Die besten Taschenbücher des Monats
Von
Alice Fischer
19.04.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucherin Alice Fischer.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Und hier kommen die Highlights aus dem Taschenbücher-April: In große Fußstapfen trat Timon Karl Kaleyta letztes Jahr mit seinem Roman "Heilung", als er seinen Helden in der Blüte der Mid-Life-Crisis in ein nobles Sanatorium in den Bergen schickte und damit, natürlich, auf Thomas Manns "Zauberberg" anspielte. Gewagt - aber gekonnt, fanden die Kritiker: Die Zeit war restlos begeistert davon, wie es Kaleyta gelang, eine Suche nach Sinn und Glück mit Lust an der Groteske eskalieren zu lassen: Geheimnisvolle Knechte und verführerische Frauen tauchen auf, Bären werden erschossen, die zivilisatorische Firniss erweist sich als brüchig. Die SZ entdeckte hier außerdem jede kluge Menge Spitzen gegen die Achtsamkeitshysterie und die taz freute sich über einen spannenden Mix aus Fantasie, Unsinn und Action.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Zwielichtige Gestalten treiben auch in "Betrug" von Zadie Smith ihr Unwesen: Die britische Schriftstellerin entführt uns ins viktorianische England, wo sich ein raffinierter Hochstapler als Abkömmling einer Adelsfamilie ausgibt. Im besten Sinne überrumpelt wurde die Welt von Smith' Erzählung über den historischen "Tichborne-Fall" von 1873, denn so humoristisch und leichtfüßig das Ganze in der ersten Hälfte daherkommt, so "genial-schockhaft" ist die postkoloniale Wende, wenn Smith anhand der Figur des ehemaligen jamaikanischen Sklaven Andrew Bogle die bittere Realität von Zwangsarbeit und Ausbeutung verhandelt. Sehr angetan war auch die NZZ von dieser Aufarbeitung der britischen Kolonialgeschichte, in der auch Schriftsteller wie William Ainsworth und Charles Dickens Auftritte haben.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Eine sehr persönliche und melancholische Erzählung legte indes Paul Auster mit seinem Roman "Baumgartner" vor, in dem ein emeritierter Phänomenologe den Tod seiner Frau verarbeiten muss. Dlf Kultur war sehr bewegt davon, wie Auster hier "zutiefst menschliche Regungen" aufs Papier bannt und dabei eine besondere Realitätsnähe auch dadurch erzeugt, dass existierende Personen wie Austers Frau Siri Hustvedt oder seine Ex-Frau Lydia Davis Patinnen stehen. Anspruchsvoll und "ergreifend leichthändig" nannte die FR das Werk, dessen melancholisches Ende sie außerdem überzeugte.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Unter den Sachbüchern ist besonders das Werk der Biologin Robin Wall Kimmerer zu empfehlen, die uns in "Das Sammeln von Moos" das geheimnisvolle Universum der Moose erschließt. Die FAZ freute sich über eine charmante Verquickung von "Wissenschaft und ökologischer Poesie". Der Dlf Kultur war ganz entzückt von den "weichen kleinen Herrschern" des Waldes und lernte, dass Moose bis zu vierzig Jahre schlafen können, dass sie einst als Babywindeln verwendet wurden und dass Ötzi Moos als Schuheinlagen trug.
Persönliche Empfehlung von Alice Fischer zu Bora Chungs "Der Fluch des Hasen"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Eine deftige Mischung servierte uns die südkoreanische Autorin Bora Chung mit ihrem Erzählband "Der Fluch des Hasen", der letztes Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde: koreanischer Horror, gepaart mit einem düster grundierten Surrealismus, dazu Anleihen an europäische Märchen und Tierfabeln. Bei der Lektüre dieses eigentümlichen Mixes knabbert man abwechselnd vor Nervösität an den Fingernägeln, lacht laut auf und vergewissert sich dann nochmal mit einem Blick unter das Bett, dass dort wirklich keine von Chungs maliziösen Figuren lauert. Bei Chung weiß man nie, was in der nächsten Geschichte wartet: ein goldener Geist von berückender Schönheit, aber mit einem fatalen Durst nach Blut, ein sprechender Kopf in einer Toilette, eine riskante Liebesnacht mit einem Roboter oder eine Frau, die trotz niemals endender Periode plötzlich schwanger wird. Man kann Chungs Kurzgeschichten als kritischen Kommentar auf die Unterdrückung der Frau im Patriarchat, als Satire über Probleme in der koreanischen Gesellschaft oder ganz einfach als guten Horror lesen - wer nach guter, kluger Unterhaltung sucht, und sich dabei ein bisschen gruseln will, ist hier richtig. Eine kleine Warnung muss aber sein: Für schwache Nerven ist dieses Buch nichts!
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