Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2026 - Kunst

Stefan Trinks hat in der FAZ kein Problem damit, dass die EU die Födergelder von 2 Millionen Euro für die Biennale von Venedig wegen der Teilnahme von Russland aussetzen will: "Die an die Fortsetzung der Förderung geknüpften Forderungen nach Einhaltung 'demokratischer Werte, von Vielfalt und Meinungsfreiheit' sind für Putin so uneinlösbar wie seine Friedensbedingungen gegenüber der Ukraine. Es ist eine perverse Verkehrung von Angriffskriegern und Angegriffenen, wenn Buttafuoco salbadert, 'alle Länder, die sich derzeit im Krieg befinden', sollten auf der Biennale vertreten sein."

tazlerin Regine Müller lässt sich von dem Bildhauer Tony Cragg durch seinen Skulpturenpark in Wuppertal führen: Dort ist mit "Emotion in Motion" eine Rückschau auf das Werk der 2024 gestorbenen Rebecca Horn zu sehen. Gezeigt werden nur 14 Arbeiten in gläsernen Pavillons, durch die man in die Natur sehen kann. "'Das ist etwas ganz anderes als in einem White Cube', gibt Cragg zu bedenken. Die obere, elliptisch geformte Glashalle, die vorbei an Horns Objekten einen Blick ins Tal gestattet, ist dominiert von der Arbeit 'Turm der Namenlosen' von 1994, einst errichtet in einem Wiener Treppenhaus als Reaktion auf den Jugoslawien-Krieg. Historische Obstleitern türmen sich zu einer steilen Installation. Darauf sind Geigen verteilen. Deren Bögen sind elektronisch gesteuert und spielen über eine Mechanik fragmentarische Tonfolgen an, heiser, kratzend, wie eine traurige, verlangsamte Erinnerung an fröhliche Tänze. Horn verwies damit auf die Geflüchteten, die in Wien damals als Straßenmusiker ums Überleben kämpften."

Weitere Artikel: In "Bilder und Zeiten" (FAZ) staunt Selma Schiller über die deutsche Kunst und vor allem die Beckmann-Sammlung im Saint Louis Art Museum. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht der kolumbianische Künstler Oscar Murillo, der derzeit im Potsdamer Minsk ausstellt, über seinen "Dialogpartner" Claude Monet. Martina Meister besucht für die Welt den französischen Banksy, den Street-Artist JR, in seinem Pariser Atelier.

Besprochen werden die Ausstellung "Großartig | Kurios | International. Goethe und der französische Bildhauer Pierre Jean David d'Angers" im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt (FR) und Hannes Möllers gemalte Bücher in der Landesbibliothek Oldenburg (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.03.2026 - Kunst

Yayoi Kusama. Foto: Tom Haar

Die inzwischen 96-jährige japanische Pop-Künstlerin Yayoi Kusama ist weit mehr als ihre Polka Dots, Mirror Rooms und weitere "zu Tode instagrammierte Motive", erkennt Stefan Trinks (FAZ) in der fulminanten, dreihundert Werke umfassenden Schau, die sich das Museum Ludwig in Köln zu seinem fünfzigjährigen Bestehen schenkt. Romane und Gedichte sind hier ebenso zu entdecken wie Ölbilder oder Performances im mit "weichen Penissen behängten Outfit". Aber: "Kusamas wundersamstes Bild in Köln aber bleibt 'Repetitive Vision of Floral Pistil': Mit seinen Tausenden sorgsam gemalter Punkte in Ranken und Blütenformen changiert es permanent zwischen Blumen im Freien, Amöben im Mikrobereich und Zellen, die im Körperinnern herumschwimmen. Auch diese punktierten Blüten kommen ohne halluzinogene Hilfsmittel auf den Betrachter zu und verkriechen sich dann wieder in den Hintergrund."

Im Standard hält es Stefan Weiss mit Blick auf Russlands Teilnahme an der Biennale in Venedig (unsere Resümees) für angebracht, "Ausschlusstendenzen in der Kultur nicht zur Regel werden zu lassen". Zudem sage es "etwas über den Zustand Russlands und jene, die am Projekt mitwirken, aus. Dass u.a. die Band Pussy Riot umgehend Protest vor Ort ankündigte, zeigt vielleicht, dass Konfrontation der ehrlichere Zugang wäre als Ausschluss. Andere Kriegsparteien - Israel, Palästinenser, Belarus, Iran sowie natürlich die USA, die binnen weniger Monate mehrere völkerrechtswidrige Militärschläge führten - dürfen zudem selbstverständlich teilnehmen. Dass seit jeher zig Staaten, die keine lupenreinen Demokratien sind, ebenfalls ausstellen? Offenbar kein Problem."

Weitere Artikel: Freddy Lang gratuliert dem Fotografen Yann Arthus-Bertrand zum Achtzigsten. Besprochen werden außerdem die Ausstellungen "Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland" im Museum Barberini in Potsdam (mehr hier) und die Ausstellung "Alles für die Kunst! Max Liebermann zwischen Strategie und Kulturpolitik" in der Liebermann-Villa am Wannsee (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2026 - Kunst

Alle regen sich darüber auf, dass Russland nun wieder bei der Biennale in Venedig dabei sein soll. Aber, "wenn es in den Foren der Kunst nicht gelingt, über alle Gegensätze hinweg ins Gespräch zu kommen, wo bitte sonst?" gibt Hanno Rauterberg in der Zeit zu bedenken. "Wer nun fordert, Russland solle ausgeschlossen werden, auch Israel seinen Pavillon dichtmachen, verstärkt damit den Nationalismus, den man doch verachtet. Plötzlich werden Künstler in Sippenhaft genommen, plötzlich zählt nicht ihr Werk, es zählt ihr Pass. Und die ach so freiheitliche Kunstwelt zeigt, wie unfrei es dort mitunter zugeht. Mag schon sein, dass autoritäre Regime in Venedig auf propagandistische Effekte hoffen. Darauf, dass sie hier kulturoffen und liberal erscheinen. Doch zeigt die Geschichte, dass es Künstlern selbst in Monarchien und Diktaturen immer wieder gelungen ist, die Absichten ihrer Auftraggeber zu unterlaufen."

Naiv findet hingegen Philipp Meier in der NZZ die Vorstellung des Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco, der die Biennale als neutrales, "friedliches Miteinander" aller Nationen gestalten möchte: "Man darf indes vielmehr damit rechnen, dass im russischen Pavillon Propagandakunst für die Sache des Kremls zu sehen sein wird. Für die Bespielung ist die Firma Smart Art zuständig. Sie gehört der Tochter des russischen Aussenministers Sergei Lawrow. Rund vierzig Kunstschaffende beteiligen sich an der Ausstellung. Die Kunstaktivistin Nadeschda Tolokonnikowa von der feministischen Punk-Gruppe Pussy Riot hat eine Protestaktion vor dem Pavillon angekündigt. Überdies droht die Europäische Kommission, den laufenden EU-Zuschuss an die Biennale auszusetzen, falls die Biennale-Stiftung Russland die Wiedereröffnung seines nationalen Pavillons gestattet und dessen Bespielung auf der 61. internationalen Kunstausstellung bestätigt wird."

Im SZ-Interview erklärt Olesia Ostrovska, Generaldirektorin des "Mystetskyi Arsenal", das großen Kunstarsenals in Kiew, was Kultur in Zeiten des Krieges leisten kann. Sie spricht aber auch darüber, welche Herausforderungen eine Gesellschaft zu bewältigen hat, in der zahlreiche Menschen Kriegsverletzungen erlitten haben: "Auch unser Kinderfestival im Herbst dreht sich darum: Was bedeutet es, wenn man nicht laufen kann? Wenn einem Menschen Gliedmaßen fehlen? Kinder können das begreifen." Auch ihr Museum muss sich aufgrund der hohen Zahl an Invaliden und anlässlich eines wichtigen Festivals über das Thema Barrierefreiheit Gedanken machen: "Es gibt keine Aufzüge, denn der Umbau des Gebäudes konnte wegen des Krieges nicht fertiggestellt werden. Das Buch-Festival geht normalerweise über beide Etagen, selbst dann ist noch zu wenig Platz. Aber nach einer leidenschaftlichen Debatte haben wir uns in diesem Jahr entschieden: Wir bleiben im Erdgeschoss."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.03.2026 - Kunst

Die Ankündigung der Biennale von Venedig, dieses Jahr Russland wieder auf die Kunstschau zurückkehren zu lassen (vor zwei Jahren hatte Russland seinen Pavillon an Bolivien abgegeben, unser Resümee), stößt in den Feuilletons weiter auf Unverständnis. In der Welt interviewt Marcus Woeller den ukrainischen Künstler Pavlo Makov, der von der Entwicklung keineswegs überrascht ist: "Ich glaube, es ist die logische Fortsetzung dessen, was ich lange vor 2022 empfunden habe. Meine 'Fountain of Exhaustion' handelte von diesem seltsamen Gefühl, dass wir Zeugen der Erschöpfung der Menschlichkeit werden und des Mangels an einem wirklichen Willen, das zu schützen, was von ihr noch übrig ist. Die Schwäche der sogenannten demokratischen Welt, die Unwilligkeit, fest zu den Prinzipien zu stehen, auf denen sie aufgebaut wurde. Es geht nicht darum, ob die Ukraine verraten wird oder nicht - es geht in erster Linie um Selbstverrat." Katharina Rustler fasst im Standard die fast durchweg negativen Reaktionen auf die Biennale-Entscheidung zusammen. Für die SZ kommentiert Jörg Häntzschel eher reserviert; er fände es "schön, sich mal wieder über Kunst zu streiten".

Wie es derweil in Russland selbst um die Kunst bestellt ist, kann man heute in der FAZ nachlesen. Kerstin Holm hat sich den in einem Seminar an der Ruhr-Universität Bochum vorgeführten Film "Fragil" angeschaut, in dem die Exilanten Egor Isaev und Konstantin Koryagin die desolate Lage dissidenter Kunst thematisieren. Unter anderem lernt Holm: "Nachdem im linguistisch noch freien Jahr 2009 Kriminalfahnder dem Nowosibirsker Künstler Artjom Loskutow, der die Nonsense-Monstrationen erfunden hatte, Rauschgift unterschoben, um ihn vor Gericht zu bringen, erlaubte das 2013 verabschiedete Gesetz zum 'Schutz der Gefühle Gläubiger' und insbesondere die seit den Protesten 2019 bei Strafprozessen verstärkt eingesetzten linguistischen Expertisen, kirchenkritische Aussagen etwa von 'Pussy Riot' per se zu kriminalisieren beziehungsweise gar ein vor Islamismus warnendes Theaterstück kreativ in ein terroristisches umzudefinieren, wie es im Fall der Dichterin Schenja Berkowitsch und des von ihr inszenierten 'Lichten Falken Finist' 2024 geschah."

Andernorts bringt der Iran-Krieg die Kunstwelt in Unordnung. Die Art Dubai zum Beispiel ist gefährdet, seit ein wichtiges Hotel der Stadt von einer iranischen Rakete getroffen wurde. Werner Bloch berichtet für die NZZ, kann sich aber nicht vorstellen, dass dieser Rückschlag den Kunstaufschwung in der Golfregion ernsthaft gefährdet. Weil: "Zum Lamentieren neigt hier niemand. Wo in Europa Massenpanik und Hysterie ausbrechen würden, gibt man sich am Golf cool und relaxed, voll Improvisationsdrang und bereit, sich Herausforderungen zu stellen." Der Perlentaucher ergänzt: Das haben Autokratien so an sich, Lamentierer haben da nunmal einen schweren Stand. Bloch weiter: "Diese unerschrockene Attitüde hat Dubai immer wieder sein Überleben und Weiterkommen gesichert. Außerdem ist bereits enorm viel in die Kultur investiert worden. Dubai und Abu Dhabi sind 'too big to fail', nicht nur für die Araber. Europa und der Westen könnten es sich gar nicht leisten, dieses Modell fallenzulassen, ohne selbst enorme Verluste einzufahren."

Besprochen werden die Fotoausstellung "Tanzbild" in der Wiener Albertina modern (Standard) und "Project a Black Planet: The Art and Culture of Panafrica" im MACBA Barcelona (monopol).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.03.2026 - Kunst

Chiharu Shiota: The Moment The Snow melts, Installation view, 2025, Ph. Claudia Filograsso

In gleich zwei Ausstellungen kann NZZ-Kritikerin Uta Appel Tallone die riesigen Installationen der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota bestaunen: Das Turiner Museum für orientalische Kunst zeigt mit "The Soul Trembles" eine große Retrospektive. Und im Mailänder Museo delle Culture versenkt sich die Kritikerin in die Installation "The Moment the Snow Melts": "An weiße Fäden geheftet, wirbeln diese beschrifteten Papierblätter vertikal von der kaum mehr auszumachenden Decke herab (...) Steht man nun unter dieser weißen Wolke und blickt nach oben, werden unterschiedliche Assoziationen geweckt: Blütenregen, Vogelschwärme oder eben Schneegestöber kommen einem unwillkürlich in den Sinn. Im wirbelnden Rhythmus und in ihrer Dichtheit meint man geradezu das Herabschweben großer Flocken zu spüren, wie sie einem auf die Wangen fallen, die Wimpern benetzen und einen für einen kurzen Augenblick die Welt nur noch verschwommen wahrnehmen lassen."

Weitere Artikel: Für 3,25 Millionen Euro hat das Land Nordrhein-Westfalen von den Erben das Recht erstanden, frühe Werke von Joseph Beuys auszustellen, berichtet Hans-Joachim Müller in der Welt. Besprochen wird die Ausstellung "Unvergesslich. Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam, 1600-1750" im MSK in Gent (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.03.2026 - Kunst

Wenn es nach Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco geht, soll Russland auf der nächsten Biennale wieder vertreten sein, meldet die FAZ. Er erhoffe sich davon einen wiederbelebten künstlerischen Dialog. Auch der russische Kulturbeauftrage Mikhail Shvydkoy hat den Auftritt seines Landes angekündigt, erklärt Birgit Rieger im Tagesspiegel. Die Organisatoren der Biennale reden sich damit raus, "dass die Nationalpavillons, in diesem Jahr sind es 99, souverän von den Staaten selbst organisiert werden. Die Leitung der Biennale entscheide nicht darüber, wer teilnehmen dürfe. Die Institution pocht auf ihre Neutralität. Allerdings hatte die Organisation 2022 noch öffentlich erklärt, dass sie jede Form der Zusammenarbeit mit der Regierung der Russischen Föderation aussetze. Proteste dürften nun in erster Linie vonseiten der Künstlerinnen und Besucher der Biennale zu erwarten sein."
 
Für Nikolaus Bernau ist das, ebenfalls im Tagesspiegel, nicht weniger als skandalös: "Hier geht es darum, mittels der Kunst Putins Diktatur und Russlands Kriege zu normalisieren. Die Künstler und Künstlerinnen werden wie die russische Bevölkerung insgesamt in Mithaftung genommen. Damit die Putin-Versteher im Westen weiter sagen können: Ist halt so im Osten, die wollen gar keine Demokratie und individuelle Freiheit, lasst uns wieder Gasverträge abschließen."

Julia Heyward: 360°, 1981. Foto: Lukas Pürmayr.

Thinley Wingen freut sich für Monopol, dass die amerikanische Künstlerin Julia Heyward mit "Miracles in Reverse" im Kunstverein Nürnberg zum ersten Mal eine Einzelausstellung in Europa zeigt, deren zweiter Teil "Voices of Many Voices" im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen ist. Heyward ist eine Pionierin der New Yorker Pictures Generation, die in den 1970er Jahren Pop Art und Underground mit visuellen, performativen und musischen Ausdrucksformen verbindet, erzählt Wingen: Sie "interessierte sich für mongolischen Kehlgesang ebenso wie für subsaharisches Jodeln; die Musikalität ihrer Sprache speiste sich auch aus der Predigttradition ihres Vaters, eines Pastors aus South Carolina. Ihre Stücke waren direkte, bisweilen konfrontative Auseinandersetzungen mit Feminismus, Natur, Religion und Körper - Themen, die im Nürnberger Parcours als unterschwellige Spannung präsent sind." Zum Beispiel in ihren "Schwarz-Weiß-Fotografien aus den frühen 1970er-Jahren: Mehrfachbelichtungen, einfache Setzungen, Gestenstudien. Heyward blickt frontal in die Kamera, probiert Haltungen aus, hebt den Arm wie zu einer einstudierten Bewegung. Konturen überlagern sich, Identität erscheint als etwas, das sich durchspielen lässt."

Weiteres: Sebastian Moll ist für die taz auf der Whitney-Biennale in New York unterwegs.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.03.2026 - Kunst

Obwohl es dem Frankfurter Städel mit Blick auf die Besucherzahlen gut geht, sammelt es nun Spenden - als erstes Museum in Deutschland. Zunächst möchte Stefan Trinks im FAZ-Gespräch von dessen Direktor Philipp Demandt wissen: Warum? Weil es eine private, gemeinnützige Stiftung ist, die ihre Unabhängigkeit durch ein Endowment, also ein Grundstockvermögen nach amerikanischem Vorbild behalten möchte, antwortet Demandt. Ein Etappenziel sind hundert Millionen Euro. Im Leitartikel der FAZ begrüßt Trinks die Entscheidung, bedeutet sie doch, dass das Haus, das nur etwa 15 Prozent des jährlichen Städel-Budgets von Stadt und Land erhält, "äußerem Drängen nach modisch woken Themen auch künftig nicht nachgeben muss." Aber werden die Stifter nicht mitsprechen wollen, fragt Trinks: "Wer gibt schon teils höhere einstellige Millionenbeträge und will keine Gegenleistung dafür? Nach Auskunft von Direktor Philipp Demandt hat noch kein Mäzen des Hauses jemals irgendwelche 'Wünsche' inhaltlicher oder repräsentativer Art geäußert. Im New Yorker Met wie auch der Londoner National Gallery war das ein reales Problem; Säle mit Namen von in Ungnade gefallenen Stifterfamilien wie jener der Sacklers mussten umbenannt werden."

Seit über 20 Jahren sind die Maler Matthias Kanter und Hans Aichinger befreundet, nun stellt das Kunsthaus Potsdam die beiden in der Doppelausstellung "Die Blinden führen die Nackten" aus und im Tagesspiegel erkennt Lena Schneider sofort, was die beiden verbindet: Der "Fetisch Farbe". "Auf Aichingers Bild 'K.I.Z. Die logische Disziplin' stehen vier junge Männer verschwörerisch im Kreis, die Blicke führen vom einen zum nächsten. In der Mitte ein warmes Spotlight, wie aus Kerzenlicht. Die Farben der Pullover bilden die Säulen des Bildes: Rot, Gelb, Grau, Blauschwarz. Auf Kanters Pendant sind die Farben zu wankenden Sockeln geworden, die Menschen zu puren Kraftfeldern: Das scheinbar zentrale Rot wird hier deutlich vom Dunkelblau im Bildvordergrund dominiert."

Weitere Artikel: Der Psychiater Mazda Adli weist in der FAZ auf neuste Studien hin, die nachweisen, dass Schönheit, bzw. das Rezipieren von Kunst stresslindernde Wirkung zeigen. In der taz stellt Mona Awwad die Inuk-Frau und Perlenkünstlerin Julie Grenier vor. Russland wird wieder mit einem Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig vertreten sein, meldet Birgit Rieger im Tagesspiegel. In den großen Sammlungen fehlen immer noch die Werke von Künstlerinnen, weiß Nicola Kuhn im Tagesspiegel: Sie sind zu teuer. Immerhin werden sie längst ausgestellt, wie derzeit etwa in der Ausstellung "Unvergesslich. Künstlerinnen von Amsterdam bis Antwerpen, 1600-1750" im Genter Museum der Schönen Künste - wo Kuhn einige Entdeckungen macht. Besprochen wird außerdem die große Leonora-Carrington-Ausstellung im Musée du Luxembourg in Paris (NZZ, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.03.2026 - Kunst

Kerry James Marshall, De Style, 1993, Los Angeles County Museum of Art, purchased with funds provided by Ruth and Jacob Bloom. © Kerry James Marshall. Foto by Jack Hems

Endlich bekommt die Kunst afroamerikanischer und afrikanischer Künstler mehr Sichtbarkeit, freut sich Philipp Meier in der NZZ. Das Kunsthaus Zürich zeigt mit Kerry James Marshall einen Wegbereiter schwarzer Kunst. "Marshall ist als Maler ein Virtuose der Nicht-Farbe Schwarz. Er bedient sich verschiedener schwarzer Pigmente, um Hautfarben darzustellen: Elfenbeinschwarz, Marsschwarz und Russschwarz mischt er mit anderen Farben, um ein vollchromatisches Schwarz wiederzugeben: eine Farbe, die in ihrer Dunkelheit alle Farben zu verschlucken scheint. 'Wenn man Schwarz sagt, sollte man Schwarz sehen', sagt der Künstler selber von seiner Malerei. Und obwohl seine Schwarztöne äußerst komplex sind, versucht er nie, all die unterschiedlichen Brauntöne echter Haut wiederzugeben. Seine Figuren - Männer, Frauen, Kinder, Alte und Junge - sind zwar stets Individuen mit einer Persönlichkeit. Gleichzeitig beschwört Marshall mit ihnen aber das Schwarzsein schlechthin und streicht es heraus als wesentliches Merkmal seiner Kunst."

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Ein Beitrag geteilt von Louisiana Museum of Modern Art (@louisianamuseum)


FAZ
-Kritikerin Ursula Scheer versteht beim besten Willen nicht, weshalb Jean-Michel Basquiat seine frühe Ölkreidezeichnungen von Köpfen zeitlebens nicht ausstellen wollte. Zum Glück zeigt das Louisiana Museum bei Kopenhagen nun 49 Zeichnungen als Werkschau: "Die Zeichnungen bieten keine Ansichten, sondern evozieren Innensichten. Aus einem fast skelettierten Schädel starren Augäpfel; schwarzes Drahthaar entspringt der En-Face-Darstellung des Gesichts eines Mannes mit aufgerissenem Mund; an eine Micky Maus mit Dornenkrone lässt eine Zeichnung denken, die aus dem Spiel mit den Möglichkeiten einer einzigen schwarzen Linie entstanden ist. (…) Ohne Körper, Gliedmaßen oder Umgebung prangen die meisten Köpfe zentral auf den Papierbögen, isoliert in einem unbestimmten Bildraum, meist ohne die für Basquiat typische Beigabe von Textfragmenten, Symbolen oder Zahlen."

Weitere Artikel: Eine gelungene Gegenüberstellung sieht Bettina Maria Brosowsky in der taz im Braunschweiger Museum für Photographie, das in der Ausstellung "Doppelleben - Spiegelbilder und Facetten künstlerischer Identitäten" die "Grand Dame der schwarzweißen Künstlerporträts" Angelika Platen mit der Finnin Elina Brotherus zusammenführt, die sich immer wieder selbst porträtierte. Besprochen wird außerdem die Thomas-Bayrle-Schau "Fröhlich sein!" In der Frankfurter Schirn Kunsthalle (SZ, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2026 - Kunst

Zum 250. Geburtstag der USA stellt die 82. Ausgabe der Whitney-Biennale in New York die Frage nach dem Stand der Kunst in der Gegenwart. Klare Antworten gibt es nicht, stattdessen konzentriert man sich auf "Zwischentöne", bemerkt Frauke Steffens in der FAZ. In den meisten Werken macht sie allerdings Trauer und Verzweiflung aus: "Draußen auf der Terrasse läuft man auf einen Ofen mit Schornstein aus Glaskacheln zu, der einsam in der Landschaft steht; das Haus, das einmal da war, ist nicht mehr. So standen nach dem Feuer in Los Angeles vergangenes Jahr viele Öfen und Schornsteine als einzige Überbleibsel. Kelly Akashi erinnert sich mit 'Monument' an ihr verlorenes Heim in Altadena - und mit 'Imprints', filigranen Papierarbeiten hinter Glas, an die Spitzendecken ihrer Großmutter, die im Feuer verloren gingen."

Tracey Emin: The End of Love. 2024. Tate Purchased with funds provided by A4 Arts Foundation. Foto: Tracey Emin

Hanno Rauterberg (Zeit) ist erkennbar kein Fan von Tracey Emin, auch nicht, nachdem er in London in der Tate Modern eine Ausstellung gesehen hat, die "größer und ehrerbietiger" nicht sein könnte. Warum stört sich niemand an ihren "Du-kannst-es-schaffen-wenn-du-stark-bist-Mantras" oder an ihrer penetranten Selbstoffenbarung, fragt er: "Nichts ist Tracey Emin peinlich, dafür wird sie bewundert. Ungeniert spricht sie nun auch über ihre Krebserkrankung 2020, darüber, dass sie keine Blase mehr hat, auch keine Harnröhre, keine Gebärmutter. Ohne Scheu präsentiert sie auf Fotos ihren geschundenen Körper, Urinbeutel inklusive, ob bei Instagram oder im Museum. Für sie war der Krebs eine richtiggehende Zäsur, sie führt seither ein second life, so nennt sie das, und so heißt auch ihre Ausstellung."

In der Welt platzt Hans-Joachim Müller der Kragen: Nach 20 Jahren und 95 Millionen Euro ist das Freiburger Augustinermuseum saniert worden, aber statt den oberrheinischen Barockgemälden Platz zu geben, wird der Anspruch des Museums auf "Kita-Format" geschrumpft: "Nun könnte man ja alles als Provinzposse abtun, wenn es auf eine Art nicht doch auch symptomatisch wäre. Symptomatisch für einen hochgemuten Kunstbetrieb, der seine offensichtlichen Leerstellen nur noch mit Zeitgeist füllt." Also gibts "für die Frauen eine kleine Fotosammlung 'Frauen in Freiburg', für die Klimaretter ein Original-Fridays-for-Future-Plakat aus dem Jahr 2019. ... immer ist irgendwo Kursus im Haus, und die ausgestellten Stücke sind nichts anderes als Belegmaterialien". Dass man im Museum schauen, staunen und selber denken will, "scheint allmählich dem Unterweisungsdrang völlig geopfert".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.03.2026 - Kunst

Ausstellungsansicht "Zirkulation von Arbeit, Kapital und Leben als Lieferkette" © Dommuseum Hildesheim, Foto: Florian Monheim

"Jesus wird ausgepresst wie eine Weintraube", freut sich Sophie Jung in der taz beim Besuch einer Ausstellung zur "Zirkulation von Arbeit, Kapital und Leben als Lieferkette" im Dommuseum Hildesheim. Verantwortlich sind die Künstler Alice Creischer und Andreas Siekmann, deren Arbeit sich dem von Creischer und Siekmann so betitelten "Potosí -Prinzip" widmet - gemeint ist die Beteiligung der Kirche an ausbeuterischen, insbesondere kolonialistischen Praktiken. Jung kann mit dieser Kunst, die kein Blatt vor den Mund nimmt, einiges anfangen: "Auf einem Kupferstich der gleichen Zeit taucht Christus selbst in der Weinpresse auf. Leid, Ausbeutung und Ertrag werden auf diesen Bildern Teil der kirchlichen Heilsgeschichte. Vom Pressen Jesu über die Technik des Pressens und Prägens bis hin zur Darstellung der Silbergewinnung in Potosí. Faszinierend und wild ist die bildliche Formel von Siekmann und Creischer, aber doch irgendwie schlüssig. Und radikal: Die beiden betreiben hier die Demontage der Institution Kirche zur bloßen Knechtin fürs Kapital."

Aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus kommt heute Stefan Trinks in der FAZ. Nachdem er sich zunächst am katastrophalen Zustand des Pariser Louvre abarbeitet, der kaputtgespart und im Namen des Mona-Lisa-Trubels immer mehr vor die Hunde geht, stellt er rasch klar: um einige zentrale Berliner Museums-Aushängeschilder steht es kein bisschen besser. Vor allem das Museumsgelände Kulturforum ist einerseits chronisch unterbesucht, andererseits strukturell marode. Das gilt schon für Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett. "Schlimmer noch stellt sich die Lage im Kunstgewerbemuseum dar. Seit Jahren regnet es auch in dieses Haus; manchmal, wenn man schlecht träumt, ist es das Bild eines kostbaren Rokokomöbels, das als Sonderform aus Pappmaché besteht und neben dem in Auffangeimern lustig das Regenwasser plätschert. (...) Wenn das KGM seine aktuelle und noch bis zum 14. Juni zu sehende Ausstellung zum vierzigsten Jubiläum des Hauses 'Heimsuchung' getauft hat, entspricht das einer tieftraurigen Wahrheit."

Weiteres: Hans-Joachim Müller freut sich in der Welt darüber, dass ein im Amsterdamer Rijksmuseum ausgestellter "Zacharias", wie nun dank naturwissenschaftlicher Methodik festgestellt wurde, eben doch ein echter Rembrandt ist - und nicht, wie lange vermutet worden war, das Werk eines Unbekannten. Besprochen werden eine Mara Wohnhaas gewidmete Schau im GAK Bremen (taz), "Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts" im Wiener Gartenpalais Liechtenstein (Welt), die Ausstellung "Martin Parr. Global Warning" im Jeu de Paume, Paris (NZZ) und "Giulia Andreani. Sabotage" im Berliner Hamburger Bahnhof (monopol).