Snapshots Blog - von Sascha Josuweit

Summe und Verteilung des Glücks der Menschheit

Von Sascha Josuweit
07.04.2014. Aleatorisch Bildmaterial, Netznews und Gossip verarbeitend erkundet unser Autor die Möglichkeiten eines Parallelfeuilletons
Amaruq hatte keinen Begriff von den Zahlenspielen der Münchener Rück, deren Analysten einen deutlich erkennbaren Trend hin zu kostspieligen Naturkatastrophen ausmachten. Die Folgen der globalen Erwärmung aber betrafen ihn auch. Ebenso der Umstand, dass sich Schadstoffe im Fettgewebe der Wale, Robben und Eisbären, von denen sich die Inuit traditionell ernähren, in besonders hohen Konzentrationen ablagern und sich synthetische Stoffe bei niedrigen Temperaturen nur äußerst langsam abbauen. Man könnte meinen, das Problem werde sich schon von alleine erledigen, wenn die Erderwärmung weiter voranschreitet. So zynisch denken die Wissenschaftler nicht, die sich kürzlich zur Konferenz Arctic Frontiers im norwegischen Tromsø versammelten. Das Gegenteil stellten die Forscher fest. Die im ewigen Eis gespeicherten Stoffe, etwa das seit den 40er Jahren in der westlichen Hemisphäre vielfach eingesetzte DDT, werden bei Abschmelzung der Polkappen freigesetzt und bedrohen nicht nur die Menschen in der Arktis. Amaruq, das heißt Wolf auf Inuktitut, Amaruq weiß davon nichts, genauso wenig wie seine Mutter, deren Muttermilch ein gefährlicher Cocktail aus organischen Schadstoffen und Quecksilber ist. Solche Wirklichkeit wird von Erhebungen zur Erderwärmung unterlaufen, die die Weltwirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Katrin Rehdanz und ihre Kollegen vom Kieler Exzellenzcluster Ozean der Zukunft durchgeführt haben. Demnach werden Menschen in hohen Breitengraden aufgrund wärmerer Wintermonate tendenziell glücklicher, während Menschen in niedrigen Breitengraden aufgrund wärmerer Sommermonate tendenziell unglücklicher werden.


Abb.: Inuit, tendenziell auf der Sonnenseite