Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2025 - Kunst

Dass Friedrich Merz sich bei einer privaten Stiftung ein Gemälde für sein Büro geliehen hat, findet Nicola Kuhn im Tagesspiegel reichlich befremdlich: "Zur fragwürdigen Angelegenheit wird des Kanzlers Bilderwahl, wenn man erfährt, dass der Leihvertrag mit der in Bonn ansässigen privaten Stiftung für Kunst und Kultur geschlossen wurde, deren Vorsitzender der Impresario Walter Smerling ist. Sie unterhält das Museum Küppersmühle in Duisburg, dessen Präsentationen vornehmlich auf Leihgaben privater Sammler zurückgehen." Smerling hat erst vor wenigen Wochen die Unterstützung des Kulturstaatsministers Weimer für eine Schau zur 250-Jahr-Feier der US-Unabhängigkeit gesucht: "Die Politik der kurzen Wege, von einer Etage des Kanzleramts zur anderen, hat hier demnach nicht verfangen. Aus Mangel an finanzieller Unterstützung muss Smerling nun seine Jubiläumsschau auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wie er auf Nachfrage mitteilt." 

Birgit Rieger interviewt Marion Ackermann, die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ebenfalls für den Tagesspiegel, zum Thema Sicherheit in den Berliner Museen. Ideal ist die Situation wie im kürzlich beraubten Louvre auch hier nicht: "Man darf nie behaupten, es kann nichts passieren. Sicherheit ist ein Prozess. Man muss permanent daran arbeiten. Auch die Methoden der Verbrecher werden immer ausgefeilter. Die Frage ist, wie viel der Gesellschaft die Sicherheit der Museen wert ist? Allein eine Vitrine der höchsten Widerstandsklasse kostet enorm viel Geld."

Weiteres: Ulf Erdmann Ziegler macht sich für Monopol Gedanken über die Paris Photo. Frauke Steffens berichtet in der FAZ von der Wiedereröffnung des Breuer Buildings in Manhattan, einst Museum, jetzt Auktionshaus. Wie Gerüche den Besuch eines Kunstmuseums verändern, eruiert Uwe Ebbinghaus ebenfalls für die FAZ im Kunstpalast Düsseldorf und in der Ausstellung "Die geheime Macht der Düfte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2025 - Kunst

Dass das Thema KI auf der Paris Photo im Grand Palais weitgehend ignoriert wird, erstaunt Marcus Woeller (Welt) zwar. Und auch gewagte Positionen sucht er vergeblich - dennoch überzeugt ihn die Messe etwa durch die Retrospektive mit Arbeiten von Sophie Ristelhueber, deren Arbeiten einmal mehr zeigen, wie wichtig es ist, "Fotografie als Dokumentar und künstlerischer Verstärker der Wirklichkeit zu verteidigen". Die Pariser Galerie Jérôme Poggi hat "über sechzig Fotografien von Sophie Ristelhueber zu einer monumentalen Bildfläche gefügt. Man sieht vom Krieg gezeichnete Menschen, verwundete Landschaften, geheimnisvolle Stillleben. Vier Wochen lang war Ristelhueber im Herbst 1991 mit Flugzeug und Hubschrauber über die Wüste Kuwaits geflogen, um die Spuren des Krieges zu fotografieren, der ein halbes Jahr zuvor dort getobt hatte. Manche dieser Spuren stehen in der Landschaft wie abstrakte Skulpturen. Auf den Aufnahmen ist kaum auszumachen, ob man Trümmer oder architektonische Reste sieht."

Lygia Clark: Superficie Modulada no. 7 (Modulierte Oberfläche Nr. 7), 1956, Colecao Marcos Ribeiro Simon. © Associacao. Cultural O Mundo de Lygia Clark

Nach ihrer Station in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (unser Resümee) ist die große Lygia-Clark-Retrospektive nun im Zürcher Kunsthaus zu sehen - und NZZ-Kritiker Philipp Meier interessiert sich vor allem für Clarks malerisches Frühwerk, das sich noch ganz an der Konkreten Kunst orientierte: "Als demokratisch wurde von der brasilianischen Avantgarde verstanden, was zum Aufbau einer guten Gesellschaft mit unabhängig und frei denkenden Bürgern beiträgt. Dazu passte das konkrete Schaffen eines Max Bill. Der Schweizer stieß mit seinen klar nachvollziehbaren und gleichwertigen Modulen in Brasilien auf fruchtbaren Boden. Lygia Clarks Gemälde stellen indes eine weit geschmeidigere, sozusagen organische Variante der konkreten Kunst dar. Ihre Farbpalette ist verspielter und kostet die Zwischentöne zwischen den streng definierten Grundfarben aus. … Clark schuf nicht nur vibrierende, im Licht geradezu tanzende Variationen konkreter Malerei, sondern erweiterte auch bald schon das Bild in den Raum."

Besprochen werden die Ausstellung "Great Transformation" mit Werken von Lena Schramm in der Frankfurter Galerie Hanna Bekker vom Rath (taz), die Ausstellung "Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst" im Museum Barberini in Potsdam (SZ, mehr hier) und die Raoul Hausmann-Ausstellung "Vision. Provokation. Dada." in der Berlinischen Galerie (FAZ, mehr hier)
Stichwörter: Paris Photo, Clark, Lygia

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2025 - Kunst

Ausstellungsansicht, Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung - Norbert Miguletz

"Tiere sind auch nur Menschen" ist die aktuelle Ausstellung im Frankfurter Liebighaus mit lebensechten Tierskulpturen von August Gaul benannt - und der Titel ist hier Programm, stellt Sylvia Staude in der FR fest - entwarf der Bildhauer seine Werke doch mit so viel Hingabe, als gestalte er Menschen: "Gleich zu Anfang setzen Kurator Vinzenz Brinkmann und Projektleiter Jakob Salzmann ein Zeichen: Die Porträtbüste des Orang-Utans 'Jumbo' ließen sie direkt neben einer Büste Marc Aurels aufstellen, als wäre der Primat ebenfalls ein römischer Denker gewesen. Und alles, was August Gauls Kunst auszeichnet, ist hier schon zu sehen, die Liebe zum Detail, unter anderem in jedem zotteligen Fellstrang, besonders aber der Ausdruck der tiefliegenden Augen, der durchaus grüblerisch, vielleicht auch melancholisch gedeutet werden kann."

In der taz rät Katharina Granzin zum Ausflug in den Kunstverein Schwerin, wo derzeit unter dem Titel "8 erweiterte portraits" Fotografien der Österreicherin Cora Pongracz im Dialog mit anderen Fotografinnen ausgestellt werden. Pongracz, die zum Kreis des Wiener Aktionismus gehörte, nahm sich in der Porträtserie als Autorin völlig zurück: "Pro porträtierter Person sollten es genau sieben Fotos sein, davon zwei, auf denen die Frauen sich in selbstgewählter Pose fotografieren ließen, und weitere fünf mit frei assoziierten Motiven, denen sich die Abgebildeten persönlich verbunden fühlten. Die Porträtierten wurden zu Gestalterinnen des eigenen Bildes. Auf der formalen Ebene wird aber auch deutlich, dass die Fotografin ihrerseits lustvoll mit den stilistischen Möglichkeiten fotografischer Gestaltung spielte. Zwischen spontaner Schnappschussästhetik und hochgradig stilisierter Künstlichkeit ist alles dabei. Etliche der porträtierten Frauen präsentierten sich vor Pongracz' Kamera nackt oder halbnackt, schließlich glaubte frau sich in den siebziger Jahren endlich sexuell befreit."
Stichwörter: Gaul, August, Pongracz, Cora

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.11.2025 - Kunst

Was war nicht alles in die Wege geleitet worden, nachdem die SZ einen Datenbank-Auszug mit 200 als Raubkunst klassifizierten Werken der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen geleakt - und den Staatsgemäldesammlungen hinsichtlich der Restitution Verschleierung vorgeworfen hatte (unsere Resümees). Generaldirektor Bernhard Maaz musste gehen, unter anderem wurde Meike Hopp, Leiterin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, mit einer Untersuchung beauftragt. Nun liegt der knapp achtseitige Bericht mit Verspätung vor - und Hopp kann die Vorwürfe nicht bestätigen, wie Jörg Häntzschel in der SZ einräumen muss: "Ihr Urteil: 'solide Recherchepraxis', 'methodische Tiefe'. Den von der SZ erhobenen Vorwürfen einer 'irreführenden oder verschleiernden Praxis' folgte sie nicht.'" Allerdings fand Hopp "das Vorgehen der bayerischen Provenienzforscher sei 'organisatorisch unzureichend strukturiert'", so Häntzschel, der über seine anklagenden Berichte kein Wort verliert.

Auch Bayerns Kunstminister Markus Blume erklärte erleichtert, "'Pauschale Pressevorwürfe' hätten sich 'nicht bestätigt', es habe 'kein grundsätzliches Versagen' gegeben", schreibt in der FAZ Hannes Hintermeier, der sich aber doch fragt, "was die vielen externen Experten und Kommissionen kosten? Und warum, wenn doch alles gar nicht so schlimm war, der Generaldirektor - dessen Name in der zweistündigen Sitzung kein einziges Mal erwähnt wurde - bei gleichen Bezügen ans Zentralinstitut für Kunstgeschichte versetzt wurde?"

München sollte sich schämen, ärgert sich Andreas Platthaus in der FAZ, denn der Nachlass von Loriot, der bisher in dessen Villa am Starnberger See aufbewahrt wurde, geht nun nach Frankfurt. Eine in München geplante "Pinakothek der Komik" kam nie zustande, und so nahm das Caricatura-Museum für Komische Kunst das Geschenk der Erben gerne an. Aber, so Platthaus, "es wird ein neues Domizil für Loriot brauchen … Zentrumsnahe soll es liegen, denn das Museum hat seinen Platz direkt neben dem Dom, und selbstverständlich will man die Anziehungskraft des Namens Loriot auch fürs Stammhaus nutzen, dessen Sammlungsschwerpunkt bislang auf den Arbeiten der Neuen Frankfurter Schule liegt, also dem Zeichnerkreis um die hier gegründeten Satirezeitschriften Pardon und Titanic: F. K. Waechter, F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler, Bernd Pfarr, Greser & Lenz und noch manche mehr. (…) Darin liegt auch ein potentielles Konfliktfeld, denn Loriots Popularität übersteigt die seiner Kollegen bei Weitem."

Weitere Artikel: Im großen Zeit-Interview mit Tobias Timm spricht Maurizio Cattelan, der den Preis der Nationalgalerie 2026 erhalten hat, über die dort geplante Ausstellung, Kunst als Therapie - und sein Werk "Comedian": "Da arbeite ich mein ganzes Leben und werde wegen einer beschissenen Banane in Erinnerung bleiben." In Berlin ist fast jedes dritte geförderte Atelier gefährdet, weiß Beate Scheder in der taz: "Für die Jahre 2024 und 2025 wurden die Mittel für die Atelierförderung drastisch gekürzt: Die Gelder für den Ausbau von Arbeitsräumen sanken um fast 85 Prozent von 21,35 Millionen auf 3,225 Millionen Euro."

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Tiere sind auch nur Menschen. Skulpturen von August Gaul" im Liebieghaus, Frankfurt (FAZ) und die Ausstellung "Joseph Beuys. Bewohnte Mythen" in der Tübinger Kunsthalle (Welt, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2025 - Kunst

Lutz Bacher, Yamaha, 2010. Exhibition view, Lutz Bacher: Burning the Days. © Astrup Fearnley Museet, 2025. Photo: Christian Øen

Die vor sechs Jahren verstorbene Künstlerin Lutz Bacher gilt als "berühmteste Unbekannte der Gegenwartskunst" und beeinflusste viele andere Künstler, weiß Boris Pofalla (Welt) und freut sich, dass das Astrup Fearnley Museum in Oslo ihr die längst überfällige Retrospektive "Burning the Days" ausrichtet. Geheimnisvoll bleibt die Amerikanerin dennoch, denn die "erschöpfende Selbstauskunft", die Kunst heute meist prägt, verweigert sie konsequent, so Pofalla, aber: "Das Tolle ist: man muss fast nichts über Lutz Bacher wissen, um ihre Kunst zu rezipieren. Die Werke sind enigmatisch, aber von einer dichten und zugleich offenen Psychologie. In einem kleineren Saal stehen Figuren in Gestalt von Bisons, die Bacher ebenfalls appropriiert hat ('Bison', 2012). Es ist nicht bekannt, zu welchem Zweck sie dienten. Auf einem Gerüst aus Holzlatten und Hühnerdraht wurden ihre Köpfe und Schultern mit Pappmachée geformt und dann bemalt. ... Gerade weil der Zweck nicht genau bekannt ist, begreift man sie als Zeugnisse einer bestimmten Zeit und Kultur."

200 teils nie gezeigte Werke des Wiener Dadaisten Raoul Hausmann sind derzeit in der Berlinischen Galerie zu sehen, und in der FR ist Ingeborg Ruthe glücklich, denn die Schau ist nicht nur die bisher umfassendste Hausmann-Ausstellung, sondern auch noch brillant kuratiert, lernt sie den Provokateur hier doch auch als Suchenden kennen: "Er kreierte mit seinen Plakatversen die ersten Readymades der Literatur, trat als exzentrischer Tänzer und mit scharfzüngigen Lautgedichten auf. Dann baute er krude 'synästhetische' Apparaturen, verfasste experimentelle Schriften, ergründete in Aktionen das Verhältnis von Körper, Klang und Raum. Es kündigte sich bereits an, was der ab 1933 für die Nazis 'Entartete' als Experimentator dann im französischen Exil nach der Flucht zu einer ganz eigenen Kunstform des Beiläufigen entwickelte: Mittels Fotoapparat verband er das Sehen ohne die damals übliche formale Konstruktion mit dem Haptischen: subtil, geradezu zärtlich."

"Beuys pur" gibt es derzeit in der Kunsthalle Tübingen zu sehen, und dabei fokussiert die Ausstellung "Bewohnte Mythen" vor allem auf das zeichnerische - "sagenhafte" - Frühwerk, das der spätere Aktionskünstler als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg schuf, freut sich Katinka Fischer in der FAZ: "Die Exponate mit dem höchsten Wiedererkennungswert stammen aus der Legion seiner Tierdarstellungen: Hasen, Hirsche, Bienen und Elche, auch so manches Mischwesen. Zauberinnen, Hexen, Feen oder Nornen geben Mythen und Märchen Gestalt. Pflanzen spielen ebenfalls eine Rolle: Mit wenigen violetten Aquarellpinselstrichen kommen im Jahr 1953 'Blumen' zu bemerkenswert sinnlicher Kraft. Ein wie der heilige Sebastian mit Pfeilen durchbohrter 'Kranker Baum' indes lässt schon 1955 den politischen Aktivisten erahnen, als der Beuys in den Achtzigerjahren, nachdem er das Zeichnen so gut wie eingestellt hat, bekannt wird."

Weitere Artikel: Die aus 100 Kilo Gold gegossene Toilette, die Maurizio Cattelan 2016 anfertigen ließ und "America" betitelte, wird kommende Woche bei Sotheby's in New York versteigert, meldet Jörg Häntzschel in der SZ. Besprochen wird außerdem die schlicht "Kunstausstellung" betitelte Retrospektive mit Werken von Hans-Peter Feldmann im Düsseldorfer Museum Kunstpalast (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2025 - Kunst

Alice Neel "Pregnant Julie and Algis", 1967. Foto: Kerry McFate, courtesy The Estate of Alice Neel, Xavier Hufkens, Victoria Miro und David Zwirner

Ganz schön hart, die Bilder der New Yorker Künstlerin Alice Neel, findet Monopol-Kritikerin Lisa-Marie Berndt, während sie in der Pinacoteca Agnelli durch die Neel-Retrospektive "I Am the Century" streift. Neel beschönigt nichts, ganz besonders nicht das Mutterwerden: In "'Pregnant Julie and Algis' (1967) liegt die Protagonistin nackt auf einem rot gemusterten Teppich, die Haut gespannt, die Haltung zugleich verletzlich und trotzig. Hinter ihr - fast zu übersehen - lehnt Algis, vollständig bekleidet, die Beine ausgestreckt, das Gesicht halb im Schatten. Er ist da, aber nebensächlich, wie eine Randfigur in ihrer Geschichte. Der Blick gehört ihr, die Energie auch. Neel malt den Mann als Staffage. Die eigentliche Autorität liegt im Körper der Frau, in der Ruhe und dem Gewicht ihrer Präsenz. Ein Jahr später dreht sich das Verhältnis. In 'The Family (Algis, Julie and Bailey)' von 1968 ist er plötzlich Zentrum der Komposition - frontal, breit, das Baby im Arm, gehalten von massiven Händen. Julie steht nun am Rand, in dunklem Kleid, die Hände schlaff, der Blick gesenkt. Eigentlich wirkt sie selbst wie ein unterwürfiges Kind. Die Machtordnung hat sich verschoben".

Weiteres: Frida Kahlo könnte bald zur teuersten Künstlerin werden, berichtet Philipp Meier in der NZZ. Besprochen werden die Ausstellung "Queere Moderne" in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (FAZ) und eine "Jacques-Louis David"-Ausstellung im Musée du Louvre in Paris (Welt).
Stichwörter: Neel, Alice

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2025 - Kunst

In einem Kurzinterview mit der NZZ erklärt der französische Karikaturist Jean Plantureux, warum er Nicolas Sarkozy, den er immer wieder angeprangert hat, nach dessen Verurteilung verteidigt: "Ich habe seit seinem Abschied aus dem Élysée 2012 so ziemlich alle Artikel über die Vorwürfe gegen ihn gelesen. Und ich bin bis heute nicht überzeugt davon, dass er tatsächlich Geld vom libyschen Diktator Ghadhafi angenommen hat. Wenn ich davon überzeugt gewesen wäre - glauben Sie mir -, ich hätte meine Sarkozy-Zeichnungen mit dem Kärcher angefertigt."

Weitere Artikel: Nicola Kuhn besucht für den Tagesspiegel Barani Shira Guttsman, deren Ururgroßvater Kunstsammler war und von den Nazis enteignet wurde: Guttsman hat sich auf die Suche nach seinen Gemälden gemacht. Lisa-Marie Berndt stellt bei Monopol Nieves González vor, die Künstlerin, die das neue Albumcover von Lily Allen gestaltet hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2025 - Kunst

Lovis Corinth, Kuhstall, 1922. Stedelijk Museum Amsterdam. Foto: Wikipedia


Lovis Corinth war vielleicht nicht der größte aller Maler und auch nicht der modernste, aber FAZ-Kritiker Hannes Hintermeier hat im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg dennoch mit Interesse verfolgt, wie Corinth seine Malerei entwickelte: Erst Zeichnung, dann Ölskizze, dann Gemälde, "häufig schiebt Corinth Jahre später noch eine Radierung hinterher. Dieses Denken in Konstellationen, der Rekurs auf wiederkehrende Motive, prägt sein Werk. Da ist zunächst das einfache, bäuerliche Leben, wie er es in der Jugend erlebt hat, Stadtansichten, Genreszenen des täglichen Landlebens. Und doch haben die gezeichneten Kühe aus dem Skizzenbuch von 1879 mit dem Ölbild 'Kuhstall' von 1922 nur noch das Motiv gemein, das Gebälk des Stalls ist noch einigermaßen gegenständlich, das Fleckvieh löst sich auf in kräftige schwarze, weiße und gelbe Pinselstriche. Corinth auf dem Weg in die Abstraktion? 'Die Farbflecken wirken abstrakt, sollen es aber nicht sein', ist [Sammlungsleiterin Mona] Stocker überzeugt. Frisch restauriert, präsentiert 'Geschlachteter Ochse' (1905) die Frontalansicht eines zum Ausbluten aufgehängten Rinderrumpfes, den Betrachter direkt angehend."

Weiteres: Im Tagesspiegel berichtet Julia Stellmann von der Art Cologne. In der FAS gratuliert Laura Helena Wurth Maurizio Cattelan zum Preis der Nationalgalerie, ist aber unzufrieden mit den Statuten für die Preisvergabe, die wenig bekannte junge Künstler ausschließen. Jens Malling wirft für "Bilder und Zeiten" (FAZ) einen Blick in das Abkhazian Virtual Archives, das Anna Dziapshipa wiederaufgebaut hat, nachdem es von georgischen Soldaten 1992 niedergebrannt worden war.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2025 - Kunst

Peter Richter (SZ) schwant nichts Gutes für die nächste Documenta: Naomi Beckwith, künstlerische Leiterin der kommenden Documenta, kuratiert im Pariser Palais de Tokyo derzeit die Ausstellung "Echo Delay Reverb", die sich mit dem Einfluss der "French Theory" von Foucault bis Derrida auf amerikanische Kunst befasst. In diesem Kontext war auch das Werk "Replacement" des amerikanischen Künstlers Cameron Rowland zu sehen, der die 2023 neu eingeführte Fahne von Martinique anstelle der französischen vor dem Gebäude hisste. Weil dies gegen das Gebot der Neutralität an öffentlichen Gebäuden in Frankreich verstoßen könnte, ließ Beckwith die Fahne entfernen, was Richter an den berühmten Marketingtrick jenes Berliner Galeristen erinnert, "der in den Sechzigern gleich selbst die Polizei alarmierte, dass in seinen Räumen womöglich Sittenwidriges gezeigt werde - und rechtzeitig zur Beschlagnahmung dann auch der Presse einen Tipp gab." Auch der Rest der Ausstellung kann ihn nicht überzeugen: "So vieles drängt hier mit aktivierendem Impetus von der Wurzel (dem Übel) stramm zur Krone (der Abschaffung des Übels) und ist damit das Gegenteil dessen, was Deleuze und Guattari mal als hierarchiefreies Wuchern des Rhizoms idealisiert hatten. Das eigentlich Eindrucksvolle ist am Ende eher, wie sehr sich die Kunst auf dem Weg ins Aktivistische von French Theory und Postmoderne wieder entfernt hat." Vor zwei Wochen hatte Ulrike Knöfel die Ausstellung für den Spiegel begutachtet.

Félix Vallotton: Cinq heures, 1898. Tempera auf Karton, 35,6×58,2 cm. Collection particulière Foto: Peter Schälchli, Zürich

Uta Appel Tallone besucht für die NZZ die große, zum hundertsten Todestag des schweizer-französischen Malers stattfindende Felix-Vallotton-Retrospektive im Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne und freut sich über die "messerscharfe Ironie", mit der Vallotton in seinen Interieurszenen die "heuchlerische" Bourgeosie vorführte. Weniger anfangen kann sie freilich mit der von der Kunstgeschichte gern übersehenen Abfälligkeit, mit der Vallotton Frauen behandelte: "Seine stilisierten Bilder weiblicher Blöße, in welchen er die Neue Sachlichkeit vorwegzunehmen schien, wirken oft auffällig unsinnlich. Allen voran das Gemälde, in dem der Maler auf ein Hinterteil mit Cellulite im Frühstadium zoomt ('Étude de fesses', 1884), als wäre es eine Landschaft. Man spürt in diesen Werken seine Distanz zu den Frauen. Ihre Emanzipation beobachtete er mit Skepsis und fürchtete, wie seinen Schriften zu entnehmen ist, ihre Vorherrschaft."

Shilpa Gupta: There is No Border Here. © Shilpa Gupta

Was die indische Künstlerin Shilpa Gupta "thematisiert, bewegt die ganze Welt", konstatiert ein beeindruckter Jens Hinrichsen im Tagesspiegel nach dem Besuch der Ausstellung "We last met in the mirror" in der Lübecker Kunsthalle St. Annen: "Ihr dringlichstes Thema ist die durch den Staat ausgeübte Macht - ebenso der Widerstand dagegen. Für den lauten Protest wie das Verstummen durch die Staatsgewalt hat Shilpa Gupta starke Darstellungsformen gefunden. In einem Holzregal stehen Glasflaschen, deren Labels Verse aus zensierten Gedichten unterschiedlicher Zeiten zitieren. In einer Performance hatte die Künstlerin die Gedichte in die Flaschen hineingesprochen und diese verschlossen. So bewahrt jede Flasche eine Stimme, die zum Schweigen gebracht werden sollte."

Weitere Artikel: Der Preis der Berliner Nationalgalerie 2026 geht an den italienischen Künstler Maurizio Cattelan, meldet die FR. Besprochen werden außerdem die Jacques-Louis-David-Ausstellung im Pariser Louvre (Welt) und die Robert-Grosvenor-Ausstellung im Museum Fridericianum in Kassel (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.11.2025 - Kunst

Hélène de Beauvoir, Die Todbringenden [Les mortifères], 1977, Privatsammlung © Ute Achhammer, APP, Foto: Christian Kempf

Mit weit über hundert Werken hat es sich die Ausstellung "Mit anderen Augen sehen" in den Rüsselsheimer Opelvillen zum Ziel gesetzt, Hélène de Beauvoir aus dem Schatten ihrer älteren Schwester Simone zu holen - und das gelingt, findet Sylvia Staude, die in der FR auch feststellt, dass Hélène ebenso politisch und feministisch wie Simone war: Sie "malte Figuren in Richterroben, die nackte Frauen kujonieren ('Frauen leiden. Männer urteilen über sie', 1977), malte in hohem Alter einen Bosnien-Zyklus: Flüchtende mit Bündeln, aufmarschierende Soldaten, eine weinende Nackte. Aber auch zu den Studentenprotesten in Paris, 1968, entstand ein Zyklus, darauf schwarze Helme, gespenstische Gasmasken hinter einer Wand aus Schilden, Knüppel, die auf Knieende niedersausen. Wenn man als Malerin 'klare Worte' sprechen kann, dann tat sie das, immer wieder."

Hili Perlson schaut sich in der taz in der Kunstszene von Kasachstan und Usbekistan um, wo derzeit allerhand in Bewegung ist. Kasachstan verdankt zahlreiche neue Kulturinstitutionen privaten Geldgebern, in Usbekistan setzt sich Präsident Shavkat Mirziyoyev höchstselbst für die kulturelle Transformation ein, etwa in dem die staatlichen Stiftung für Kunst- und Kultur (ACDF) ein gigantisches Staatliches Museum plant oder Biennalen ausrichtet. Da möchte Perlson schon wissen, woher das plötzliche Interesse an Kunst kommt. Soll die miserable Lage der Menschenrechte verdeckt werden? Das könnte klappen, immerhin ist "die Kunstwelt in dieser Frage nicht gerade für ihre Integrität bekannt ist, ohne Bedenken zieht jetzt die Kunstmesse Art Basel auch nach Katar. Laut einem jüngeren Bericht der NGO Freedom House wird Usbekistan als 'unfrei' eingestuft. Unter Präsident Shavkat Mirziyoyev sind Oppositionsparteien oder freie Versammlungen nicht geduldet, staatlich kontrollierte Medien, Justiz und Legislative fungieren weitgehend als Instrumente der Exekutive. Es herrscht keine Meinungsfreiheit, Folter in der Haft ist üblich."

Weitere Artikel: Nachdem die Bührle-Stiftung die rechtlichen Grundlagen geschaffen hat, um ihre Kunstsammlung aus der Stadt Zürich abziehen zu können (unsere Resümees), macht sie sich nun in einem öffentlichen Dokument doch Luft, meldet Marius Huber auf Seite 1 der NZZ: "Die Sammlung sei mit der pauschalen Behauptung diskreditiert worden, sie sei 'letztlich das Ergebnis des Holocaust'. Und: 'Die negativen finanziellen, personellen und reputationsmäßigen Auswirkungen auf die Stiftung (...) waren enorm.'" Im Tagesspiegel fragt sich Birgit Rieger, was die Erhöhung von zwei Euro bei den Eintrittspreisen der Berliner Museen genau bringen sollen. Ebenfalls im Tagesspiegel stellt Birgit Rieger den Ukrainer Vasyl Cherepanyn vor, der die nächste Berlin Biennale kuratieren wird. Georg Imdahl porträtiert für die FAZ die Berliner Künstlerin Taslima Ahmed, die digitale Gemälde schafft.

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Klangwelten" auf der Art Basel, die Einblick in die Kunstsammlung der Landesbank Baden-Württemberg gibt (Welt) und die Ausstellung der Scharf Collection in der Alten Nationalgalerie in Berlin (Tsp, mehr hier).