Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2025 - Musik

Harald Fidler berichtet im Standard vom Dilemma, in dem sich der ORF derzeit befindet: Einerseits wächst aus der Politik der Druck, den Eurovision Song Contest abzusagen, sollte Israel von der Teilnahme ausgeschlossen werden - andererseits wäre dann auch eine Strafe von 40 Millionen Euro fällig. Eine Stude hat ergeben, dass der Hiphop der Gegenwart im Vergleich zum Hiphop der Nullerjahre stilistisch immer enger wird, berichtet Fabio Lüdl im Tagesanzeiger. Besprochen werden die Compilation "Beton-Pop" (taz), Cate Le Bons Album "Michelangelo Dying" (FR), ein Sting-Konzert in Köln (FR) und Sam Prekops neues, am Postrock der Neunziger geschultes Synthesizer-Album "Open Close" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2025 - Musik

Bei der Gedenkfeier am 7. Oktober bei der gerade in Berlin gastierenden Nova-Festival-Ausstellung (unsere Resümees hier und dort) wurde nach Ansicht von Ann-Kristin Tlusty auf Zeit Online der zivilen Opfer des Gaza-Kriegs viel zu wenig gedacht. Marion Löhndorf hat für die NZZ das neue David Bowie Centre des Victoria & Albert Museums in London besucht. Die FAZ hat Hubertus Butins skeptischen Artikel (unser Resümee) über den Handel mit Stradivari-Geigen online nachgereicht. Besprochen wird das Comeback-Album von Mariah Carey (NZZ).
Stichwörter: 7. Oktober

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2025 - Musik

Steffen Greiner erzählt in der taz die Erfolgsgeschichte der isländischen Indieband Múm, die in den Nullerjahren sehr beliebt war und nun ein Comebackalbum vorlegt, das man so aber bitte nicht nennen soll und überdies "zu selten wirklich rockt", aber "immerhin Pflaster auf das Unheil der Gegenwart klebt". Backstage Classical meldet, dass der georgische Sänger Paata Burchuladze bei den seit fast einem Jahr anhaltenden Massenprotesten in Georgien festgenommen wurde. Nikolaus Hofer spricht für den Standard mit der Sängerin Verifiziert.

Besprochen werden die Nova-Festival Ausstellung in Berlin (FAZ, unsere Resümees hier und dort, Dlf hat mit dem Veranstalter gesprochen), Dietmar Posts Musikdoku "Mona Mur In Conversation" (taz), ein Konzert des Ensemble Modern in Frankfurt (FR), Luise Volkmann und Été Larges Album "The Stories We Tell" (FR) und Geeses Album "Getting Killed" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.10.2025 - Musik

Nach Stationen in Israel, den USA und Argentinien ist die von der Nova Foundation organisierte Ausstellung "October 7, 06:29 AM - The Moment Music Stood Still" ab heute im Berliner Flughafen Tempelhof zu sehen, und in der taz bleibt Hilka Dirks mit tiefer Verzweiflung zurück. Zu sehen sind "die Fotos der Ermordeten, der Entführten des Festivals sowie aller Geiseln, die sich noch immer in der Hand der Hamas befinden. Dazwischen Tische voller zurückgelassener Gegenstände. Angehäufte Kleidung, Rucksäcke, Schuhe. Sie lassen unweigerlich an die Berge geraubter Gegenstände in deutschen Konzentrationslagern denken. Es folgt ein Bereich, der sich der Heilung widmet, ein häufig wiederholter Slogan: "We will dance again." Hier wird die Arbeit der Stiftung dokumentiert, ihr Weg dahin, ihre Ziele. Eins von ihnen: Geld für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer zu sammeln." Für die taz Berlin bespricht Lea Wolters die Ausstellung, für den Tagesspiegel Birgit Rieger. Ein Gespräch mit dem Ausstellungsmacher und Organisator des Nova-Festivals, Ofir Amir, haben wir hier resümiert.

Weitere Artikel: Dorothea Walchshäusl porträtiert in der NZZ die Bach-Pianistin Angela Hewitt, die heute Abend in Zürich spielt. Dennis Sand hofft in der Welt, dass aktuelle Auseinandersetzungen in der Deutschrap-Szene, nachdem Moses Pelham ein Sample für einen Song über das Leid der Menschen in Gaza aufgrund von einer zu einseitigen Darstellung des Konflikts nicht freigegeben hatte, dazu führen, dass die Szene ihr Antisemitismus-Problem anspricht und in den Griff kriegt. Johanna Schmidt ist in der taz genervt von der Schwemme an der KI-Nazimusik, mit der die Streamingdienste geflutet werden. Fridtjof Küchemann berichtet in der FAZ vom Kronberg Festival. In der FAZ gratuliert Wolfgang Sandner dem Cellisten Yo-Yo Ma zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden das erste, von Anja Bihlmaier dirigierte Konzert des Orchesters der Oper Zürich unter seinem neuen, alten Namen, den es 2012 abgelegt hatte und nun wieder trägt (NZZ), ein Konzert von Herman van Veen in Frankfurt (FR), ein Konzert von Architects (FR), neue Veröffentlichungen anspruchsvoller Musik, darunter Anastasia Kobekinas Aufnahmen von Bachs Cello-Suiten (Standard), und Charif Megarbanes Album "Hawalat", bei dessen "ungemein lässiger" Mischung "aus Easy-Listening-Funk und Exotica-Jazz, angereichert mit arabischen Musikskalen", sich Jungle-World-Kritiker Maik Bierwirth wie in einem "typischen B-Movie aus den Sechzigern" fühlt.
Stichwörter: Novafestival, Hamas, 7. Oktober

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2025 - Musik

Die Agenturen melden, dass nach Protesten ein Konzert von Robbie Williams in Istanbul "aus Sicherheitsgründen" abgesagt wurde: Dem Sänger wurde von Aktivisten vorgeworfen, Zionist zu sein - weil seine Ehefrau jüdisch ist und er zweimal in Israel aufgetreten ist. Inga Barthels berichtet im Tagesspiegel von den Kinovorführungen eines "recht lieblos zusammengestellten" Begleitfilms zur Veröffentlichung von Taylor Swifts neuem Album, das laut tazlerin Dagmar Leischow vor allem aus "Middle-of-the-Road-Gesülze" besteht (weitere Besprechungen des Albums hier). Peter Kemper berichtet in der FAZ vom Auftakt des Enjoy Jazz Festivals in Ludwigshafen und Heidelberg. Besprochen werden die Autobiografie des auf Filmaufnahmen klassischer Musik spezialisierten Regisseurs Brian Large (online nachgereicht von der FAZ) und Mac DeMarcos "Guitar" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.10.2025 - Musik

Peter Richter spricht für die SZ mit Ofir Amir, dem Veranstalter des von der Hamas schwer angegriffenen Nova-Festivals. Eine von ihm dazu initiierte Wanderausstellung ist ab 7. Oktober auf ihrer ersten Station in Europa in Berlin zu sehen. Sehr bedrückend und detailliert schildert Amir den Ablauf des Hamas-Massakers, das er nur knapp und schwer verletzt überlebte. Die Beweggründe für die Ausstellung? "Wir wollten nicht, dass die Zahl von 411 Opfern alles ist. Denn hinter dieser Zahl stehen Namen und jeweils eine Geschichte. Wir haben also das Festivalgelände noch mal nachgebaut. Wir haben die verbrannten Autos, wir haben die mobilen Toilettenkabinen mit den Einschusslöchern in den Türen. Wir haben die Bar und die Getränkekühltruhe, in der sich eine Mitarbeiterin versteckt und überlebt hat. Wir haben die Zelte. Alles ist original. ... Wir sehen, dass es ein großes Problem mit Bildung gibt. Es ist ein Riesenproblem, weil so viele junge Leute heute ihre Informationen von Tiktok und von Instagram bekommen. Deshalb ist es uns wichtig, von Stadt zu Stadt zu ziehen und unsere Geschichte zu erzählen, um der Welt zu zeigen: Das ist uns passiert, aber wir hassen nicht."

In Russland wird zwar viel Neue Musik gespielt, doch "zu meinem großen Bedauern macht das meine Heimat nicht zu einer Demokratie", seufzt Sergej Newski im VAN-Kommentar. Dass die Staatsführung hier gewähren lässt, sei allerdings kein propagandistisches Feigenblättchen gegenüber dem Westen. Vielmehr "hält der Staat sie nicht für gefährlich und sieht darin keinen politischen Inhalt. Die Komplexität, die vor 70 Jahren als bedrohlich galt, wird heute von außen als hochgestylte Dekoration angesehen."

Themenwechsel: Taylor Swifts neue Album "The Life of a Showgirl" beschäftigt alle Popkritiker. Längst sind ihre Alben mehr oder weniger kodifizierte Tagebücher und Momentaufnahmen aus ihrem Leben im Rampenlicht. "Es ist ein radikaler Bruch mit dem prosaischen und schmerzgesättigten Vorgänger", schreibt Rahel Zingg in der NZZ. "Wo 'The Tortured Poets Department' mit 31 Songs grau und ausgedehnt wirkte, ist 'Showgirl' schillernd und knapp." Kein Wunder, bei "Tortured..." ging es noch um gescheiterte Beziehungen, nun liegt der Fokus auf der erfolgreichen "Eras"-Tour, die die Musikerin die letzten zwei Jahre im Griff hatte, und auf ihren währenddessen glücklich eingegangen Liebesbeziehung zu dem Sportler Travis Kelce, dessen Qualitäten im Bett und die dafür notwendige körperliche Voraussetzung Swift im dazu naheliegend betitelten "Wood" euphorisch besingt. Produziert hat der schwedische Hitschmied Max Martin, über den Ueli Bernays in der NZZ schreibt und der "für mehr Nummer-eins-Hits als jeder andere Produzent verantwortlich ist", wie wiederum Inga Barthels im Tagesspiegel informiert.



Zu hören gibt es "eine gut durchgeschüttelte Tüte aus kurzweiligem, kaum in nennenswerte Tauchtiefen gehenden Pop", urteilt Joachim Hentschel in der SZ. "Immer wieder hört man Sixties-Anklänge heraus. Einen relativ subtilen Klassizismus, wie er in Taylor Swifts Musik bislang die Ausnahme war." Für Max Dax in der FR hingegen ist dies das "bisher beste Album" Swifts: "Das wahrhaft Faszinierende" daran ist, "dass es zu jeder Sekunde und in jedem Atemzug ihres Gesangs hält, was sie im Titel verspricht. Als wolle sie ihre Fans tatsächlich teilhaben lassen an ihrem Innenleben, am Gedankenstrom des Showgirls, zu dem sie geworden ist, an ihrem unaufhörlichen und von niemandem kontrollierbaren inneren Monolog, was es bedeutet und wie es die Perspektiven der Wahrnehmung verändert." Dieses Album "ist moderat literarisch, moderat feministisch, moderat kritisch. Das Werk eines abgewogenen Middleclass-Kids aus Pennsylvania", hält Philipp Krohn derweil sehr bodenständig in der FAZ fest. "Im Rahmen der häuslichen Zweisamkeit, die sie auf 'The Life of a Showgirl' besingt, wirken die biblischen Metaphern und literarischen Verweise herbeibehauptet, mitunter sogar kitschig", notiert Daniel Gerhardt auf Zeit Online.

Weitere Artikel: "Die Welthaltigkeit des HKW hat durch all diese Provinzialität erheblichen Schaden genommen", kommentiert Julian Weber in der taz den Eklat um den geplanten Auftritt des Rappers Chefket im Rahmen von Jan Böhmermanns Berliner Ausstellungsprojekt. Michael Stallknecht berichtet in der NZZ von Haydn-Aufführungen in Fertöd. Dresden verhängt eine Haushaltssperre für 2026, das bereits eingeplante Programm zahlreicher Kultureinrichtungen steht damit auf der Kippe, meldet Merle Krefeld in VAN. Marianne Zelger-Vogt porträtiert in der NZZ die Klarinettistin Sabine Meyer, die ihr Karriere-Ende angekündigt hat. Holger Noltze spricht für VAN mit Stephan Pauly, dem Intendanten des Wiener Musikvereins. Felix Diergarten durchleuchtet in der NZZ das Werk von Richard Strauss nach versteckten, intimen Selbstdarstellungen, denn wenn der Komponist "sich selbst so interessant fand wie Napoleon oder Alexander, ist das nur auf den ersten Blick befremdlich". Thomas Stillbauer erinnert in der FR an das Police-Album "Reggatta de Blanc". Tilman Spreckelsen gratuliert in der FAZ dem US-Sänger Don McLean zum 80. Geburtstag. Besprochen wird das neue Album von Nina Chuba (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.10.2025 - Musik

Nachdem Jan Böhmermann das Konzert von Chefket im Rahmen seines aktuellen Berliner Ausstellungsprojekts auf Druck von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer abgesagt hat (unser Resümee), haben nun auch alle anderen für ein Konzert vorgesehenen Musiker ihre Auftritte aus Solidarität mit Chefket abgesagt, meldet Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Was für eine Chance hier vertan wurde, stöhnt Marlene Knobloch in der Zeit: "Was den Leuten eingefallen ist: dass hier Punkte zu holen sind. Der rechten Internetseite ist eingefallen, dass sie ihr leidenschaftliches Hassobjekt Böhmermann bloßstellen kann. Wolfram Weimer ist ins Scheinwerferlicht gerast, um sich als leuchtender konservativer Antisemitenfeind feiern zu lassen. Und Jan Böhmermann ist aufgefallen, dass er etwas ungünstig wirkt mit diesem Line-up am 7. Oktober, dafür aber hat er jetzt die bundesweite Aufregung, die so eine Ausstellung braucht, um drei Wochen lang Gesprächsthema zu bleiben. ... Ja, dieses Meta-Theater ist recht unterhaltsam. Man muss nämlich gar nichts mehr wissen, um mitzukommen. Man muss nur eine Meinung kennen und sich zu der verhalten. Aber unter jeder zugeschütteten Debatte erstickt ein Stück Wahrheit. Und die Chance auf Erkenntnis."

Weitere Artikel: Karl Fluch porträtiert im Standard den puertoricanischen Musiker Bad Bunny, der in der englisch- und spanischsprachigen Popwelt ein absoluter Superstar ist, Trumps Einwanderungspolitik scharf kritisiert und nun die Halbzeitshow beim kommenden Super Bowl bestreitet. Andreas Michalke erzählt in der Jungle World von seinem Besuch in The Diskery, dem ältesten Second-Hand-Plattenladen in Birmingham. Ueli Bernays gratuliert in der NZZ dem Zurich Jazz Orchestra zum 30-jährigen Bestehen.

Besprochen werden Konstantin Weckers Memoiren (Freitag) und Cate le Bons Artpop-Album "Michelangelo Dying" ("eines der berührendsten Songwriterinnen-Alben der letzten Jahre", schwelgt Lars Fleischmann in der taz).

Stichwörter: 7. Oktober

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.10.2025 - Musik

Der Titel des neuen Albums des Wilco-Musikers Jeff Tweedy sollte ursprünglich wohl "Tons of Time" lauten und die braucht man auch, um sich durch diesen Zweistünder durchzuhören, schreibt Karl Fluch im Standard. Aber auf diese musikalische Reise durch die Welt eines bald 60-jährigen Indierock-Heroen lässt er sich gerne mitnehmen. Es geht lose um "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" und "Tweedys Idiom transportiert dazu jene Zärtlichkeit und jene Melancholie, die man ab einem gewissen Alter sogar der Zukunft gegenüber empfinden kann. ... Wilco, und damit Tweedy, leben Indierock nicht bloß als (vielfältige) musikalische Schublade, es ist eine Denkungsart, die sich in der Musik spiegelt."



Weitere Artikel: Christian Schachinger erinnert im Standard daran, wie Drafi Deutscher 1965 mit "Marmor, Stein und Eisen bricht" den Rock'n'Roll in den deutschen Schlager brachte. Marlon Rusch spricht für die Zeit mit dem Schweizer Liedermacher Walter Lietha.

Besprochen werden ein Konzert des ORF-Radio-Symphonieorchesters in Graz (Standard), ein Konzert von Elliott Sharp in Frankfurt (FR) und und der Soundtrack von Nine Inch Nails zu "Tron: Ares" ("da eiert da ein stattlich hässlicher Cybertruck die komplett ausreichende Frist von ungefähr achtundsechzig Minuten düster und munter voran", schreibt Dietmar Dath online nachgereicht in der FAZ).

Stichwörter: Tweedy, Jeff, Tron

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.09.2025 - Musik

Im Rahmen von Jan Böhmermanns Ausstellungsprojekt im Haus der Kulturen der Welt in Berlin wäre am 7. Oktober auch ein Auftritt des Rappers Chefket vorgesehen gewesen. Da dieser auf Instagram mit einem Shirt zu sehen war, das mit einer Palästinakarte ohne Israel bedruckt war, äußerte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (der wiederum selbst tags darauf mit Böhmermann die Bühne teilt) öffentlich und intern Bedenken, dass ausgerechnet am 7. Oktober antisemitischen Positionen eine Bühne gegeben würde. Böhmermann sagte den Auftritt des Rappers nach anfänglichem Protest dann doch schließlich ab.

Ein Fehler, findet Jens Balzer auf Zeit Online. Chefkets Hemd findet er zwar auch nicht gut und die Einplanung für den 7. Oktober instinktlos. Aber Balzer hat in Chefkets Schaffen keinen Antisemitismus gefunden. Dieser sei "ist offenbar nur irgendein beliebiges Ziel, das sich gerade anbot, um eine bestimmte Form der Meinungs- und Deutungshoheit durchzusetzen". Balzer vermutet, Weimer versuche vor allem "seine Autorität als Aufsichtsrat des Hauses der Kulturen der Welt gegen dessen freie Programmgestaltung durchzusetzen". Dies "beschädigt aber nicht nur die Freiheit der Kunst", sondern "auch den bitter nötigen Kampf gegen den - popkulturellen und anderen - Antisemitismus gerade dort, wo er weit dringlicher wäre." Ähnlich sieht es Daniel Bax in der taz: Weimar "hat deutlich gemacht, was er von der Kunst- und Meinungsfreiheit hält: nichts".

Claudius Seidl fragt sich in der SZ, warum Chefket überhaupt eingeladen wurde: "Welcher konzeptionelle Gedanke" dahinter "gesteckt hat, ist nicht zu erkennen". Ähnlich geht es taz-Kritikerin Laura Ewert mit der Ausstellung im HdKdW. Sie kann beim besten Willen keine "Metaebene" erkennen: "Im Innern steht eine große Büste von Helmut Kohl aus Butter, eine Rauchkabine wie in Flughäfen, nur mit echten Zigaretten, in der man auch ganz echt rauchen kann. (Über diese Unvernunft sind dann alle ganz aus dem Häuschen!). Es gibt eine Maschine, die alle 28 Minuten ein Kuscheltier schreddert, wenn man nicht 20 Euro zahlt und ein Foto von sich macht, das im Internet landet. Auf Grabsteinen stehen Geburtstage, Name und geschätzte Vermögen der reichsten deutschen Männer. Und dann gibt es noch Nacktbilder von Merz, die eine KI errechnet hat."

Weitere Artikel: Karl Fluch erzählt im Standard die Geschichte von Carol Kaye, der "berühmtesten unbekannten Bassgitarristin der Welt", die zwar auf rund zehntausend Aufnahmen und in zahlreichen Evergreens zu hören ist, eine Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame aber ablehnt, weil sie "sich als Jazz- und nicht als Rock-Act sieht, nicht als Solokünstlerin, sondern als Teil eines Studioteams". Dass der puerto-ricanische Sänger Bad Bunny die Halbzeitshow beim Super Bowl 2026 spielen wird, ist "relativ laut brüllende Positionierung gegen Präsident Donald Trump", stellt Jakob Biazza in der SZ fest. Kai Müller verneigt sich im Tagesspiegel vor dem Berliner Trio Gewalt, das mit seiner kompromisslosen Verweigerungshaltung zwar auf den Pop-Olymp zielt, diesen aber auch genau deswegen immer wieder verfehlt. Melanie Biedermann porträtiert in der Zeit die Popmusikerin Kings Elliot. Helene Slancar sorgt sich im Standard um die Zukunft des K-Pop. In der SZ gratuliert Christian Mayer Ralph Siegel zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden ein Hamburger Abend mit Jan Delay und Benjamin von Stuckrad-Barre zu Ehren von Udo Lindenberg (taz), ein Konzert der Wiener Philharmoniker unter Fabio Lusi (Standard), Aruán Ortiz' Klavier-Album "Créole Renaissance" (FR), ein Konzert von Maxim Lando in Frankfurt (FR), ein Open-Air-Konzert in Berlin-Kreuzberg mit der Punkband ZSK (taz) und neue Popveröffentlichungen, darunter Lady Wrays "Cover Girl" ("eine souveräne Bestätigung als Spitzendame auf dem Feld des Neo-Soul", schwärmt Karl Fluch im Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.09.2025 - Musik

Hans-Jürgen Linke (FR) und Wolfgang Sandner (FAZ) schreiben Nachrufe auf Jim McNeely, den langjährigen Leiter der hr-Bigband. Pamela Spitz erinnert in der Welt an die aufwändigsten Albumcover-Gestaltungen des legendären Hipgnosis-Studios. Im Standard gratuliert Karl Fluch Marianne Mendt zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden ein Konzert von Drangsal in Frankfurt (FR), ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters (FR), das neue Album von Nina Chuba (Standard, mehr dazu bereits hier), eine neue Aufnahme von Francesco Bartolomeo Contis "Il trionfo della Fama" (FAZ), Trent Raznors Soundtrack zum Film "Tron: Ares" (FAZ) und ein neues Album von des Jazzpianisten Fred Hersch (FAZ).

Stichwörter: Tron