nicht nur der schlaffen, deutschen Identität aufhelfen, sondern bemerkenswerterweise auch alle Integrationsprobleme lösen soll. Denn je selbstbewusster die Deutschen werden, je größer ihr Stolz auf ihr eigenes Land, so die Behauptung, desto bereitwilliger werden sich Zuwanderer integrieren. Der Gedanke dahinter widerspricht der gesamten Forschung. Er behandelt Identität wie eine Raumfrage: Wer hier ist, kann nicht dort sein, wer zu uns will, muss alle anderen verlassen."

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Die sprachlichen Strategien der Demagogen haben sich eigentlich seit der Antike nicht mehr verändert, erklärt der Sprachphilosoph Paul Sailer-Wlasits, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, im Tagesspiegel-Interview: "Demagogen verwenden Rhetorik als Waffe und bedienen sich bedenkenlos aller Mittel aktiver gesellschaftlicher Manipulation, inklusive systematischer Lügen, Täuschungsmanövern und haltloser Versprechen. Dazu zählt auch die Umkodierung von Wörtern." An den Reden von AfD-Politikern werde das deutlich: "Die Übernahme von Begriffen und Deutungsmustern ist eine der zentralen Voraussetzungen für das Gelingen von Mobilisierung. Zusätzlich stehen im Kontext des Demagogischen maßlose Erlösungsversprechen. Charismatisch aufgeladene Botschaften und solche, die Ängste des Zurückgelassenwerdens oder des Verlustes ansprechen, erreichen häufiger als andere Kommunikationsformen aufnahmebereite, unter Druck stehende Menschen. Dreiste Versprechungen bar jeglicher Umsetzbarkeit können erlösende Wirkung besitzen."



Weitere Artikel: In der SZ beschäftigt sich Peter Richter mit dem "Bauhaus-Manifest 2026", das Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gegen die Angriffe der AfD ins Feld führt (unsere Resümees).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2026 - Kulturpolitik

Kulturpolitik ist Ländersache. Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt gewinnt, dann wird sie sich auf diesem Feld ungehindert austoben können. Kai Langer, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, fürchtet im Gespräch mit Tatjana Coerschulte von der FR nicht nur um die Erinnerung an den Nationalsozialismus, die von der AfD radikal in Frage gestellt wird. Auch das Verhältnis der AfD zur DDR-Geschichte ist äußerst problematisch. Hier schwankt man zwischen Beschönigung und Hass auf den Westen: "Der Verfassungsschutz wird als 'Stasi 2.0' denunziert. Unlängst hat Herr Kirchner, das ist der Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Landesparlament, Friedrich Merz mit Walter Ulbricht rhetorisch auf eine Stufe gestellt und dessen 'antifaschistischen Schutzwall' mit der 'Brandmauer' gleichgesetzt. Mit solchen Gleichsetzungen wird relativiert, was die DDR als Diktatur ausgemacht hat. Wenn Bundesrepublik und DDR gleichgesetzt werden, dann gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Demokratie und der Überwachung und politischen Verfolgung in der DDR. Gleichzeitig scheint die AfD in eine Art Vakuum vorzudringen, das die frühere PDS hinterlassen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2026 - Kulturpolitik

In der SZ resümiert Jörg Häntzschel die ersten 15 Monate der Amtszeit von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Besonders gut ist die Bilanz nicht: Da war der Skandal um den Buchhandlungspreis, Kürzungen bei wichtigen Kulturveranstaltungen, unausgegorene Projekte und Ideen. Außerdem stehen wichtige Entscheidungen aus, die Weimer zu überfordern scheinen: Er "muss über einige der wichtigsten Posten im bundesgeförderten Kulturbetrieb entscheiden: Die Verträge von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Haus der Kulturen der Welt), Matthias Pees (Berliner Festspiele), Katarzyna Wielga-Skolimowska (Kulturstiftung des Bundes) und Hartmut Dorgerloh (Humboldt-Forum) laufen aus oder stehen zur Verlängerung an. Viele fürchten, Weimer werde seine konservativen Ansichten mit neuen Leitern weit über seine Amtszeit hinaus festschreiben. Doch er scheint zu zaudern. Den Vertrag von Pees will er nur für zwei statt wie üblich fünf Jahre verlängern. Und bei Ndikung könnte es auf ein ähnliches Angebot hinauslaufen, wird in Berlin vermutet. Weimer scheint nicht zufrieden mit ihnen, hat aber keine besseren Kandidaten gefunden und spielt auf Zeit. Doch damit schwächt er die Häuser, die ihre Projekte Jahre im Voraus planen müssen. Das BKM wollte zu Personalfragen nicht Stellung nehmen."

Michael Bartsch berichtet in der taz, wie sich Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt darauf vorbereiten, dass vielleicht bald die AfD an die Macht kommt. 67 Kulturinstitutionen haben eine Erklärung unterzeichnet, angestoßen von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und ihrem Generaldirektor, dem Historiker Christian Philipsen: "Wie sich eine 'Machtübernahme' durch die AfD konkret auswirken würde, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Mit einem Jahresetat von rund 60 Millionen Euro übernimmt die Kulturstiftung bedeutende denkmalpflegerische Aufgaben für das Land. Darüber hinausgehende Finanzierungsvereinbarungen unter anderem mit dem Bund sollten sie vorläufig schützen. Schneller treffen kann es die Provenienzforschung in Museen und natürlich linke oder queere Vereine und Projekte, schätzt Generaldirektor Philipsen ein. Insofern gleicht die Kulturerklärung einem Akt der Solidarität. 'Ein Angriff auf Kunst, Kultur und Geschichte, ihre ideologische Instrumentalisierung treffe die Bürgerinnen und Bürger des Landes im Kern ihrer Identität', heißt es darin unter Bezugnahme auf die wechselvollen Wurzeln und Bezüge des heutigen Bindestrich-Bundeslandes. Generaldirektor Philipsen spricht von einer 'solidarischen Brandmauer gegen eine Kulturpolitik, die diese Vielfalt infrage stellt'."

Im FR-Interview mit Michael Hesse schildert Gesche Joost, Präsidentin des Goethe-Instituts, die Veränderung des Deutschlandbildes in der Welt: "Viele Kollegen unserer Auslandsinstitute berichten von den Herausforderungen. Es gibt massive Desinformation und Fake News, die Europa als schwach darstellen und die Werte von Freiheit und Selbstbestimmung diffamieren. Die Vielfalt, die Deutschland und Europa beispielsweise bei der sexuellen Orientierung oder bei der freien Wahl des Ehepartners ermöglichen, wird so umgedeutet, als werde Mann gezwungen, einen Mann zu heiraten. Dagegen müssen wir deutlich machen: Das sind Möglichkeiten, die eine offene Gesellschaft bietet, niemals Zwang. Wir müssen klarer kommunizieren, wofür eine Demokratie eigentlich steht und dass sie auf Aufklärung und Humanismus beruht. Auch das ist kein Selbstläufer mehr. Ich bin mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Demokratie und freiheitliche Werte selbstverständliche Ziele für die ganze Welt seien. Man dachte, Gesellschaften würden sich gleichsam evolutionär immer weiter liberalisieren und öffnen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2026 - Kulturpolitik

Die Jury für den deutschen Verlagspreis wurde neu von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zusammengesetzt und hat eine Erklärung abgegeben, berichtet Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Im Frühjahr diesen Jahres hatte es noch um den deutschen Buchhandlungspreis einiges an Aufregung gegeben (unsere Resümees). In der Erklärung spricht sich die Jury gegen das Haber-Verfahren, nach welchem der Verfassungsschutz Buchhandlungen auf mögliche Einträge überprüft, aus. Auch ein neu eingesetztes Beratungsgremium, das bei kritischen Fällen vermitteln soll, stößt auf wenig Gegenliebe. Pikant ist, dass nur die Jury-Mitglieder Alexander Cammann, Isabele Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann und Deniz Utlu die Erklärung unterzeichneten. "Es fehlen der Literaturwissenschaftler Friedhelm Marx und ausgerechnet auch der Vorsitzende Jörg Thadeusz, der zu seinem Jury-Amtsantritt schon von 'Zauselbuchhandlungen' sprach, die da von Weimer beim Buchhandlungspreis nicht berücksichtigt worden sind. Und der, anders als bei vielen Jurys üblich, nicht von der Jury als Vorsitzender gewählt wurde, sondern von Wolfram Weimer höchstpersönlich." Doch weder Thadeusz, noch Marx noch die anderen Juroren möchten sich zu dieser Unstimmigkeit äußern. "Möglich also, dass nicht alles gut wird mit dem Deutschen Verlagspreis und es noch einiges an Reibung gibt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2026 - Kulturpolitik

Seit 2018 fordert die kolumbianische Regierung von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz antike Grabskulpturen aus der Nekropole von San Agustin zurück, die von dem Ethnologen Konrad Theodor Preuß ins heutige Ethnologische Museum in Berlin gebracht wurden. José David Escobar Franco zitiert aus einem Briefwechsel zwischen Hermann Parzinger, bis Mai 2025 Präsident der SPK, und Alhena Caicedo, der Direktorin des kolumbianischen Instituts für Anthropologie und Geschichte, welcher der taz vorliegt. Parzinger hatte darauf verwiesen, dass eine Rückgabe der Objekte nach deutschem Recht nur dann gerechtfertigt sei, wenn sie aus einem "kolonialen Kontext" stammten. Allerdings wurden auch Aufzeichnungen von Preuß gefunden, in denen dieser darlegte, wie er die Objekte an den kolumbianischen Behörden vorbeischmuggelte. Berlin spielt nun auf Zeit, glaubt Franco: "Gemäß eines Berichts des kolumbianischen Außenministeriums soll das Ethnologische Museum Berlin vor wenigen Monaten um umfassende neue Provenienzrecherchen von kolumbianischer Seite aus gebeten haben, insbesondere um detaillierte Transportunterlagen über den Weg der Statuen von San Agustín zu ihrem Exporthafen in Barranquilla. Um in der Sache weiter zu entscheiden, gilt es die Ergebnisse dieser neuen Recherchen erst einmal abzuwarten, bekundet das Haus des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, auf taz-Anfrage."

Im Welt-Gespräch mit Jacques Schuster spricht Kulturstaatsminister (und Ex-Welt-Chefredakteur) Wolfram Weimer unter anderem über die Pläne, ein TikTok Europa zu schaffen, sein Festhalten am Haber-Verfahren und darüber, wie er mit Erinnerungspolitik gegen die AfD vorgehen will: "Wir müssen die großen Traditionslinien Deutschlands wieder stärker erzählen: unsere jüdisch-christlichen Wurzeln, die Aufklärung, die Reformation, Deutschland als Wissensnation und als europäisches Gehäuse. Patriotismus und Europa gehören für mich zusammen. Das ist die eigentliche deutsche Tradition. Die politische Mitte hat diese Fragen zu lange den Rändern überlassen. Dieses Vakuum füllt heute die AfD mit einem verengten völkischen Geschichtsbild."

Weimer und Joe Chialo haben eine "Schneise der Verwüstung" durch die deutsche Kultur gezogen, schimpft indes Daniel Wesener, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, in der FAZ und wirft beiden "Aushöhlung der Kunstfreiheit" vor. Viel schlimmer findet er aber, dass die Exekutive direkt in die "Kultureinrichtungen hineinregieren" kann. Wesener macht sich daher für ein Kulturfördergesetz stark.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2026 - Kulturpolitik

In der Welt kann es Dankwart Guratzsch nicht fassen: "Die ruhmreichen sächsischen Landesämter für Denkmalpflege und Archäologie sollen zusammengelegt werden, ihre Kompetenzen auf untere Denkmalämter verteilt und der Landesdirektion unterstellt werden. Deren Direktiven wären die Ämter dann unterworfen und damit praktisch mundtot gemacht." Und das alles nur, um ungestört neu bauen zu können. Dabei sei der Denkmalschutz gerade dafür wichtig, meint Guratzsch. Und zugute kommen die Kulturschätze den Städten auch: So profitieren laut Erhebungen "die zehn größten deutschen Städte von jährlich steigen- den Übernachtungszahlen (die nur in den Corona-Jahren eingebrochen sind) - und zwar nicht obwohl, sondern weil sie mit Kulturschätzen prunken können, die sächsische Landeshauptstadt Dresden geht dabei laut Magic Cities Städtereisemonitor mit einer Quote von 83 Prozent zusammen mit Hamburg, München und Leipzig allen anderen Städten voran."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2026 - Kulturpolitik

Peter Laudenbach konstatiert in der SZ einen flagranten Niedergang der Kulturpolitik. Beispiele sind für ihn Berlin (CDU) und die Stadt München (Grün). Da Kulturpolitik auch auf Bundesebene offenbar als Klotz am Bein empfunden wird, engagiert man zudem immer häufiger Unternehmensberater für das so fremde Politikfeld: "Weil man in der Kulturmetropole München, in der einige der bedeutendsten Bühnen, Orchester und Museen der Welt teils begeistern, teils selig vor sich hin schlummern, nicht auf die Idee kommt, eine Stellenausschreibung öffentlich zu diskutieren und zu formulieren, darf sich eine Unternehmensberatung über einen lukrativen Auftrag freuen. In Berlin soll eine andere Beratung, angeblich für ein sechsstelliges Honorar, mögliche Sparpotenziale in den Theatern aufspüren."
Stichwörter: Kulturpolitik