Bei den DonaueschingerMusiktagen wurde "das Sprechen zum metaphysischen Akt", zu einem klanglich modulierten Instrument unter vielen, stellt Hannah Schmidt auf Zeit Online fest. "Es scheint, als zöge sich die zeitgenössische Musik 2025 in jene Selbstreferenzialität zurück, aus der sie vor wenigen Jahren erst den Ausbruch gewagt hat. Nur so lassen sich LaureM. Hiendls minimalistische 25 Remix-Minuten über ein paar Takte aus RalphVaughanWilliams' 7. Sinfonie erklären, nur so macht die neu-alteSuchenachObjetstrouvés für das Geräuschorchester, nach Synästhesie und meditativer Traumerfahrung Sinn. Diese Kunst sagt der Tragik und Verzweiflung der Wirklichkeit nicht den Kampf an, sondern schärft vielmehr die Sinne, will Zuflucht bieten, verbinden. Die Shuttlefahrten zurück ins Hotel nach den Uraufführungen werden so zum Sinnbild: Unterwegs hält der Fahrer mehrfach spontan an nachtschwarzen Sehenswürdigkeiten. Mansiehtzwarnichts, aberegal." Lotte Thaler resümiert das Festival in der FAZ ziemlich genervt: So manches "ist schon beim Hinausgehen so gut wie vergessen".
Sein eigenes Leben wird kaum ausreichen, um die Myriaden Tonbänder durchzuhören und auszuwerten, die FrankZappa hinterlassen hat, sagt dessen Archivar JoeTravers im Gespräch mit der SZ. Hinzu kommt, dass spätestens ab den Achtzigern der Wechsel zum Digitalen seine ganz eigenen Tücken mit sich bringt: "Wenn ein Tonband mit einer analogen Aufnahme Altersschäden bekommt, verliert es in der Regel die hohen Frequenzen", aber "das kann man korrigieren. Wenn jedoch ein digitales Tonband überstrapaziert ist, hört man einfach - gar nichts mehr. ... Ein Jazz-Tonband aus den 40er- oder 50er-Jahren wird man mit wenig Aufwand immer wieder restaurieren können. Wie das in 70 Jahren mit den WAV-FilesvonTaylorSwift aussieht, ist eine völlig andere Geschichte."
Besprochen wird YasmineHamdans Album "I Remember I Forget" (FR).
Dass ein Leitartikel der FAZ von Hip-Hop-Kultur handelt, dürfte nicht allzu oft vorkommen. Sebastian Eder will dem Rapper Chefket seine Naivität nicht abnehmen. Der hatte neulich eine Palästinakarte ohne Israel herumgetragen und sich damit verteidigt, dass er überall gegen Unterdrückung sei, das Symbol aber nicht politisch deuten könne. Eder stellt eine Gewaltbilanz der Hip-Hop-Kultur auf, die nicht unbedingt positiv auffällt. "Auch in Deutschland kann man gerade beim Thema Frauenhass und Antisemitismus im Rap eine lange Liste mit menschenverachtenden Äußerungen anlegen. Ein verurteilter Frauenschläger wie Gzuz tritt weiter in Arenen auf und darf sich in einer Amazon-Dokumentation als Familienmensch präsentieren. Rapper aus dem Umfeld von arabischen Clans verstecken ihren Hass auf Juden, wenn überhaupt, nur sehr halbherzig. Der Hip-Hop-Held Haftbefehl darf sich bald in einer Netflix-Doku über sein Leben zeigen, produziert wurde sie von Elyas M'Barek. Mehr Mainstream geht nicht. Eines der bekanntesten Lieder von Haftbefehl beginnt so: 'Rothschild-Theorie, jetzt wird ermordet'. Auch andere Probleme liegen seit Jahren offen: Kriminelle Clans unterdrücken Rapper, Rapper mit kriminellen Clans im Rücken unterdrücken schwächere Rapper. Die Musikindustrie spielt mit."
In Zürich hat PaavoJärvi mit dem EstonianFestivalOrchestra einen Abend zu Ehren von ArvoPärt bestritten, der vor kurzem 90 Jahre alt geworden ist. "Pärt hat die Musik unserer Zeit, die sich lange einem überwiegend konstruktivistischen Denken verschrieben hatte, breitenwirksam gemacht", schreibt Christian Wildhagen in der NZZ, "und zwar, indem er sie für das Mystische und Meditative, ja das Archaisch-UrsprünglichederKlänge geöffnet hat." Gut nachzuvollziehen etwa in "Tabula Rasa" von 1976: "Der junge estnische Geiger HansChristianAavik und die bekannte Geigerin Midori treffen ... genau den eigentümlichen Schwebezustand, in dem das unablässige Wiederholen von Formeln und Sequenzen zu einem Gefühl von Zeitlosigkeit führt, das zugleich aber die Wahrnehmung jedes einzelnen Tones schärft."
Weiteres: Manuel Brug spricht in der Welt mit DaniilTrifonov über Tschaikowsky, dessen selten zu hörenden Solo-Klavierstücke der russische Pianist vor kurzem eingespielt hat. Gregor Kessler berichtet in der taz von einer Veranstaltung in Hamburg zum Abschied des vor kurzem verstorbenen Labelmachers AlfredHilsberg.
Besprochen werden ein Wiener Abend mit GüntherGroissböck und IgorLevit (Standard), ein Auftritt der Jazzmusikerin ClaraVetter in Frankfurt (FR), das von ThomasGuggeis dirigierte Museumskonzert in Frankfurt (FR) und neue Veröffentlichungen anspruchsvoller Musik, darunter IiroRantalas Jazzalbum "Trinity" (Standard).
Der Jazzmusiker und Komponist KlausDoldinger ist tot. Ihm gelang "eine der auch international bedeutendsten Karrieren der deutschen Musikgeschichte", schreibt Torsten Groß auf Zeit Online. In der breiten Öffentlichkeit kennt man Doldinger vor allem als Komponist der "Tatort"-Melodie. Dabei "war das Saxofon Doldingers eigentliche Stimme. ... Ausufernde Jams, Improvisationen wurden zum Markenzeichen seiner später grenzüberschreitenden Fusion-Band Passport, kaum ein Stück wurde zweimal gleich gespielt. Unvergessen die Aufführung des Passport-Stücks Uranus in der TV-Sendung Beat Club. Sieben Minuten entfesselte Energie, in übereinander montierten Aufnahmen scheint Doldinger gleichzeitig Tenor- und Sopransaxofon sowie Synthesizer zu spielen. Sein geliebtes Sopransax jagte Doldinger bei solchen Gelegenheiten durch alle möglichen Effekte, bis es beinahe klang wie eine E-Gitarre."
"Sein Ton auf dem Tenor- und Sopransaxofon war unverkennbar, ein Strahlen voller Kraft und einer untergründigen Wehmut, die seine Sehnsucht nach der großen Welt bis in sein hohes Alter transportierte", seufzt Andrian Kreye in der SZ - und kommt ebenfalls auf Passport zu sprechen: "Keyboardschichten schufen einen Kosmos der Klänge und Harmonien, über die Klaus Doldinger mit seinem Saxofon die Fanfarenlinien seiner Themen und Improvisationen legte. Da fanden sein Gespür für Melodien, die man sofort mitsummen konnte, seine fingerfertige Lässigkeit und die musikalischen Erinnerungen an seine Weltreisen zusammen. ... Das war eine Form des Jazz, die ganze Hallen und Stadien bis in die Grundfesten erschüttern konnte. Diese Spannung aus Wucht und Wehmut bei Doldinger traf das Gefühl einer Zeit, als die Welt noch so groß und erstmals so offen erschien."
"Doldinger hatte alles drauf", schreibt Stefan Hentz in der NZZ. "Unter Pseudonym und getarnt mit einer bizarren Wuschelperücke, zog er dem neuen deutschen Rock musikalisch ein Rückgrat ein und profilierte sich als Mann für alle Fälle. Zugleich nutzte er die offenen Kanäle in die stürmisch wachsende Musikindustrie, um auch als Jazzmusiker präsent zu bleiben - sei es mit gefälligem Bossa Nova, sei es als Herold eines zupackenden Jazz 'made in Germany', den er mit seinem Quartett präsentierte. In der Vielfalt seiner musikalischen Interessen entwickelte Doldinger eine Vorliebe für rockige Sounds, für die Kraftentfaltung der Verstärker und Verzerrer und die Bewegungsenergie knalliger Grooves, die ihm sehr zupass kommen sollte, als ihm bald auch ambitioniertereKompositionsaufträge für Film- und Fernsehproduktionen zuflogen." Wer als Kind in den Achtzigern ins Kino ging, wird diese Melodie noch im Ohr haben:
Weitere Nachrufe schreiben Josef Engels (Welt), Wolfgang Sandner (FAZ) und Hans-Jürgen Linke (FR).
Am Freitagabend begannen die DonaueschingerMusiktage. Dass der SWR sich hier sehr im Abglanz der Kultur feiert, während er die Hochkultur in seinen Programmen immer weiter abdrängt, stößt Alexander Strauch auf Backstage Classical durchaus auf. Auch rächt sich, dass der SWR stur an François-XavierRoth festhielt, der seit geraumer Zeit höchst umstritten ist. Prompt begleiteten ihn die Buhrufe beim Weg auf die Bühne. Musikalisch war der Abend zwar solide, "doch eben das Fragezeichen über seiner Personalie war überdeutlich. ... Buhrufe für Leroux und Roth, Bravorufe der Getreuen - ein Ritual. Ein Abend zwischen Loyalität und Lähmung, Feier und Fassade. So also begann Donaueschingen 2025: Der SWR feierte sich selbst, Roth kämpfte mit seinem Schatten, und die Musik versuchte, sich dazwischen einen Raum zu schaffen. Ein Auftakt, der alles enthielt - nur keinen Aufbruch von Festival und Chefdirigent."
Weiteres: Harry Nutt schreibt in der FR zum Tod des KISS-Gitarristen AceFrehley. Besprochen wird LukasGecks und MariaKanitz' Buch "Lauter Hass" über Antisemitismus im Pop (taz).
Elena Witzeck berichtet in der FAZ von dem Trubel, den die Ankündigung, dass der puertoricanische Superstar BadBunny die Halbzeitshow des nächsten Super Bowls bestreiten wird, ausgelöst hat. Diese Zwischeneinlage ist bekanntlich jedes Jahr eines der zentralen popkulturellen Ereignisse in den USA - und Bad Bunny war in der Vergangenheit nie darum verlegen, Trump und dessen Einwanderungspolitik zu kritisieren. "Geplant ist nun eine Gegenveranstaltung zu Benitos Superbowl-Auftritt. Die Heimatschutzministerin droht mit Festnahmen der Abschiebebehörde ICE. Als wäre es das erste Mal, dass die amerikanische Einwanderungspolitik beim Superbowl kritisiert wird. ... Mit Trolling-Posts und Kritik an dem geplanten Auftritt wurde in den letzten Tagen versucht, ehrwürdige Künstler wie Carlos Santana gegen Bad Bunny auszuspielen. In einer besonders herzlichen Umarmungsgeste ließ Santana mitteilen, er sehe das ganz anders. Überhaupt könne er nicht aufhören, Bad Bunnys Song 'Mónaco' zu hören. Worum es da geht? Um die Dekonstruktion alter Machtstrukturen. Wenn das mal kein Zufall ist."
Außerdem: Für "Bilder und Zeiten" der FAZ schaut Gerald Felber der Pianistin TamaraStefanovich dabei über die Schulter, wie diese sich das Klavierkonzert von RebeccaSaunders erarbeitet. Erhard Grundl wirft in der taz Schlaglichter auf Leben und Werk von BobDylan, der kommende Woche für drei Konzerte nach Deutschland kommt. Jakob Biazza schreibt in der SZ einen Nachruf auf den früheren Kiss-Gitarristen AceFrehley.
Besprochen werden das neue Album von TheLastDinnerParty ("eine ausgezeichnete Popplatte, reich an Ideen, Hooks, Drama, glamourösen Anmaßungen und großen Emotionen", freut sich Annett Scheffel auf Zeit Online) und das neue Album von TameImpala (SZ).
Jan Feddersen (taz), Harry Nutt (FR) und Peter-Philipp Schmitt (FAZ) schreiben Nachrufe auf den Schlagerproduzenten JackWhite. Besprochen werden OzzyOsbournes Autobiografie "Last Rites" (Welt) und das zweite Album der britischen Band The Last Dinner Party (NZZ).
Die Musikkritiker trauern um D'Angelo, der mit gerade einmal drei seit 1995 veröffentlichten Alben den Soul revolutioniert hat und nun im Alter von nur 51 Jahren einer Krebserkrankung erlegen ist. "An der Geschichte des übermäßig talentierten, glamourösen und fragilen Musikers D'Angelo kann man die ganze Ekstase und den Kater der wichtigsten Kunstformen des 20. Jahrhunderts erzählen: der Popmusik und dem, was ihr zugrunde liegt - der Black Music", schreibt Tobi Müller auf Zeit Online. Aus D'Angelos Songs sprachen "brennende Musikalität und jubilierender Schmerz" und er beherrschte die hohe Kunst der Langsamkeit: "Der Song 'Lady' von seinem Debütalbum klingt wie Funk auf Fentanyl, trotz des chirurgisch präzisen Zusammenspiels der Musiker; auch D'Angelos Gesang klingt nach einem Mann, der weiß, was es heißt, in den Seilen zu hängen. Das wirklich langsame 'Untitled' (How Does It Feel?) vom Album Voodoo ist ein siebenminütiges Lehrstück darüber, wie viel auch Musik der höchsten Ekstase mit Kontrolle zu tun hat, mit hinausgezögerter Wirkung - mit einem Versprechen eben."
Schon D'Angelos erstes Album war hochgradig ambitioniert und hungrig, schreibt Jakob Biazza in der SZ, und auch sein letztes, "Black Messiah" von 2014, "war noch mal ein immenses, sehr erfolgreiches Anstemmen gegen die Faulheit der Kollegen. Noch einmal dreckige, tiefenerotischeBeats, brandgefährliche Grooves, Rasiermesser-Synkopen, bezirzende Falsett-Lieblichkeiten und eine vollständig umfangende Wärme. Noch einmal der Anspruch, allesanders, allesbesser zu machen." Weitere Nachrufe in taz und NZZ.
Weiteres: Jens Balzer stellt in der ZeitBadBunny vor, der ausschließlich auf Spanisch singt, international ein absoluter Superstar, in Deutschland hingegen kaum bekannt ist und im kommenden Februar beim Super Bowl auftreten wird. Mehrere Musikjournalisten haben sich beklagt, nach Kritik am neuen Album von TaylorSwift von einigen ihrer Fans teils Morddrohungen erhalten zu haben, berichtet Jean-Martin Büttner in der NZZ. Stephanie Grimm berichtet in der taz vom AvantFestival in Süditalien. Karl Fluch erinnert im Standard an PattiSmiths vor 50 Jahren erschienenes Proto-Punkalbum "Horses".
Die Abstimmung, ob Israel am EurovisionSongContest teilnehmen darf oder nicht, wurde angesichts der Waffenruhe im Gaza-Krieg nun zwar ausgesetzt, stattdessen soll es in der Angelegenheit in den nächsten Monaten eine interne Diskussion geben. "Dem sehen wir mit Interesse entgegen", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online mit galliger Ironie, denn die Rundfunkanstalten diverser Staaten hatten schon im Vorfeld angekündigt, dass ihr Boykott ungeachtet aktueller Entwicklungen in Gaza Fortbestand haben werde. "Jeder jetzt noch kommende Boykott, jeder Rücktritt eines Senders vom ESC wird dessen Ruf dauerhaft beschädigen. Und es bleibt ja überhaupt interessant, wie sich die Popmusik-Szene nach dem Waffenstillstand in Gaza nunmehr verhalten wird - so entschieden, wie sie sich mehrheitlich bislang gegen Israel positioniert hatte und für Boykotte gegen Israel jeglicher Art. Auf wie vielen Konzerten der vergangenen Wochen und Monate wurde nicht immer wieder 'ceasefire now' skandiert! Aber jetzt, wo das ceasefire da ist, hört man recht wenig; eher wird wohl nach neuen Gründen gesucht, um den Israel-Boykott fortzusetzen."
Julian Weber berichtet in der taz von der Musikbiennale inVenedig, wo allerlei experimentelle bis waghalsige Musik aufgeführt wird. Beim Auftakt etwa "droppen die Cramptons unter dem Titel 'Los Thuthanaka' harschen Noise, aufgebohrt mit Cumbiabeats, wieder Metal, aber auch Oregon-artiger ECM-Fusion, dazu Radiojingles: 'Full Mix en Vivo'. Im Katalog wird theoretisch nachgewürzt: 'Verwurzelt in der Aymara-Kosmologie und im antikolonialen Denken, werden Folktraditionen mit digitalen Technologien und Clubkultur-Anmutung fusioniert, um Sounds zu kreieren, in denen Identitäten, Geschichte und Widerstand zusammenfließen.' In Venedig fließt sowieso alles zusammen. Das müffelnde Brackwasser der Kanäle mit der Adria, schlingernde Bootsmotoren mit den bröckelnden Fassaden der Paläste, Disneyland-Selfiestick-Overtourism mit den griesgrämigen Bediensteten der Serviceindustrie, die diesemolto-crazyAtmosphäre scheinbar stoisch ertragen. Irgendwo in diesem morbiden, spätkapitalistischen All-Inclusive fügt sich auch der indigene Fusionambientbarock als Soundtrack ein."
Jakob Biazza wird in der SZ geradezu schwindelig zumute angesichts der absurd hohen Menge an physischen Tonträgern, die Taylor Swift alleine in der ersten Woche von ihrem neuen Album abgesetzt hat: "Seit der Datenkonzern Luminate im Jahr 1991 in den USA angefangen hat, die Verkäufe (und später zusätzlich Downloads und dann auch Streams) für die Billboard-Charts zu erfassen, wurde dort kein Album in der ersten Woche häufiger erworben als 'The Life of a Showgirl'. Keines." Und das wohlgemerkt im Streaming-Zeitalter.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Florian Zinnecker spricht in der Zeit (online nachgereicht) mit dem HistorikerPhilipp Ther, der in seinem Buch die Musik der Habsburgermonarchie erforscht. In der FAZgratuliert Wolfgang Sandner dem Komponisten La Monte Young zum 90. Geburtstag. Die Agenturen melden, dass der Soulsänger D'Angelo im Alter von nur 51 Jahren an Krebs gestorben ist.
Besprochen werden ein Konzert von Sting in Zürich (TA), ein Konzert von DianaKrall in Frankfurt (FR) sowie KieranHebdens und WilliamTylers Album "41 Longfield Street Late 80s" (FR).
Großen Respekt hat Paul Ingendaay im FAZ-Kommentar vor EvaDemmelhuber, einer langjährigen BR-Mitarbeiterin aus München, die nicht hinnehmen wollte, dass der Bayerische Rundfunk sein 175.000 Einheiten umfassendes CD-Archiv beim Sperrmüll entsorgen wollte, und den Bestand kurzerhand übernommen hat, um sich auf die Suche nach einer übernahmewillige Institution zu begeben. Die Cloud ist eben nicht alles, meint Ingendaay: "Die Musik, die der Bayerische Rundfunk auf CD besitzt - ebenfalls ein zeitanfälliges Medium - , besteht ja nicht nur aus Daten. Das Trägermedium Scheibe ist von einer Plastikhülle umgeben, die oft ein Booklet enthält, das seinerseits genauere Angaben zu den Musikern und dem Aufnahmeort liefert sowie gegebenenfalls Texte, EssaysundFotos - wertvolles historisches Material, aus dem spätere Wesen einmal schließen könnten, wie wir Menschen so waren und was wir schön fanden. Zu schweigen von der CD als Konzeption, die im Unterschied zur Playlist als durchdachte Komposition von Musikern gelten darf. Auf den Müll damit?" Mehr zu der Geschichte im Münchner Merkur.
Außerdem: Angesichts der aktuellen Ereignisse in Nahost wurde die Abstimmung darüber, ob Israel beim nächsten ESC teilnehmen darf, nun abgesagt, melden die Agenturen. Besprochen werden ein WienerBruckner-Abend mit dem BR-Symphonieorchester unter SimonRattle (Standard), ein von MarkusPoschner dirigiertes Wiener Konzert des RSOWien mit Kompositionen von LiliBoulanger (Standard), ein Konzert der O'Bros, die mit christlichemRap die Charts gestürmt haben (taz), eine Netflix-Doku über Ex-Spice-GirlVictoriaBeckham (NZZ), MarcusS. Kleiners Buch "Keine Macht für Niemand" über Protest im deutschsprachigen Pop (Jungle World) und MartinKleins Album "A Musician's Life" (Standard). Wir hören rein:
Ueli Bernays porträtiert in der NZZ die russische Sängerin Monetotschka, die wegen ihrer Kritik am Ukrainekrieg 2022 vom Putin-Regime als "ausländischeAgentin" gebrandmarkt wurde und ins Exil nach Litauen auswandern musste. Von dort aus singt sie nun für die russische Diaspora. "Monetotschka sät Frieden unter ihren jungen Zuhörerinnen und Zuhörern. Aber wird die Saat jemals aufgehen? Werden ihre Fans dereinst in die Politik eingreifen und Russland Frieden und Demokratie zurückbringen können? 'Vielleichtinzwanzig, dreißigJahren', sagt sie ohne falsche Hoffnungen. ... Weil sie nicht nur in ihrer Heimat als Kriminelle ausgeschrieben sei, sondern auch in Staaten, die enge Beziehungen mit Russland unterhielten, könne sie heute beispielsweise in Kasachstan nicht mehr vor ihren Fans auftreten. Als Russin kann sie zwar auch in der Ukraine keine Konzerte geben, bei Auftritten in Westeuropa fänden sich im Publikum jedoch immer auch ukrainische Fans. Sie träume von einer Tournee, die von Kiew nach Moskau führe. Aber um den Traum realisieren zu können, 'müsste sich die Gesundheit eines bestimmten Mannes erheblich verschlechtert haben'."
Außerdem: Lennart Sämann porträtiert in der taz die Metal-Shouterin BrittaGörtz. Stefan Michalzik berichtet in der FR vom Urban Vibes Festival in Frankfurt. Besprochen werden AnNaR.s postumes Album "Mut zur Liebe" (Welt), ein Konzert der K-Pop-Band XLOV in Berlin (taz), The Divine Comedys Album "Rainy Sunday Afternoon" (FAZ), FrancescoPiemontesis Aufnahme von Brahms' zweitem Klavierkonzert (FAZ) und eine Aufnahme der Uraufführung von CharlesTournemires Oper "La légende de Tristan" (FAZ).
Julian Weber porträtiert in der taz den Musiker SatchHoyt, der für seinen Sound auf Instrumente aus ethnologischen Museen zurückgreift. Wenn er diese "entstummt, klingen afrikanische Fingerklaviere aus dem 19. Jahrhundert wie futuristische Beatmaschinen." Diese "Aufnahmen der historischen Fingerklaviere werden ergänzt um Percussion aus Hoyts eigenem Fundus. Dazu mischt er elektronische Klangfarben eines Roland-Synthesizers und die Stimme einer Frau, die der schwedische Missionar Karl-Edvard Laman bei einer Kolonialexpedition im Kongogebiet 1910 aufgenommen hat. Hoyt hat diese Aufnahme in einem Berliner Schallarchiv gefunden. Der unwiderstehliche Sog seiner Musik entsteht durch die ÜberblendungvonGeschichte, GegenwartundZukunft. ... Alles wird transparent gemacht und trotzdem bleiben Geheimnisse, die Geisterstimmen des Kolonialismus spuken weiter. ... Sein Konzept hat Satch Hoyt als 'Sonic Restitution' bezeichnet, als symbolische Rückgabe von Sound. 'Ich feiere damit die hybride Kreativität Schwarzer Diaspora.'"
Wir hören rein:
Außerdem: Nachdem bereits ein Auftritt von Robbie Williams in Istanbul nach propalästinensischenProtesten abgesagt wurde, werden nun auch Konzerte von PaulMorrissey in Istanbul und Ankara aus denselben Gründen abgesagt, meldet Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Ljubiša Tošić porträtiert im Standard den Musiker LukasLigeti. Elmar Krekeler porträtiert in der WamS den Pianisten HayatoSumino, der von den WamS-Lesern als bester Nachwuchskünstler ausgewählt wurde.
Besprochen werden ein Konzert von SophiaKennedy in Frankfurt (FR), ein Konzert von Igorrr und ImperialTriumphant (FR), ein Konzert von Meute in Frankfurt (FR), das Album "Something to Consume" von DieSpitz (FR), Nemos neues Album (NZZ) und eine Netflix-Dokuserie über Ex-Spice-GirlVictoriaBeckham (TA).
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