Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief Mai 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Arnim Eisenhut
25.05.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
Bestellen Sie bei eichendorff21!
Was für ein Taschenbücher-Mai! Kaum möglich, eine Auswahl zu treffen. Wir konzentrieren uns auf die von der Kritik zu Unrecht fast übersehenen Bücher: Joana Osmans Roman "Wo die Geister tanzen" etwa, in dem uns die Tochter eines palästinensischen Vaters vom Leben ihrer Großeltern erzählt, die in den 1930ern in Jaffa ein Kino betrieben und 1948, nach der Gründung Israels, flüchten mussten: Erst in den Libanon, später in die Türkei. Wir erfahren vom Leid der vertriebenen Palästinenser und vom harten Leben im Exil, das Buch besticht aber vor allem durch Osmans Empathie mit den Opfern auf beiden Seiten. Ein auch sprachlich großer Roman, meinte der Dlf Kultur. Ein Buch, das "eine palästinensische Lebensrealität zeigt, ohne dabei eine jüdische abzuwerten und Europa und die arabische Welt aus der Verantwortung zu ziehen", urteilte der br.

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Einen gewaltigen Politthriller legte der israelische Autor Lavie Tidhar mit "Maror" vergangenes Jahr vor: Gebannt folgen wir dem korrupten Cop Cohen durch die Jahre 1974 bis 2008, Figuren und Handlungsorte wechseln rasant: Mal geht es um Diamantenraub, dann um Drogendeals oder Immobilienspekulation im Westjordanland. Eindringlich erzählt Tidhar, wie Israel "stärker, moderner, aber auch archaischer" wurde, fand die Welt. Einen sehr gut konstruierten Krimi und das gänzlich unsentimentale Porträt eines Landes, las die FAZ. "Wie konnte die wegweisende Autorin Maria Lazar vergessen werden?", fragte sich der Standard vor knapp zwei Jahren.

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Zum Glück ist der in den 1920er Jahren entstandene und erst im Nachlass der aus Wien vertriebenen jüdischen Autorin entdeckte Roman "Viermal ICH" nun sogar als Taschenbuch erhältlich: Wir folgen vier sehr unterschiedlichen Freundinnen von der Schulzeit in den Zwanzigern in Wien bis ins Erwachsenenalter, es geht um weibliche Emanzipation und Identitätsfindung. Vor allem aber besticht das Buch durch seine so "kühne" wie moderne Erzählform, versicherte der Standard. Selten hat man eine treffendere Darstellung über die Lage von Frauen in der Weimarer Republik gelesen, lobte der Dlf Kultur. Und die Literarische Welt verglich Lazar mit Mascha Kaleko.

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Und dann ist da natürlich noch Tobias Rüthers große Herrndorf-Biografie, die von den KritikerInnen gefeiert wurde: Dass der Journalist Rüther uns das "Doppelvirtuosentum" Herrndorfs als Maler und Schriftsteller mit "kultursoziologischer Präzision" vor Augen führt, hob die taz hervor, eine "Ethnografie" der Schreibszene der 2000er Jahre in Berlin, las die Welt und die SZ lobte Rüthers Taktgefühl.

Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut zu Barbi Markovićs Roman "Minihorror"

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Braucht dieses Buch, gefeiert von Clemens J. Setz und ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis 2024, noch eine Empfehlung? Sicher nicht, aber unbedingt eine Erinnerung. Denn Barbi Markovićs Roman "Minihorror" macht einfach Spaß, auch wenn einem das Lachen gelegentlich im Halse stecken bleibt. Und es wundert wenig, dass das Buch der in Belgrad geborenen Autorin aus Wien kommt, führt es uns doch direkt hinein in Freud'sche Abgründe. Scheinbar alltäglich beginnen die einzelnen Episoden: Mini und Miki besuchen ihre Eltern, gehen zu Ikea und zu Silvesterpartys, shoppen in der Lugner-City oder trennen sich. Plötzlich aber bricht sich das Surreale im Alltag Bahn: Monster tauchen auf, Menschen zerfallen, Augen laufen beim Scrollen aus, Mini wird lebendig begraben oder eine ganze Truppe Miki-Doppelgänger tritt auf. Der Horror kommt dabei nie unmotiviert, vielmehr überdreht Marković nur ein wenig die Schrauben unserer Urängste und verhandelt dabei subtil Themen wie Herkunft und Klasse. Und all das in knappen und witzigen Sätzen, die oft nur comicartig angedeutet werden: "Miki hat einen Erzfeind, Mortimer. Eine Person, die in der Gesellschaft aktiv gegen ihn arbeitet. Dieser Feind beginnt, sich in Mikis Freundeskreis einzuschleimen, und drängt ihn weg. Alle lieben Mortimer." Selten hat man den Alltag so gerne gegen das Grauen eingetauscht!

Die Liste der Taschenbücher des Monats Mai finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…