Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief Juni 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Alice Fischer
22.06.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucherin Alice Fischer.
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Pünktlich zu den ersten Hitzetagen haben wir die beste See- und Balkonlektüre im Taschenbuchformat für Sie zusammengestellt: Etwa Natascha Wodins Erzählband "Der Fluss und das Meer", der der Kritik einmal mehr ihre literarische Größe bewies: Von Mariupol am Asowschen Meer bis in die dunkelsten deutschen Wälder führt uns Wodins Erzählerin. Die FR lobte die große Klarheit dieser autofiktionalen Prosa, in der Wodin den Suizid ihrer traumatisierten Mutter verarbeitet, die einst aus Mariupol floh, aber auch zum Beispiel von einer linken WG in den Siebzigern  oder der "inneren Wildheit" Sri Lankas erzählt. Ein Buch, das viel von Trauer handelt und doch glücklich macht, staunte Dlf Kultur , während der FAZ die schnörkellose Sprache gefiel.

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Prächtig amüsiert haben sich die Feuilletons mit Stefanie Sargnagels durchgeknalltem Trip durch "Iowa". Die Wiener Grantlerin Sargnagel bekommt dort einen Lehrauftrag und steigt, begleitet von der Berliner Punk-Sängerin Christiane Rösinger ins Flugzeug:  Die taz vergnügte sich mit den vielen anregenden Schilderungen der "Skurrilitäten des Provinzlebens". Die NZZ war glücklich, dass sich Sargnagel nicht nur verrückte Amis zwischen Riesen-Walmarts und Abtreibungsdebatten anschaut, sondern auch einen Blick in ihr Inneres wirft und von Fremdscham und Hedonismus erzählt. Die SZ rühmte zudem die sprachliche Brillanz der "leicht beschwipsten Analysen."

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Zeitgleich mit dem deutschen Erscheinen von Barbara Kingsolver neuem Roman "Die Unbehausten", erscheint auch schon ihr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman  "Demon Copperhead" als Taschenbuch: Der kleine Demon hat kupferrotes Haar und wächst in einem Trailerpark in den Appalachen in Virginia auf. Als "scharfsinnigen Sozialroman" begrüßte Dlf Kultur dieses Pendant zu Charles Dickens "David Copperfield".  Auch die SZ verfolgte gebannt, wie Demon immer wieder gegen die widrigen Bedingungen seiner Herkunft ankämpfen muss - die vor allem auszuhalten sind, weil Kingsolver es versteht, mit Leichtigkeit, pointiert und doch einfühlsam zu erzählen.

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In Zeiten immer stärker werdender Polarisierung und politischer Grabenkämpfe kommt das Buch "Hier liegt Bitterkeit begraben" von Cynthia Fleury genau richtig: Die französische Philosophin verspricht uns, dem Ursprung von Ressentiments auf die Spur zu kommen und sogar sie zu heilen. Der SZ imponierte diese philosophische "Schnitzeljagd" durch die Philosophie mit Stationen von Frantz Fanon über Melville bis Nietzsche, die die LeserInnen intellektuell herausfordert. Wärmstens empfahl auch Dlf Kultur dieses Buch als kluge und informierte Theorie über ein Gefühl, dass die Gesellschaft zu vergiften droht. 


Persönliche Empfehlung von Alice Fischer zu Maxim Billers Roman "Mama Odessa"

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Maxim Biller ist bekannt für seine gesellschaftlichen und literarischen Grenzgänge, für beißenden Humor und laute Kritik - in "Mama Odessa" schlägt er allerdings zartere Töne an: In Anlehnung an seine eigene Familiengeschichte erzählt er vom jüdischen Schriftsteller Mischa Grinbaum und dessen Mutter Aljona. Beginnend mit einem niemals abgeschickten Brief, abgetippt auf einer alten russischen Schreibmaschine, zeichnet er das Bild eines komplizierten, von Wut und Enttäuschung, aber auch von großer Liebe geprägten Mutter-Sohn-Verhältnisses. Aljona raucht ununterbrochen lange dünne Kim-Zigaretten, liest nachts Anna Achmatowa und hat ein "schönes, schreckliches, explosionsartiges Lachen", das ihrem Sohn manchmal die Haare zu Berge stehen lässt. Vor allem aber schreibt sie Geschichten und veröffentlicht im hohen Alter ihr erstes Buch - was zu einigen Verwirrungen und Verwerfungen mit ihrem Schriftsteller-Sohn führt. Biller erzählt hier mit Witz und Melancholie die Geschichte einer jüdischen Familie, die vor den Sowjets aus Odessa floh, er erzählt von Vertreibung und Fremdheit, vom Schicksal der europäischen Juden des 20. Jahrhunderts, von Israel, dem KGB und vom "Katschmorian-Blues", der alle Generationen der Familie fest im Griff hat. Eine unbedingt empfehlenswerte Liebeserklärung an eine Mutter, an die Schönheit einer von Bomben bedrohten Stadt und, vor allem, an die Literatur. 

Die Liste der Taschenbücher des Monats Juni finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

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