Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 03.09.2013 - New York Times

Im NYT Magazine empfiehlt Alessandra Stanley vier aktuelle französische Fernsehserien: die Krimiserie "Engrenages", "Maison Close" über ein Pariser Luxusbordell im 19. Jahrhundert, die Zombieserie "Les Revenants" sowie "Un Village Français", die in einem französisches Dorf zur Zeit der Nazi-Besatzung spielt. Leider, so Stanley, ist es nahezu unmöglich, an diese Serien in den USA auf legalem Wege heranzukommen: "Das Fernsehen offenbart die Grenzen der Globalisierung. Im Zeitalter von Callcentern in Mumbai, von Online Offshore Banking, Skype Chats, Drohnenangriffen, Satellitentelefonen und Vogelgrippe-Pandemien sind Staatsgrenzen beinahe anachronistisch. Nur ausländische TV-Serien, die in Minnesota genauso zugänglich sein sollten wie in Monte Carlo, sind nicht ohne weiteres erhältlich." In Deutschland sieht es leider nicht besser aus, wer sich für die Serien interessiert, importiert am besten die DVDs (z.B. versandkostenfrei aus UK bei play.com).

Die Titelgeschichte ist ein Auszug aus einem neuen Buch der kanadischen Reporterin Amanda Lindhout über ihre Entführung in Somalia.

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - New York Times

Gestern kursierte eine Geschichte, die allen Journalisten zu denken geben sollte. Der Partner des NSA-Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald wurde neun Stunden lang am Flughafen Heathrow festgehalten, seine Computer und Telefone wurden konfisziert. Dies ist genau die Politik, die die amerikanischen Geheimdienste offanbar seit Jahren gegenüber jenen führen, deren Berichte ihnen nicht passen. In einem packenden Porträt über Laura Poitras, jene Dokumentarfilmerin, die mit Glenn Greenwald zusammenarbeitet und die zuerst von Edward Snowden kontaktiert wurde, erzählt Peter Maass auch, wie sie schon seit Jahren, lange vor den Snowden-Enthüllungen systematisch an Flughäfen festgehalten wird. Hintergrund ist ein früherer Dokumentarfilm über den Irakkrieg. "Einmal, erzählt Poitras, haben sie ihr Computer und Handy abgenommen und wochenlang behalten. Man sagte ihr, dass ihre Weigerung auf Fragen zu antworten, selbst schon ein verdächtiger Akt sei. Die Verhöre fanden in internationalen Zonen von Flughäfen statt, wo nach Ansicht der Regierung die verfassungsmäßigen Rechte nicht gelten, weshalb ihr die Anwesenheit eines Rechtsanwalts nicht erlaubt wurde."

Magazinrundschau vom 06.08.2013 - New York Times

Susan Dominus zeichnet im NYT Magazine das Bild einer friedlich-liebevollen Autorenfamilie King. Vater, Mutter und zwei der drei Kinder sind Schriftsteller, ebenso eine Schwiegertochter. Selbst in den schwierigsten Fragen ist man sich einig: "Etwas später führten Joe und Stephen eine typische Diskussion: Welcher Roman ist der 'Moby Dick' des Horrors? Der mit den vielen Fußnoten, meinten sie, nicht der, der andere, Mark Danielewskis 'House of Leaves'. Joe brüstete sich, dass sein jüngster Sohn, zehn Jahre alt, selbst schon schreibt. 'Er arbeitet an zwei Stories, die eine heißt 'Scrap', die andere 'The Bad Thing'. Stephen sah erfreut aus: das gefiel ihm, 'The Bad Thing'. 'Tut mir leid', sagte er, als habe er gerade einen glänzenden Pfennig gefunden, der einem anderen gehört, 'ich muss das möglicherweise benutzen.'"

Außerdem: In der Book Review empfiehlt Edmund White den neuen Roman des kolombianischen Autors Juan Gabriel Velazquez, "The Sound of Things Falling", der ihn eher an Onetti erinnert als an Velazquez' Landsmann Garcia Marquez.
Stichwörter: Moby, Mutter, Moby Dick

Magazinrundschau vom 30.07.2013 - New York Times

Jay Caspian Kang resümiert die unrühmliche Rolle der Internetplattform Reddit, die den Anstoß lieferte, dass ein als vermisst gemeldeter junger Mann, der 22-jährige Student Sunil Tripathi, irrtümlich tagelang als zweiter Verdächtiger des Attentats auf den Boston-Marathon galt. Die Netzgemeinde, aber auch zahlreiche Journalisten beteiligten sich an der "Suche" nach ihm und setzten der verstörten Familie von Sunil Tripathi (der, wie sich später herausstellte, Selbstmord aufgrund von Depressionen begangen hatte) schwer zu. Der Geschäftsführer und Sprecher von Reddit, Erik Martin, hatte sich im Anschluss zwar persönlich bei der Familie entschuldigt, meint aber auch, der Verlust persönlicher Freiheit sei ein "generelles Internet-Problem", auch Twitter und Facebook hätten einen "Widerlichkeitsfaktor". Ein Mann namens Jackal, der den Twitter-Dienst Your Anonymous News betreibt, der wie Reddit und andere dem Kult des schnellen und ungefilterten Sammelns von Nachrichten huldigt und sich ebenfalls an der Jagd beteiligt hatte, drückt es so aus: "Meine erste Reaktion war: Oh, (Schimpfwort), was haben wir getan? Aber das ist ein schwieriger Punkt, weil wir bei Kurzmeldungen die Ersten sein wollen. Dann passiert was Schreckliches, und man will das Ganze noch mal überdenken. Aber letzten Endes glauben wir als Anarchisten: Man kann tun, was man will, solange man glücklich ist." So dämlich sich das anhört, diese Art von Schnellschuss gibt es nicht nur bei den neuen Medien, meint Kang. Denn "dies ist, was Medien heute sind: eine sich immer weiter entwickelnde Interaktion zwischen Reportern, die für Mainstream-Medien arbeiten, Journalisten, die News für online-Medien kompilieren und interpretieren, und tausenden von Individuen, die selbst Informationen sammeln, zusammenfügen und verbreiten."
Stichwörter: Anonymous, Boston, Jagd

Magazinrundschau vom 23.07.2013 - New York Times

Der Ökonom Albert O. Hirschman gehörte zu den wenigen Menschen, die Scheitern als Chance begriffen haben. Justin Fox ist total hingerissen von einer 740 Seiten starken Biografie, die Jeremy Adelman über Hirschman geschrieben hat. Schon allein die Lebensgeschichte des Mannes liest sich wie eine Abenteuerreise durch das 20. Jahrhundert: In Berlin geborener Jude, Mitkämpfer im Spanischen Bürgerkrieg, Mitkämpfer in der Resistance, Berater der amerikanischen Regierung bei der Umsetzung des Marshallplans und schließlich Berater lateinamerikanischer Länder für die Weltbank und Autor literarischer Essays für die New York Review of Books. Eine "Lehre" hat er nie begründet, dafür waren seine Überlegungen viel zu unkonventionell: "Seine große Entwicklungstheorie war, dass große Entwicklungstheorien meist schief liegen. Seine Sicht auf die Beziehung zwischen freien Märkten und staatlichem Eingriff war, dass gute Gesellschaften beides brauchen, in verschiedenen Dosen, eben immer abhängig von den Umständen. Er war misstrauisch gegenüber den ganz großen Ideen, sogar seinen eigenen. Eines seiner Bücher hieß 'A Propensity to Self-Subversion'." (Wer mehr über Hirschman wissen möchte, dem sei Malcolm Gladwells ausführliches Porträt im New Yorker empfohlen.)
Stichwörter: Resistance

Magazinrundschau vom 09.07.2013 - New York Times

Die Autorin Meghan O'Rourke verfolgt in einem Essay, wie sich mit John Updike, Roger Ebert und Christopher Hitchens das Schreiben über den Tod verändert hat. Früher, meint O'Rourke sind die Menschen schnell gestorben, etwa an Lungenentzündungen, heute sterben sie langsam am Krebs und Herzkrankheiten: "Der Tod mag unabänderlich sein, nicht aber die menschliche Erfahrung mit ihm. Wenn jede Zeit ihre eigene Art zu sterben hat, ihre moralisch-ethische und literarische Sicht, vom 'gezähmten' bis zum 'schönen Tod', dann ist unserer gewiss der 'hinausgezögerte Tod' - das langsame, medizinische Ende, en detail dokumentiert. Die Autoren befinden sich in einer missliche Lage: Sie erleben ihren bevorstehenden Niedergang, fühlen sich aber zugleich ungeheuer lebendig, vielleicht lebendiger als jemals zuvor. Es ist der klassische Zustand der Ironie."

Weiteres: James Parker preist Chuck Klostermans neuen Essayband "I Wear the Black Hat", der sich mit "Übeltätern" von Macchiavelli über Bill Clinton bis zu Perez Hilton befasst. David Shribman feiert Mark Leibovichs Report über das hauptstädtische Washington (im Magazin ist ein Auszug daraus zu lesen).

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - New York Times

Aus den politischen Unruhen in Syrien ist längst ein Bürgerkrieg entlang konfessioneller Grenzen geworden. Robert F. Worth schildert in einer bedrückenden Reportage, wie den Alawiten ihre Loyalität zu Baschar al-Assad zum Verhängnis zu werden droht: "Syriens Sunniten und Alawiten waren jahrhundertelang zerstritten, und der anhaltende Krieg bringt den alten Konflikt wieder zum Vorschein. Radikale Jihadis unter den Rebellen fordern offen die Ausrottung oder Vertreibung religiöser Minderheiten. Die meisten Außenstehenden sind sich einig, dass Assad die Angst seiner Glaubensgenossen zu seinem politischen Überleben instrumentalisiert hat, aber die wenigsten fragen, wie die Alawiten selbst über Assad denken, und welche Zukunft sie jetzt für sich sehen, da die sunnitisch-arabische Welt ihnen den Krieg erklärt hat."

Magazinrundschau vom 18.06.2013 - New York Times

Der Lichtkünstler James Turrell wird in diesem Sommer in den USA drei große Ausstellung haben, im Lacma, dem Museum of Fine Arts in Houston und dem New Yorker Guggenheim-Museum. In einem epischen Porträt schildert Wil S. Hylton für das Magazin der New York Times die magische Wirkung seiner Lichträume, die allerdings auch etwas zutiefst Desorientierendes haben können: "Und dann waren da die 'Perceptual Cells'. Diese Wahrnehmungszellen sind Turrells extremstes Werk. Der Besucher nähert sich einer gigantischen Kugel, die aussieht wie ein überdimensionaler Pingpong-Ball, und legt sich dann auf eine Art Leichenhallenschublade, mit der man hineingezogen wird (Bilder). Sobald die Tür geschlossen ist, kommt das Licht, und es ist so hell, dass es fast keinen Unterschied mehr macht, ob man die Augen schließt. Und während die Farben sich verschieben und verändern, beginnt man Dinge zu sehen, die nicht da sind, kleine Regenbogen, die im Raum umherschweben und geometrische Formen. Es stellt sich heraus, dass dies die biologischen Strukturen des eigenen Auges sind, das in blendender Intsität anfängt, sich selbst zu sehen. Selbst Turrell beschreibt die 'Perceptual Cells' als 'invasiv' und 'beklemmend'."

Außerdem in der New York Times: Eric Pfanner berichtet über eine Initiative französische Archivare, die sich gegen das von der EU geforderte "Recht zu vergessen" im Internet wenden. Laura M. Holson porträtiert den hippen Literaturagenten Luke Janklow. Und David Margolick erinnert an den Autor John Horne Burns.

Magazinrundschau vom 28.05.2013 - New York Times

Die Brigham Young University in Provo, eine Kaderschmiede der Mormonen in Utah, hat sich darauf verlegt, "familienfreundliche" Animationsfilme herzustellen oder für Hollywood-Filme die DVDs entsprechend von Zigaretten, Schimpfwörtern und anderem Unanständigen zu säubern. Nachdem sich ein Pixar-Chef wohlmeinend über die begabten Tugendwächter geäußert hatte, versank der Dekan R. Brent Adams in Bewerbungen. Aber natürlich kommen nur die Besten durch, erzählt Jon Mooallem: "Adams schickte allen den Ehrenkodex der Universität: Studenten müssen regelmäßig zum Gottesdienst. Kein Sex außerhalb der Ehe ("Führe ein keusches und tugendsames Leben"). Kein Alkohol oder Kaffee (Es gibt nicht einmal koffeinhaltige Getränke im Automaten). Kein Fluchen. Kein Abweichen von den peinlich genauen Körperpflege-Standards (Wenn für einen Bart eine Ausnahme gewährt wurde, muss eine neue Studenten-ID ausgestellt werden) ... Das Programm der B.Y.U. soll eine Art ethisches Gegengewicht darstellen: Sie versucht, wertorientierte Regisseure in die Branche zu bringen, um diese dann zu sensibilisieren. 'Wir wollen', erklärt Adams, 'ohne zu predigen, etwas zur Kultur beitragen und die Leute zum Nachdenken bringen, wie sie bessere Menschen werden können: produktiver, freundlicher, versöhnlicher.'"

Die Titelgeschichte des New York Times Magazines ist passenderweise der Suche nach einer sexuelle Lust stimulierenden Pille für Frauen gewidmet, die der Pharmaindustrie laut Daniel Bergner ebenfalls ein Tugendproblem beschert: "Was, wenn sich in Versuchen ein Medikament als zu wirksam erweist? Mehr als ein Branchenberater erklärte mir, dass Firmen die Aussicht beängstigt, die Ergebnisse ihrer Studien könnten zu gut sein und die FDA eine Anwendung ablehnen, aus Angst, dass ein Stoff zu weiblichen Exzessen führen könnte, zu Orgien der Untreue, gesellschaftlicher Zersplitterung. 'Man möchte gute Ergebnisse, aber nicht zu gute', sagt Andrew Goldstein, der die Studie in Washington durchführt. 'Wir haben viel darüber diskutiert', berichtet er von seiner Beteiligung an der Entwicklung von Flibanserin, 'wichtig war zu zeigen, dass wir Frauen nicht in Nymphomaninnen verwandeln'. Er staunt immer noch über die tief verwurzelten Vorstellungen von Sittlichkeit, die aus dem sprachen, was er zu hören bekam. 'Es gibt Befangenheit - eine Angst davor, die sexuell aggressive Frau zu schaffen.'"

Magazinrundschau vom 25.03.2013 - New York Times

Im Magazine porträtiert Chip Brown den Met-Chef Howard Gelb, der die fast unmögliche Aufgabe hat, ein konservatives Stammpublikum davon zu überzeugen, dass Oper im 21. Jahrhundert nicht mehr aussehen kann wie im 18.. Dabei helfen ihm sein offenbar ausgezeichnetes Organisationstalent und die Fähigkeit, extremen Druck auszuhalten zu können. Eine Episode, die mit nichts mit der Met zu tun hat, verdeutlicht das: "'Niemand weiß, was ein Produzent tut', sagt er, und erinnert sich an die Zeit, als er Horowitz' Rückkehr nach Russland 1986 organisierte. Horowitz, der gern jeden Tag dasselbe aß, wäre nicht nach Russland zurückgekehrt, hätte Gelb ihm nicht garantiert, dass er jeden Abend seine frische Seezunge aus Dover bekommt. Versprechen war leicht, den Fisch zu finden fast unmöglich. Gelb nahm die Hilfe des amerikanischen Botschafters in Anspruch, der mit dem britischen Botschafter sprach, der dafür sorgte, dass die Seezunge aus London eingeflogen wurde. Amerikanische Botschaftsangehörige, mit T-Shirts auf denen 'Luftbrücke Dover Seezunge' stand, holten sie vom Moskauer Flughafen ab. Der italienische Botschafter lieferte den frischen Spargel für Horowitz. Ein Aufgebot von Marines war abgeordnet, den Horowitz' Steinway zu bewachen. Kurz bevor Horowitz starb, rief er Gelb an und sagte ihm, er gehöre jetzt zur Familie und müsse ihn nicht mehr 'Mr. Horowitz' nennen. Er dürfe 'Maestro' sagen."
Stichwörter: Luftbrücke, Met