Magazinrundschau - Archiv

Harper's Magazine

66 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 7

Magazinrundschau vom 21.02.2014 - Harper's Magazine

Aaron Gilbreath ist ein großer Jazzfreund und ein großer Freund der Romane von Haruki Murakami, der ebenfalls ein großer Jazzfreund ist und über Jahre in Tokio einen Jazzclub betrieb. Vor einer Tokio-Reise hat Gilbreath die Adresse dieses Clubs gesucht, die nicht einfach zu finden war! "Leider schien niemand die Adresse zu kennen", erzählt er, "weder Murakamis Übersetzer noch der Fan, der das Blog Haruki Murakami Stuff betreibt. Ich verglich die Google-Map-Bilder von Zentral-Tokio mit einem Satellitenbild einer japanischen Website. Ich klickte zu Street View und suchte Block für Block ab, um das Gebäude zu finden, dessen Foto ich in dem Blog A Geek in Japan gesehen hatte. Endlich war es da - ein düsteres dreistöckiges Gebäude..."


Zum Jazz bekehrt wurde Murakami durch ein Konzert Art Blakeys und seiner Jazz Messengers in Tokio - und zwar in jenem Line Up, in dem die Band auch in San Remo auftrat:


Magazinrundschau vom 03.09.2013 - Harper's Magazine

In Japan gibt es nun die Möglichkeit, Kuschelnickerchen mit weiblicher Begleitung zu buchen. Gideon Lewis-Kraus hat sich die Sache einmal genauer angesehen und dabei Yukiko, eine Soziologie- und Kulturwissenschaftsstudentin, kennengelernt, die am liebsten in Belgien leben möchte. Dass es sich hierbei keineswegs um ein unmoralisches Gewerbe handelt, erfahren wir auch: "Für 3000 Yen, oder knapp 30 Dollar, habe ich die Mitgliedschaft in Tokios erstem Co-Schlaf-Café erworben, dann zahlte ich weitere 3000 Yen für 40 Schlafminuten; normalerweise sind es 5000, doch als Einsteiger qualifizierte ich mich für den Promo-Tarif (Das 10-Stunden-Gesamtpaket kostet 50000 Yen, ganze 20 Prozent Discount). Ein Video erklärte mir dann, dass alle sexuellen Angebote, ganz unabhängig von finanziellen Anreizen, verweigert würden. Dafür gibt es Bonus-Angebote gegen Aufpreis: Ich wählte 'einander in die Augen schauen' (1000 Yen pro Minute) und 'den Kopf getätschelt bekommen' (1000 Yen pro Minute). Andere Optionen beinhalteten den einmaligen Wechsel ihres Schlafanzugs, Schlafen in Löffelchenstellung oder mit dem Kopf in ihrem Schoß. So verlockend diese auch wirkten, schien es mir doch, als würde hier eine Art Grenze überschritten."

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - Harper's Magazine

Der amerikanische Autor Gideon Lewis-Kraus erklärt im Interview, warum er für sein neues Buch "A Sense of Direction: Pilgrimage for the Restless and the Hopeful" Berlin als Ausgangsbasis benutzt hat: "Als ich in San Francisco lebte und alle möglichen Jobs machen musste um über die Runden zu kommen - Ich habe lange Zeit als Bibliograf gearbeitet und ich habe für einen Minilohn in einem Buchladen gearbeitet und ich habe als Lektor gearbeitet und ich habe einen Sommer lang im Hauptquartier von The Gap gesessen und habe Anheizer für Lesezirkel geschrieben - in der Zeit habe ich mir selten Fragen gestellt wie 'Warum habe ich gerade die letzte Stunde damit verbracht, Vom Frühling in den Herbst mit Old Navy Denim! zu schreiben?'. Weil die Antwort klar war: Ich musste die Miete bezahlen. Aber als ich an einen Ort zog, wo die Miete nicht der Rede wert war, öffnete ich die Tür zu einer paralysierenden Bewusstwerdung des Werts jeder Aktivität. Es gab kein Entkommen vor der Frage 'Mache ich jetzt gerade das Beste aus dieser Stunde?'"

Julie Otsuka, deren Roman über japanische "Fotobräute" in den 30ern, 40ern wir vorgeblättert haben, erzählt im Interview, wie sie auf dieses Thema gestoßen ist: "Während ich [für einen anderen Roman] getourt bin, sprach ich mit einer Anzahl von Kaliforniern, die während des Zweiten Weltkriegs gelebt hatten und die mir erzählten, sie hätten 'nicht gewusst', dass es Lager [für Japaner] gegeben hätte. Ich fragte mich, wie das sein konnte. Wie konnten sie nicht bemerken, dasss ihre Nachbarn und Klassenkameraden verschwanden? Die Evakuierungs-Zettel hingen überall und konnten kaum übersehen werden. Eine Frau, die in der ersten Klasse war, als der Krieg ausbrach, erzählte mir, dass sie in der Schule neben einem japanisch-amerikanischen Mädchen saß. Eines Tages verschwand das Mädchen und sie fragte sich immer, was aus ihr geworden sein. Darum war ich vor allem interessiert, wie weiße Kinder das Verschwinden ihrer japanischen Klassenkameraden verarbeiteten. Was erzählten ihnen ihre Lehrer, was erzählten ihnen ihre Eltern? Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir nach ihrer Rückkehr aus dem 'camp' nach dem Krieg erzählte, keine ihrer Klassenkameraden habe sie jemals gefragt, wo sie die letzten dreieinhalb Jahre gewesen war. Sie kannte diese Klassenkameraden, seit sie fünf Jahre alt war. Sie sagten nur Hallo, als sei nichts passiert."

Magazinrundschau vom 03.05.2011 - Harper's Magazine

Ein Text aus Harper's Magazine, online veröffentlicht in txtpost: Lawrence Osborne ist für eine ziemlich farbige Reportage unterwegs in der Grenzregion zwischen Thailand und Malaysia. Der Krieg zwischen islamistischen Separatisten und der thailändischen Armee hat in den letzten Jahren 4.000 Todesopfer gefordert. Ziel Nummer 1 sind muslimische Touristen aus Malaysia, die für Sex und Alkohol Bordelle im Süden Thailands besuchen. Mit einer solchen Gruppe ist Osborne in ein Bordell namens PINK gegangen: "Ich lernte einige nützliche malayische Wörter. 'Schwanz' ist burung. 'Möse' ist nonok... Der edle Akt selbst heißt merodok. Als sie langsam in ihren fruchtigen Gintonics versanken, lösten sich auch ihre Zungen. Was ich über den 'islamischen Krieg' denke? Hatte ich von den beiden Thai-Soldaten gehört, die letzte Woche in Rusok getötet worden waren? Sie hatten Schullehrer begleitet. Was dachte ich über die muslimischen Aufständischen, die Bars bombadierten und Buddhisten auf Gummiplantagen enthaupteten? Ah, aber man muss auch ihre Beweggründe verstehen."
Stichwörter: Alkohol, Pink, Thailand, Malaysia

Magazinrundschau vom 30.09.2008 - Harper's Magazine

Die Bankenkrise hat doch auch was Gutes. Die Wirtschaftssprache zieht ins Feuilleton ein und verleiht traurigen Themen plötzlich ungemeinen Charme! Hier ein Auszug aus einer Rede Charles Bernsteins aus Anlass der Kür der Best American Poetry 2008. Harper's zitiert: "Seien Sie versichert: Die Basisdaten unserer Lyrik sind solide. Das Problem ist nicht die Lyrik, das Problem sind unabgedeckte, unabgesicherte Gedichte. Die Krise wurde beschleunigt durch die immer panischere Ausgabe von von Lyrikschuldverschreibungen, die am Markt wegen ihrer Schwierigkeit, Inkompetenz oder Irrevelanz Verluste verursachen."
Stichwörter: Bankenkrise, Solid, Bernstein

Magazinrundschau vom 25.07.2006 - Harper's Magazine

Kristoffer A. Garin geht mit dreißig Männern auf die Große Ukrainische Brautjagd. Die Männer sind spätes Mittelalter, zumeist Amerikaner und bereit, 4.000 Dollar für die Aufscheuchung des Wilds zu zahlen. "Das sind keine amerikanischen Frauen", erklärt uns der Führer. "Euer Alter, Aussehen und Geld kümmern sie nicht. Man muss auch nicht, nachdem man eine halbe Stunde mit ihnen gesprochen hat, seine Eier zurückfordern. Lasst mich euch sagen: Hier seid ihr die Ware. Ihr seid das Stück Fleisch. Ich habe zwei Jahre in St. Petersburg gelebt und ich würde mich nicht mal mehr mit einer amerikanischen Frau verabreden, wenn ich dafür bezahlt würde." Und dann beginnt eine Reise ins Herz der Finsternis.
Stichwörter: Geld, Mittelalter, Seide