Aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus kommt heute Stefan Trinks in der FAZ. Nachdem er sich zunächst am katastrophalen Zustand des Pariser Louvre abarbeitet, der kaputtgespart und im Namen des Mona-Lisa-Trubels immer mehr vor die Hunde geht, stellt er rasch klar: um einige zentrale Berliner Museums-Aushängeschilder steht es kein bisschen besser. Vor allem das Museumsgelände Kulturforum ist einerseits chronisch unterbesucht, andererseits strukturell marode. Das gilt schon für Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett. "Schlimmer noch stellt sich die Lage im Kunstgewerbemuseum dar. Seit Jahren regnet es auch in dieses Haus; manchmal, wenn man schlecht träumt, ist es das Bild eines kostbaren Rokokomöbels, das als Sonderform aus Pappmaché besteht und neben dem in Auffangeimern lustig das Regenwasser plätschert. (...) Wenn das KGM seine aktuelle und noch bis zum 14. Juni zu sehende Ausstellung zum vierzigsten Jubiläum des Hauses 'Heimsuchung' getauft hat, entspricht das einer tieftraurigen Wahrheit."
Weiteres: Hans-Joachim Müller freut sich in der Welt darüber, dass ein im Amsterdamer Rijksmuseum ausgestellter "Zacharias", wie nun dank naturwissenschaftlicher Methodik festgestellt wurde, eben doch ein echter Rembrandt ist - und nicht, wie lange vermutet worden war, das Werk eines Unbekannten. Besprochen werden eine Mara Wohnhaas gewidmete Schau im GAK Bremen (taz), "Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts" im Wiener Gartenpalais Liechtenstein (Welt), die Ausstellung "Martin Parr. Global Warning" im Jeu de Paume, Paris (NZZ) und "Giulia Andreani. Sabotage" im Berliner Hamburger Bahnhof (monopol).
In der NZZgeht Philipp Meier noch näher auf Courbets Gemälde "Ursprung der Welt" ein. "Courbet war bestrebt, eine 'ganz und gar physische Sprache' zu sprechen, wie er in einem Brief formulierte. Dennoch vulgarisiert sein Skandalwerk nichts. Courbet gibt das Organ anatomisch nicht bis ins Detail wieder. Deswegen wirkt seine Darstellungsweise nicht pornografisch. Dafür gelingt es Courbet, mit seiner freimütigen Veranschaulichung unverblümter, profaner Leiblichkeit das weibliche Geschlechtsteil in seiner Doppelnatur zu erfassen: nicht nur als Organ der Sexualität, sondern auch als solches von Fortpflanzung und Geburt. Es verweist auf den Zusammenhang zwischen der Erotik und dem Zyklus von Leben und Tod."
Weiteres: 1960 wurde das Gemälde die "Die Vision des Zacharias im Tempel" Rembrandt aberkannt, nun ist es nach einer chemischen Analyse der Farben rehabilitiert worden und wieder im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen, meldet unter anderem Andreas Platthaus in der FAZ. Besprochen wird die Ausstellung Giulia AndreanisHamburger Bahnhof ("intellektuell herausfordernd, kämpferisch und feministisch", freut sich Nicola Kuhn im Tsp).
Edith Kramer, Selbstporträt, 1943. Bildrechte: Sebastian Gansrigler. Vom Vergessen, Verdrängen, Vergessen-Wollen und Nicht-Vergessen-Können erzählt die bemerkenswerte Ausstellung "Alles vergessen" im Jüdischen Museum Wien, das seit dem Überfall der Hamas auf Israel unter schwindenden Besucherzahlen leidet, wie Hannes Hintermeier in der FAZ konstatiert. Die Ausstellung lohnt jedenfalls einen Besuch, findet der Kritiker: "Von der Pathologie des Vergessens zeugen die an der Stirnwand hängenden Selbstporträts des amerikanischen Malers WilliamUtermohlen, die dieser nach einer Alzheimer-Diagnose im Jahr 1995 bis zu seinem Tod 2007 malte. Bilder, die im zunehmenden Verschwimmen der Konturen und der Entrückung des Blicks dokumentieren, wie ein Selbst sich abhandenkommt. (…) Andere, wie die Malerin Edith Kramer, wollten vielleicht, aber konnten aber nicht vergessen. Ihr 1943 im amerikanischen Exil gemaltes Selbstporträt zeigt sie mit einem Veilchen unter dem linken Auge. Die Deutung des Hämatoms ist umstritten, eine Lesart ist, Kramer sei durch die Emigration 1938 mit einem blauen Auge davongekommen."
Die Schöne und das Biest: "Repas bachique" von Niccolo Franipane, ca. 1580, Musée municipal de Soissons
Warum sich Schönheit und Hässlichkeit, Verrücktes und Norm bedingen, lernt Hans-Joachim Müller staunend in der Ausstellung "Bellezza e Bruttezza. Schönheit und Hässlichkeit in der Renaissance" im Museum Bozar in Brüssel. Neben Venus und Pomona sind Maler wie Jan Gossaert oder Sebastiano del Piombo auch von weniger attraktiven Fabelwesen fasziniert: "Pan, Faun, Satyr, Silen und wie die illustren Kerle alle hießen, sie kehrten zusammen mit der schönen Frau Venus aus dunkler Erinnerung ins Bewusstsein des Renaissance-Jahrhunderts zurück. Als ob es auf dem Plüschsofa des Dr. Freud geschehen wäre, erwachte eine lawinenartige Neugier am Unschönen, am Hässlichen, an der Groteske. Seither haben wir die Neugier im Museum, von dem wir ja anders als im Leben keine Hässlichkeitsschocks gewöhnt sind."
Weiteres: Andreas Platthaus trauert in der FAZ um den Karikaturisten Luis Murschetz, in der Zeitschreibt Robert Leicht einen Nachruf. Das Werk von Fabio Mauri lässt sich nun online erkunden, meldet Astrid Kaminski in der taz. Besprochen wird die Ausstellung "Frank Siewert: suchen, probieren, manchmal finden" in der Galerie ep.contemporary (taz).
Alles Farbe hier, staunt FAZ-Kritiker Georg Imdahl in der Rupprecht-Geiger-Retrospektive, die das Emil Schumacher Museum Hagen ausrichtet. Wer braucht da erklärende Texttafeln? "Für den Augenblick darf es auch mal gleichgültig sein, ob ein Bild nun 1976 oder 1992 gemalt wurde, zumal wenn man sich der viel zitierten Devise des Künstlers überlassen möchte: 'Rot macht high.' In der Hagener Geiger-Chapel kommt jedenfalls voll zur Geltung, was dieses Werk ausmacht: der Dauermodus einer unmittelbaren Gegenwärtigkeit von Farbe, ein euphorischer Geist, der in den fluoreszierenden Pigmenten aufleuchtet. ... Tatsächlich geht von den Bildern eine direkte, manchmal sogar schneidende Wirkung aus, ihnen eignet ein Tempo der Affektion, die sofort überkommt, aber auch dem andauernden Blick die nötige Differenz in den Oberflächen zu bieten hat."
Weitere Artikel: In der Weltblickt Boris Pofalla zurück auf 30 Jahre Hamburger Bahnhof, das Berliner Museum für Gegenwartskunst. Niklas Maak besucht für die FAS dort eine AusstellungGiulia Andreanis, gegen die er nicht viel einzuwenden hat, fragt sich aber, warum man zum Dreißigsten nicht lieber eine große Ausstellung junger Berliner Künstlerinnen organisiert hat: Maaks Andeutungen, es könne an den Sammlern liegen, die die Ausstellung Andreani fördern, bleiben vage.
Besprochen werden die Ausstellungen "Tracey Emin. A Second Life" in der Tate Modern (Welt), Max Liebermann im Potsdamer Museum Barberini (Tsp) und Fotografien von Susanne Wehr in der Berliner Galerie Mönch (Tsp).
Nach Stationen in Madrid und Mailand ist die schlicht "Leonora Carrington" betitelte Werkschau der britisch-mexikanischen Künstlerin nun im Pariser Musee du Luxembourg zu sehen - und FAZ-Kritikerin Bettina Wohlfarth kann nur hoffen, dass die Surrealistin nun endlich auch in Europa die verdiente Aufmerksamkeit bekommt: "Carringtons Gemälde sind kondensierte Erzählungen. So verwendet sie mehrmals das längliche Predella-Format für narrative Szenen. 'Drei Nornen' von 1998 lässt sich als Quintessenz von Carringtons lebenslänglicher Erforschung der Mythen, der Spiritualität und der Rolle des Femininen verstehen. Die drei mysteriösen Nornen ihres Gemäldes haben eine innere Reise angetreten, zu den Wurzeln des Seins, wo Tiere und die Natur keine zu besiegenden Gegner sind, sondern Elemente der Psyche, die in Symbiose integriert werden."
Leonora Carrington ist sicher keine Unbekannte mehr, aber von jenen Künstlern, die die Londoner Richard Saulton Galerie in der Ausstellung "Unveiled Desires II. Fetisch & The Erotic in Surrealism, 1880 - Today" zeigt, hat garantiert bisher kaum jemand gehört. Allen gemein ist, dass sie den Surrealismus aus feministischer oder queerer Perspektive deuten und den Körper als "politisches Terrain" verstehen, klärt uns Lena Appel bei monopol auf: "Der Dialog zwischen den Ölmalereien von Marion Adnams und Jane Graverol macht diese queerfeministische Verschiebung, die in dieser Zuspitzung neu ist, deutlich: ... In Graverols 'Le Sacre du Printemps' von 1960 sitzt ein Vogel ruhig auf einer entblößten Brust - kein Angriff, keine Ekstase, sondern eine irritierende Nähe, die den Körper nicht zum Opfer macht, sondern zum Ort einer stillen, selbstbestimmten Verwandlung."
Weitere Artikel: Max Liebermann ist das Zugpferd der dem Impressionismus in Deutschland gewidmeten Ausstellung "Avantgarde" im Potsdamer Museum Barberini, aber auch die wenigen Frauen der Berliner Secession sind zu sehen: Neben Sabine Lepsius, Dora Hitz und CharlotteBerend-Corinth und Maria Slavona, freut sich Lena Schneider im Tagesspiegel. Im FR-Interview mit Daniel Kothenschulte verteidigt sich Donatella Fioretti, Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie, für die Einladung der palästinensischen Künstlerin Basmaal-Sharif, die durch antisemitische Posts aufgefallen war (unsere Resümees): "Dialog bedeutet nicht Zustimmung, Dialog bedeutet nicht Relativierung." Im taz-Interview spricht die Künstlerin Karoline Schneider, die derzeit unter dem Titel "Grube:Zukunft" im Brandenburgischen Landesmuseum in Cottbus ausstellt, über sorbische Kultur. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "N+1. Mehr als ein Bild" in der Kunststiftung der DZ Bank in Frankfurt am Main (monopol).
Süchtig wird Zeit-Kritiker Sven Behrisch nach den "Sudokus in Farbe" des Schweizer Künstlers Richard Paul Lohse (1902-1988), die das Haus Konstruktiv in Zürich in einer Ausstellung zeigt. Lohse gehört zu den Schweizer "Konkreten", erinnert der Kritiker, die sich der Geometrie verschrieben. Wer in Lohses farbigen Quadraten aber das Werk eines "Farbfließenlegers" sieht, der irrt, meint Behrisch: "Eine unendliche Zuversicht in das Gelingen von Gemeinschaft geht von diesen Bildern aus, die niemals eintönig oder schematisch wirken. Dafür sind sie zu malerisch. Die sichtbare Geste des Pinselstrichs war Lohse ein Graus, aber es lebt die raue Oberfläche der Leinwand, die Übergänge zwischen den Farben schlingern und überlappen sich leicht, und manchmal tut sich auch ein haaresbreiter Spalt zwischen ihnen auf, eine feine Naht, die zeigt, wie fragil das Gewebe dieser bunten, kunstvoll geformten Gemeinschaft doch ist."
Der Kunsthistoriker Christophe Leribault, der momentan noch das Schloss Versaille leitet, wird der neue Direktor des Louvre, berichtet unter anderen die SZ. Die bisherige Chefin, Laurence des Cars, gab ihren Posten auf, nachdem klar geworden war, dass Versäumnisse ihrerseits den "Jahrhundertdiebstahl" im Oktober begünstigt hatten. Im Tagesspiegelerläutert Bernhard Schulz die Hintergründe.
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel staunt Nicola Kuhn, wie tolerant Museumsdirektoren in der Regel auf Aktionen wie die heimliche Aufhängung des Porträts vom Ex-Prinzen Andrew im Louvre reagieren. Hermann Parzinger, ehemals Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist zum Kurator des Hauptstadtkulturfonds ernannt worden, meldet ebenfalls der Tagesspiegel. Georg Imdahl resümiert auf den Geisteswissenschaften-Seiten der FAZ eine Berliner Tagung mit dem Titel "De-/Re-/Kontaminierungen im Kunstfeld nach 1945", bei der es unter anderem darum ging, Kunst- und Zeitgeschichte näher zusammenzubringen.
Weitere Artikel: Aktivisten haben im Louvre ein Foto der Verhaftung von Ex-Prinz Andrews aufgehängt, meldet unter anderem SpoN. Benjamin Moldenhauer besucht für das ND eine Ausstellung mit Kunst von David Lynch in der Berliner Galerie Pace und vergangene Ausstellungen im Prager Dox und im Horst-Janssen-Museum Oldenburg. Besprochen wird die Ausstellung "Status quo Moldova - Generation Zoomer" im Berliner Kunstverein Ost (taz).
Montien Boonma: Quiet Lotus. Bild: Queensland Art Gallery/Gallery of Modern Art. Bangkok befindet sich ziemlich im Aufbruch und nimmt in der Kunstwelt zusehends mehr Raum ein, stellt Werner Bloch für die NZZ im neuen Dib International Contemporary Art Museum fest. Gesponsert wurde es vom Bier-Milliardär Purat Osathanugrah, Chang genannt, und zeigt sowohl europäische als auch thailändische Kunst: "Der vielleicht größte Star des Museums aber ist ein Thailänder: MontienBoonma (1953-2000). Obwohl er sich lange in Europa aufhielt, ist sein Name wenig geläufig. Boonma studierte in den achtziger Jahren Bildhauerei in Paris, wurde von Beuys und Tadao Ando beeinflusst. Im Dib ist die Installation 'Quiet Lotus' zu sehen, eine Rundmauer aus Hunderten von Lehmobjekten, die den Glocken der thailändischen Klöster nachempfunden sind. Anders als gewöhnliche Glocken sind sie im Museum allein für das innere Ohr bestimmt. Boonma, der an Krebs erkrankte, geht es in seinem Werk um Heilung. Er umwickelt eiserne Lungen mit heimischen Pflanzen und Gewürzen. Oder er schaut in den Himmel, reproduziert Sternbilder aus Holz und stellt diese auf Stelzen, so dass man von unten in die astronomischen Konstellationen hineinblicken kann: Kunst wie aus einer anderen Welt."
Hannes Hintermeier besucht das Atelier des Medienkünstlers Peter Kogler für die FAZ. Kogler bezieht wie vielleicht kein zweiter den öffentlichen Raum in seine Arbeiten mit ein: "Koglers Kunst ist häufig eng verwoben mir der sie begleitenden Architektur, vor allem an Orten, die keine klassischen Ausstellungsorte sind. Die Formel des Künstlers lautet: 'Meine Bilder machen aus einer anonymen Situation einen Ort.' So wie etwa in Graz geglückt, wo Kogler für das Kulturhauptstadtjahr 2003 in der Bahnhofshalle eine 2300 Quadratmeter große Arbeit schuf, die auf dem Rotton der Österreichischen Bundesbahn biomorphe Strukturen wuchern lässt. Die Arbeit habe ihm Kopfzerbrechen bereitet, erinnert sich Kogler. 'Ich war mir nicht sicher, wie die 30.000 Menschen, die hier jeden Tag durchmüssen, damit umgehen. Was, wenn sie meine Arbeit hassen?' Zunächst nur für die Dauer des Kulturhauptstadtjahres geplant, wollten sich die Fahrgäste nicht von dem Riesenbild trennen, schließlich stimmte die Bevölkerung für dessen Erhalt."
Sue Williams, Ministry of Hate, 2013. Privatsammlung, New York Nicht nur mit Blick auf die Epstein-Files stockt Katharina Rustler im Standard der Atem, wenn sie im Wiener Belvedere 21 sieht, wie aktuell die in den Neunzigern geschaffenen Bilder der amerikanischen Malerin Sue Williams nach wie vor sind. Williams verarbeitet in ihren Bildern sexuelle Gewalt gegen Frauen, brutale Übergriffe von Männern und herrschende Machtstrukturen: "Immer wieder konfrontiert sie mit derart expliziten Szenen, in denen Frauen zum Opfer werden, sich aber auch verbal zur Wehr setzen. Ihre Titel setzt Williams wie geladene Waffen ein und macht auch vor dem patriarchalen System in der Kunstszene keinen Halt: The Art World can suck my proverbial dick. Übersetzt: 'Die Kunstwelt kann meinen sprichwörtlichen Schwanz lutschen'. (…) Ihre großformatigen Leinwände, die Williams zunehmend im All-over-Prinzip mit scheinbar ornamentalen Mustern aus Brüsten, Hoden oder gespreizten Beinen schuf, bildeten eine nachträgliche Antwort auf den männlich dominierten Abstrakten Expressionismus."
Iranische Kulturschaffende gehören zu den lautesten Stimmen im Bereich künstlerischer Politikkritik und doch werden sie seltener wahrgenommen als politische Künstler aus anderen Ländern, bemerkt Jana Talke auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ. Liegt es an einer allgemeinen Müdigkeit nach den Kriegen in der Ukraine und in Gaza, fragt sich Talke. Dabei mangelt es gerade den iranischen Künstlerinnen im Exil nicht an Radikalität und Mut, wie sie etwa mit Blick auf das Werk der Künstlerin Parastoo Ahovan feststellt, die kurz nach Beginn der Proteste im Iran einen digitalen Clip auf ihrer Instagram-Seite hochlud: "Sie zeigt eine weibliche Figur, deren Gesicht mit Stofffäden zugenäht ist. Sie spießt den Schädel des Ajatollahs mit einem Schwert auf. 'The Final Stab' heißt das Bild, das in der ikonographischen Tradition von Judith und Holofernes steht; das Schwert ist hinter dem Kopf des Ajatollahs platziert. In der Animation wird der Kopf allerdings durchbohrt, als wäre er eine Melone, und es kommt kein Tropfen Blut heraus - als wäre der Ajatollah kein menschliches Wesen. Ahovans Clip fordert nicht nur die Vernichtung, sie stellt sie als Gnadenstoß dar."
Der ukrainische Philosoph Vasyl Cherepanyn hat 2015 die Kiew Biennale gegründet, nun wird er die 14. Berlin Biennale kuratieren. Der deutschen Erinnerungskultur fehle eine ostwärts gerichtete Perspektive, sagt er im FAS-Gespräch mit Laura Helena Wurth. Nicht nur, um Ostdeutschland besser zu verstehen: "Seit der sogenannten Ostpolitik wird 'der Osten' häufig auf Moskau reduziert, als wäre das restliche, riesige Land drum herum eine Art Niemandsland. Ich denke, das sind die fehlenden Elemente. In gewisser Weise ist das ziemlich tragisch, denn wenn diese Elemente auf EU-Ebene nicht gefehlt hätten, hätten wir jetzt vielleicht keinen Krieg."
"Der Osten ist heute moderner als der Westen", sagt indes die in Polen geborene deutsche Künstlerin Alicja Kwade, die heute die NZZ gestaltet, im Interview mit Rico Bandle. Ihre Eltern, in den Achtzigern von Polen nach Deutschland gekommen, dächten heute erneut über Emigration nach: "Zum Teil ist diese Entwicklung erklärbar. In den Ostteilen Europas wurde ab den Neunzigern quasi alles neu gemacht. Dadurch ist alles viel moderner und funktionaler, die westlichen Strukturen wirken im Vergleich alt. Das gilt für Deutschland besonders, betrifft aber den ganzen alten Westen. Hier wirkt alles sehr überlastet, und man ist oft nicht in der Lage, etwas zu erneuern. Daher kommt das Gefühl eines gewissen Rückschritts auf." In einem weiteren Artikel porträtiert Philipp Meier die Künstlerin, die er als "Fliege unter den Kunstschaffenden" beschreibt.
Weitere Artikel: In der tazsammeln Sophie Jung und Beate Scheder Stimmen zum frühen Tod der Künstlerin Henrike Naumann. In der FAS erinnert sich Thomas Lindemann an seine Nachbarin Henrike Naumann. Eine parlamentarische Untersuchungskommission wirft der Leitung des Pariser Louvre "systematisches Versagen" nach dem Kronjuwelen-Diebstahl vor und legt den Rücktritt von Museumsdirektorin Laurence des Cars nahe, meldet die FR mit AFP. Für die Welt streift Silva Anna Barilla durch die neue Kunstmetropole Bologna. Ebenfalls in der Welt erzählt Boris Pofalla angesichts des dreißigjährigen Jubiläums die bewegte Geschichte des Hamburger Bahnhofs, dem es nach wie vor an den Mitteln fehlt, um international mitspielen zu können. Für die tazblickt sich Jens Uthoff im slowakischen Trencin, aktuell europäische Kulturhauptstadt, um und erlebt, wie tapfer sich die Künstler gegen Ministerpräsident Robert Fico und seine Kulturministerin Martina Šimkovičova stellen. Ursula Scheer blickt in der FAZ auf das Verhältnis zwischen Jeffrey Epstein und Leon Black. Während im spanischen Reina-Sofia-Museum palästinensische Flaggen kein Problem sind, wurden dort drei ältere israelische Touristinnen mit ihrer blau-weißen Nationalflagge von einem Sicherheitsmann rausgeworfen und von anderen Besuchern beschimpft, berichtet Hans-Christian Rösler in der FAZ.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Perspective" mit Gemälden von Norbert Tadeusz in der Berliner Galerie Brennecke (Tsp) und die Ausstellung "Nackt", mit der Marcus Deschler das 30-jährige Jubiläum seiner Galerie in Berlin feiert (Tsp).