Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

3661 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 367

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2025 - Kunst

Sine Hansen, Schreitende Zange, 1975, Ausstellungsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2025, Courtesy Estate Sine Hansen und EXILE, Kunstverein Braunschweig, Foto: Frank Sperling

Unbedingt wiederzuentdecken gilt es die große deutsche Pop-Art-Künstlerin Sine Hansen,  ermuntert Bettina Maria Brosowsky in der taz. Eine Möglichkeit dazu bietet nun eine Ausstellung im Kunstverein Braunschweig. Motivisch dreht sich bei Hansen viel um "Zangen, Scheren oder Kranhaken": "Hansens Zangen mutieren zu beseelten Wesen: Als 'Liegende', als 'Schreitende Zange', als 'Papageienzange' oder 'Generalzange' entwickeln sie ab den 1970er-Jahren eine belebte, fast erotische Aura. Sie füllen den ganzen Bildraum, die Spitzen dieser Kneifinstrumente werden extrem dramatisiert, erscheinen wie rasiermesserscharfe Klingen. Bedrohlich wirkend einerseits, fixieren sie andererseits feinfühlig und zart-mehrfarbig bunte Kugeln. Diese Konstellationen als Seelenbilder einer (bedrängten) Künstlerin zu deuten, ist wohl nicht ganz abwegig."

Sarah Khan besucht für monopol im Berliner Haus am Waldsee eine Ausstellung, die der Videokünstlerin Nina Könnemann gewidmet ist. Ziemlich begeistert ist Khan insbesondere von Arbeiten Könnemanns, die ungewöhnliche audiovisuelle Zugriffe auf mediale Großereignisse ausprobieren. Zum Beispiel, wenn eine Übertragung der Preisverleihung der Filmfestspiele in Cannes mit Bildern der Warteschlange bei der Kreuzberger Fast-Food-Institution Mustafas Gemüsekebab und aufgeregter Fußballfans konfrontiert wird. "Alle drei Situationen, allerdings an den Randzonen der Hotspots aufgenommen, passierten am selben Tag, trafen sich live im Bild, das dann live collagiert und bearbeitet wurde. Während sich die Preisverleihung in Cannes in die Länge zieht und das Publikum gleichzeitig angespannt wie gelangweilt scheint, laufen Fußballfans torkelnd auf die Kamera in Berlin zu, ziehen Fratzen, lachen debil. Die Filmemacherinnen kommunizieren ihre jeweilige Standort-Lage: '23 people waiting in line from the trash can on. The lady in the pink floral trousers. There is not much happening here. Newcomers.'"

Außerdem: Der Bildteppich von Bayeux wird womöglich bald zumindest vorläufig von Frankreich an Großbritannien zurückgegeben, berichtet Dirk Schümer in der Welt. Magnus Klaue rezensiert ebendort ein dem Künstler Jürgen Ploog gewidmetes Buch. Sabine B. Vogel stellt in der NZZ das malerische Werk Arnold Schönbergs vor.

Besprochen werden eine Schau Toyin Ojih Odutolas im Berliner Hamburger Bahnhof (taz) und die von Studenten der Kunsthochschule Mainz bespielte Ausstellung "All diese Dinge. Überall. Die ganze Zeit" in der Kunsthalle Mainz (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2025 - Kunst

Beeindruckt ist Brita Sachs in der FAZ von der Ausstellung "we, the people: 30 Years of Democracy in South Africa", in der Norval-Foundation in Kapstadt. Hier stellen KünstlerInnnen die Frage, wie es seit dem Ende der Rassentrennung eigentlich in ihrem Land weiter ging. Ein ums andere Mal wird hier deutlich: Die Rede von der "Regenbogennation" ist ein Mythos: "Von Heimatlosigkeit im eigenen Land handelt Steven Cohens Video 'Chandelier', in welchem er 2001 mit bizarrem Make-up, auf gewaltigen Plateausohlen, am Leib kaum mehr als einen Kronleuchter als Röckchen durch ein im Abbruch befindliches Slum wandelte. Die Bewohner, schwarze Elendsgestalten, reagieren misstrauisch, manche feindselig auf den weißen Fremdkörper, der sich als schwuler, jüdischer Südafrikaner auf allerdings exzentrische Weise mit ihrer Situation am Rand der Gesellschaft identifiziert. 'To protest' begleitet die Frustration insbesondere der jungen Generation, der sogenannten 'free born', die sich vom ANC um soziale und ökonomische Chancengleichheit betrogen fühlten."

Ferial Nadja Karrasch stellt bei Monopol derweil die südafrikanische Künstlerin Helena Uambembe vor. In ihren Installationen widmet sie sich wenig thematisierten Seiten der südafrikanischen Geschichte, wie dem "32. Bataillon", das vor allem im Bürgerkrieg in Angola aktiv war. Hier kämpften aus Angola geflüchtete Männer zum Teil gegen ihre eigenen Landsleute - angesiedelt wurden die Soldaten in der Stadt Pomfret, in der die Künsterlin geboren wurde - kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs. Diese Geschichte verarbeitet sie in ihrem Werk "Blooming in Statis", das 2023 in einer Ausstellung im Museum für Moderne Kunst Frankfurt zu sehen war: "Ein verfallenes Haus, umgeben von Maschendrahtzaun, verblichene Familienbilder an einer Wand, darunter ein Schriftzug: 'Pomfret is home ♡'. Ein gelbes Schild grüßt die Besucherinnen und Besucher: 'Pomfret bids you Welcome'. Doch der Ort ist verlassen, hier scheint kein Leben mehr zu sein - bis auf die kleinen gelben Blumen, die überall wachsen. In der Unwirtlichkeit des dargestellten Ortes wirken sie wie eine trotzig-schöne Behauptung, dass diese Ruine einmal ein Zuhause war."

In der FAZ erinnert Rainer Stamm an mutige Museumshausmeister, die Kunst-Werke vor der Zerstörung durch das NS-Regime bewahrten: "So rettete der Hausmeister der Hamburger Kunsthalle, Wilhelm Werner, sieben Gemälde der von ihm verehrten Malerin Anita Rée, indem er sie zwischen der ersten Beschlagnahme im Juli und der zweiten am 21. August zu sich nach Hause nahm. 1945 stellte er sie zurück ins Depot. Erst die Witwe lüftete nach dem Tod des 1975 Verstorbenen das Geheimnis, wie die Werke der als 'Halbjüdin' gebrandmarkten Künstlerin in der Sammlung des Museums hatten überdauern können."

Besprochen werden: Die Hito-Steyerl-Ausstellung "Der Menschheit ist die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgeflogen" im MAK - Museum für angewandte Kunst Wien (taz), die Ausstellung "Vom Himmel gefallen" in der Overbeck-Gesellschaft und St. Petri zu Lübeck (taz), die Ausstellung "Das heilende Museum" im Bode-Museum Berlin (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2025 - Kunst

Niemand kennt das Clyfford Still Museum in Denver, alle sollten das ändern, befindet Dietmar Dath in der FAZ. Er schaut sich das Abstrakt-Expressionistische der Gemälde des Namensgebers an, für das "die Worte, die sich dafür finden, nie reichen, weil es viele andere für das gäbe, was sich da zeigt. Etwa so: ein Hochformat, in dem links unten Gelbliches sitzt. Das Gelbliche stützt einen schwarzen Riss im mehr oder weniger holzartigen Kontinent daneben, der nach oben hin eine Nichtschrift wird und wachsen mag in sein Ende, das zwei weiße Ränder schmücken, ebenfalls gerissen. Eine rote Insel liegt hier an, wieder mit Landrand und Randland, schräg gegenüber einer mehligen Blitzausdehnung, in der ein bienengelbes Flimmerskotom wohnt. Und so weiter oder ganz anders. Das geschah 1946 und wird 'PH-1103' genannt." Gerade ist im Museum die Schau "Held Impermanence" zu sehen, kuratiert von Katherine Simóne Reynolds.

Trumps Zensur-Feldzug (unsere Resümees) gegen Museen wie das Smithsonian kulminiert nun in einer Liste von Kunstwerken, die sein Regime "nicht länger (…) dulden" will, schreibt Frauke Steffens ebenfalls in der FAZ: "Viele der 26 auf der Liste des Weißen Hauses genannten Kunstwerke und Ausstellungen waren zuvor in einem Artikel des konservativen Magazins 'The Federalist' erwähnt worden, den die Mitteilung aus dem Weißen Haus auch verlinkt. Sie enthält keine Handlungsanweisung. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Liste als erste Handreichung für die Überprüfung der Museen im Kampf gegen unliebsame Kunst und Geschichtsschreibung zu verstehen ist."

Weiteres: Stefan Trinks erinnert an der FAZ an Tove Jansson, die die Mumins geschaffen hat und deren künstlerische Karriere dahinter oft in Vergessenheit gerät.

Besprochen wird: Die Ausstellung "Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt" im Berliner Brücke-Museum (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2025 - Kunst

Camille Corot. Marino:  © Privatsammlung, Foto: Alexander Paul Englert.

Schon fünfzig Jahre, bevor die Impressionisten dafür berühmt wurden, begeisterten sich Maler für das "Flüchtige" der Landschaften, lernt Judith von Sternburg im Deutschen Romantikmuseum in Frankfurt, das in der Schau "Freiräume" 110 Arbeiten von 70 Künstlern zeigt - "Postkartenansichten" gibt es hier nicht, versichert die Kritikerin: "Louis Gurlitt positioniert sich über einem Fjord, aber nicht, um dessen imposante Gesamtheit zu erfassen, sondern um ein Holzhaus zu skizzieren, einen spröden Ort, an dem offenbar Holz verarbeitet wird. Nicht zuletzt das Schnappschusshafte des Ausschnitts nimmt so viel Impressionismus vorweg, dass man noch einmal auf die Jahreszahl schauen wird. 1835. Im selben Jahr steht Adolf Henning an der Villa d'Este in Tivoli, aber von der Villa ist nichts zu sehen, die berühmte Zypressenallee ist nur mehr ein Zitat an den Rändern. Der Blick geht ins weite Land, unidyllische Häuschen, ein Abendhimmel zum Greifen." 

In Serbien gerät zunehmend auch die freie Kunstszene ins Visier der Regierung, berichtet Philine Bickhardt in der taz. Kürzlich wurde das berüchtigte Studentische Kulturzentrum (SKC), in den siebziger Jahren eine "Keimzelle der Avantgardekunst", wo spätere Ikonen wie Neša Paripović und Marina Abramović auftraten, von der Polizei geräumt, weil die Studenten es besetzt hatten. Auch die heutige Kunstszene hat eine politische Vision, so Bickhardt, so protestierten die Künstlerinnen Ana Stojković und Ivanja Todorović im Frühjahr gegen Gentrifizierung und Klassismus: "'Monetarijum' beschäftige sich nämlich auch mit 'Privatisierungsprozessen' und einem Klassismus in der Kunstszene. Kurioserweise forderten Stojković und Todorović diejenigen auf, die an der Ausstellung teilnehmen wollten, nicht nur (...) einen Gegenstand mitzubringen, sondern auch 'Eintritt' zu zahlen, also eine Gebühr zur Teilnahme. Kunst im heutigen Kapitalismus sollte als ein Produkt, als zu bezahlender Konsum entlarvt werden, denn Kunst anzuschauen und sie zu schaffen, muss man sich erst einmal finanziell leisten können - das SKC hatte vor seiner Besetzung auch sehr hohe Eintrittspreise verlangt."

Weitere Artikel: Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ widmet sich Thomas Combrinck dem Phänomen der Napoleon-Karikatur. Ebendort fragt Raquel Erdtmann, warum der DDR-Künstler Werner Tübke heute als "Staatskünstler" wahrgenommen wird.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2025 - Kunst

Untitled, 2020-21. © Esmé Trust / Kaari Upson Trust, Courtesy Sprüth Magers. Photo: Robert Wedemeyer

In der Welt ist Gesine Borcherdt dankbar, dass das Louisiana Museum im dänischen Humlebæk der 2021 im Alter von nur 51 Jahren an Krebs gestorbenen kalifornischen Künstlerin Kaari Upson nun eine große Retrospektive widmet - auch wenn sich Borcherdt der "verstörenden Verführungskraft" und unerträglichen Angst von Upsons "kollektiven Alpträumen" nicht entziehen kann: "'Mother's Legs' heißt (...) die waldartige Installation aus Polyurethanformen, die wie abgetrennte Gliedmaßen von der Decke hängen. Gegossen aus termitenzerfressenem Holz von einem Baum vor Upsons Kindheitshaus, stammen die hervorstehenden Knieformen teils von der Künstlerin selbst, teils von ihrer Mutter: Der Wald wird zu einem traumartigen Geistertreffen, zart und unheimlich zugleich. Upsons Vater taucht dagegen nur ein einziges Mal in ihrem Werk auf - womöglich als letzte Arbeit vor ihrem Tod. Im Louisiana Museum liegt eine bunt bemalte Figur in Jeans und kariertem Cowboyhemd mit dem Gesicht nach unten; Hände und Füße sind abgetrennt, fünf ketchuprote Plastikflaschen stecken wie Messer in ihrem Rücken. Der Vater als gekillter amerikanischer Alptraum, erstickt an seinem eigenen Saft."

Katrin Jacquet. Aus der Serie "(m)other".

Im Perlentaucher-Fotolot bespricht Peter Truschner neben dem neuen Fotobuch "All Preconceptions Collapse" von Sabine Schründer auch Katrin Jaquets Fotobuch "fam", das als Quintessenz ihrer künstlerischen Versuchsanordnungen im Kontext ihrer Familiengeschichte gelten kann. Es enthält unter anderem die Serie "(m)other" von (1998). Hier "projiziert Jaquet Farbdias aus ihrer Kindheit in ihre Mundhöhle, und Porträts ihrer Mutter und Großmutter auf das eigene Gesicht. Eine ausdrucksstarke Variante jenes Ansatzes, bei dem Künstlerinnen von Annegret Soltau bis Elena Helfrecht eine genealogische Vergegenwärtigung und Evokation der weiblichen Mitglieder ihrer Familien betreiben. Indem diese Genealogien bis in die Zeit des Zweiten, manchmal sogar Ersten Weltkriegs zurückreichen, finden sich darin unweigerlich Momente des Verlustes, der Entbehrung, und eines nicht selten an die nachfolgende Generation vererbten Traumas. Jaquet entgeht dem Stereotyp, das sich aufgrund der Unmenge an Büchern, Filmen und Fotoarbeiten über die Jahrzehnte zu diesem Thema ausgebildet hat, durch eine explizit experimentelle, nicht-lineare und nicht-deskriptive Herangehensweise."

Hegel war fasziniert von Malerei, erinnert im FR-Gespräch der Philosoph Klaus Vieweg, der Hegels ästhetische Theorie kurz zusammenfasst: "Als Gestalt des Wissens ist die Kunst für Hegel neben Religion und Philosophie eine der entscheidenden Formen der Selbstvergewisserung und Selbstbestimmung des Menschen. Das Fundament ist der Begriff der Schönheit. Es handelt sich um die Behandlung der Werke der Kunst als Formen der zweiten Natur, des Geistes. Kunst fixiert die 'höchsten Momente der Naturerscheinungen', wie Goethe sagt, und kann nicht als bloße Nachahmung verstanden werden. Die Bedeutung wird sinnlich vergegenwärtigt, diese Position in der Mitte zwischen Natur und Freiheit wird von Hegel logisch wie historisch aufgewiesen."

Weitere Artikel: In der taz würdigt Bettina Müller den "Life"-Fotografen Alfred Eisenstaedt zum 30. Todestag. In der Welt resümiert Susanna Petrin den Stand der Dinge zu Trumps Vorhaben, die Smithonian-Museen auf Regierungslinie zu trimmen. Auf Truth Social verkündete Trump zudem, er wolle sich nicht nur diese staatlich mitfinanzierten Museen vorknöpfen, sondern gleich alle anderen auch. Im taz-Gespräch mit Mirko Bozic erzählt der bosnische Dichter Mili Đukić, weshalb er jetzt auch malt. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Licht und Landschaft. Impressionisten in der Normandie" im Augustinermuseum Freiburg (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2025 - Kunst

Elena Karakitsou, ... for what descends, descends even higher, 2024

Licht in all seinen Erscheinungsformen erlebt Elke Linda Buchholz im Tagesspiegel in der Ausstellung "Lumen" im Schloss Biesdorf, der einstigen Sommerresidenz von Werner von Siemens. Meist geht es der Kritikerin aber doch zu schlicht zu: "Was mit Neonröhren künstlerisch alles möglich ist, hat der Berliner Berglandschaftsspezialist Sven Drühl ausgereizt. Wie gezeichnete Linien formen seine Leuchtröhren in feinen Schnörkeln, Bögen und Konturen die Motive aus japanischen Holzschnitten nach. Daneben dudelt Tanzmusik zum Filmloop in einem Miniatur-Bordell, das wie ein Bühnenmodell amerikanische Klischees kondensiert. Über dem Eingang leuchtet das Rotlichtlämpchen. 'FUCK' ruft eine Riesenleuchtschrift an der Wand. Licht kann Signal sein und sehr klare Botschaften aussprechen."

Einen Vorgeschmack, wie es aussehen kann, wenn der von Trump verordnete "Amerikanismus" in den Smithonian-Museen vorherrscht (unsere Resümees), gibt Hannes Stein in der Welt: "Im Juli sagte die schwarze Malerin Amy Sherald, die das offizielle Porträt von Michelle Obama geschaffen hat, eine Ausstellung in der National Porträt Gallery ab. Der Grund: Eines ihrer Bilder zeigte eine stolze Transfrau mit rot gefärbtem Haar als Freiheitsstatue, in deren Fackel gelbe Blumen blühen. Amy Sherald sollte dieses Bild aus der Ausstellung entfernen; dazu hatte sie keine Lust, also entfernte sie lieber ihre Ausstellung aus dem Museum. Im Mai hatte Trump verkündet, er habe Kim Sajet gefeuert, die Direktorin der National Portrait Gallery. Sie stehe für 'diversity, equity and inclusion', also Vielfalt, Gleichberechtigung und Aufnahme anderer Menschen, und sei deswegen für ihren Posten 'völlig ungeeignet'. Allerdings hat der Präsident gar nicht die Macht, Direktoren des Smithsonian zu entlassen. Kim Sajet zog es dann vor, aus freien Stücken zu gehen."

Weitere Artikel: In der Zeit möchte Hanno Rauterberg ganz Eislingen auf der Documenta präsentieren, so angetan ist er von den Kunstwerken, die die Bildhauerin Anja Luithle auf den Verkehrskreiseln des kleinen Städtchens schafft. In der FR gratuliert Ingeborg Ruthe dem C/O Berlin, da aktuell eine Julian-Rosefeldt-Ausstellung zeigt, zum 25-jährigen Jubiläum. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Edvard Munch - Angst" in den Kunstsammlungen Chemnitz (FAZ, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Kunst

Die nächste Documenta nimmt langsam aber sicher Gestalt an. Die künstlerische Leiterin Naomi Beckwith hat nun ihr Team vorgestellt; mit ihr gemeinsam an der Ausstellung arbeiten werden Romi Crawford, Mayra A. Rodríguez Castro, Xiaoyu Weng und Carla Acevedo-Yates. Wie sind diese Personalien gerade auch mit Blick auf den Antisemitismus-Skandal der letzten Ausgabe zu bewerten? Boris Pofalla kommentiert für die Welt: "Die Berufung des Documenta-Teams zeigt zweierlei: dass Naomi Beckwith zurück zur Normalität will und dass diese Normalität heute eine andere ist - weiblicher, nichtweißer, kontextueller, ohne die großen, herrischen Gesten, die noch vor einigen Jahren dazugehörten. Was heißt das für die Documenta 16? Der große Bruch, der kalkulierte Aufruhr ist nicht zu erwarten, aber auch kein Backlash hin zu einer traditionelleren Kunstauffassung, der wiederum für Stress im Betrieb gesorgt hätte. Nach dem Kontrollverlust von 2022 klingt diese Auswahl eher so, als wolle da jemand möglichst wenig Reibung erzeugen und keine Risiken eingehen. Ob das für die Marke Documenta eine gute Idee ist, wird sich zeigen."

Besprochen werden "Magical Realism: Imagining Natural Dis/order", eine Ausstellung zu Kunst und Magie im WIELS Brüssel (taz), die Schau "Neo Rauch, Zeichnungen 1965 bis 1968" in der Grafikstiftung Neo Rauch, Aschersleben (FAZ), die Ausstellung "Inszeniertes Selbst", die die Berlinische Galerie der Fotografin Marta Astfalck-Vietz widmet (FR, siehe auch hier) und die Edvard-Munch-Ausstellung in den Chemnitzer Kunstsammlungen (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.08.2025 - Kunst

In "eine einzige Dunkelkammer der Selbstauflösung" taucht Philipp Meier für die NZZ in einer Ausstellung des französisch-schweizerischen Künstlers Julian Charrière im Tinguely-Museum in Basel. In der Schau "Midnight Zone" rekreiert Charrière die Erfahrung der dunkelsten Tiefen des Ozeans, staunt der Kritiker. Wie es in "den dunkelsten Regionen der Ozeane, in sechstausend Metern Tiefe unter der Meeresoberfläche, tönt, vermittelt die Sound-Installation 'Black Smoker' (2025) in einem nachtschwarzen Raum der Ausstellung. Charrière konnte die Feldaufnahmen von Tiefsee-Hydrofonen der Forschung verwenden, aber auch Live-Daten seismischer Messstationen an einigen der bewegtesten Punkte am Meeresboden streamen: das knisternde Zischen von Ausdünstungen unterirdischer Gase aus hydrothermalen Schloten, das kehlige Brummen des Magmas von vulkanischen Ausbrüchen, das dumpfe Hämmern von Gestein bei tektonischen Prozessen. Charrière mischte diese Geräusche zu einer mehrdimensionalen Klangkomposition zusammen. ... Das Gerumpel in den Eingeweiden der Erde überträgt sich direkt auf das Bauchgefühl - ein Rave der anderen Art."

Weitere Artikel: Rosa Lange schaut sich für die taz das Herbarium der Revolutionärin und Politikerin Rosa Luxemburg an. Besprochen wird die Ausstellung "Titanic - eine immersive Reise" in der Hamburger Expo (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2025 - Kunst

Das Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern feiert seinen 150. Geburtstag mit einer kompletten Neuorientierung, die in den drei Rundgängen "Was ist Kunst?", "Der Mensch in der Kunst" und "Kunst mit allen Sinnen" bestaunt werden kann, wie sich Stefan Trinks in der FAZ freut. Sein Lob finden nicht nur die bedeutenden Wiederentdeckungen, sondern auch der Umgang mit schwierigen Fragen: "Unumgehbar für heutige Museen ist die Frage nach der Herkunft ihrer Werke, was Kaiserslautern unter dem wiederum dreigliedrigen Titel "Zeitsprung - Gekauft, getauscht, geraubt?" fasst. Hier werden die Ergebnisse der Provenienzrecherchen der vergangenen Jahre nicht einfach nur vorgestellt: Mit Herrmann Scherers einst als entartet eingestufter Holzskulptur 'Das kleine Mädchen' werden auch Fragen von Zensur aufgeworfen. Wie viel durch die NS-Barbarei jüdischen Sammlern wie Max Glaeser oder Theodor Kiefer in Kaiserslautern geraubt wurde und teils unwiederbringlich verloren ging, schmerzt heute noch, ebenso die bruchlose Nachkriegskarriere Edmund Hausens, der im Krieg Kunst aus dem besetzten Lothringen ('Westmark' im NS) 'sicherstellte', als MPK-Konservator bis 1953."

Die Smithsonian-Stiftung wird von der US-Regierung gezwungen, alle ihre kuratorischen Pläne offenzulegen (unser Resümee) und hinsichtlich "Gesinnungsreinheit" überprüfen zu lassen, wie Sebastian Moll in der taz schreibt. Die historischen Vorbilder kann er kaum übersehen: "Dabei drängen sich unweigerlich die Parallelen zu faschistischen Regimen auf. Es geht um das Reinigen der nationalen Kunst von Entartetem. Das hat in den USA wie in Nazideutschland deutlich rassistische Untertöne. Die avantgardistische Moderne der 20er Jahre war im nationalsozialistischen Duktus eine 'Verjudung' der Kunst. Der Kampf um Inklusion in der amerikanischen Kultur kompliziert das Narrativ einer Nation, die schon immer Vorbild der Menschheit gewesen sein will. Es ist das Narrativ des 'amerikanischen Exzeptionalismus', wie Trump selbst in seiner Anordnung zur Säuberung des Smithsonian schreibt. (…) Die Kunst soll aufhören, derartige Narrative zu hinterfragen, sich mit dem Zeitgeschehen kritisch auseinanderzusetzen, und stattdessen Amerikas Größe ein Denkmal setzen."

Weiteres: Anika Meier unterhält sich mit der Künstlerin und Dichterin Sasha Stiles für Monopol über Kunst und KI. Jens Eckhard reist für die Welt in den Schweizer Ort Gruyères, um sich das Werk des "Alien"-Schöpfers HR Giger anzuschauen und um sich zu fragen, was die gruseligen Kreaturen mit unserem Unbewussten zu tun haben.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2025 - Kunst

Simin Jalilian, The Wow effect, 2024


Sophie Jung stellt in der taz die in Deutschland lebende iranische Malerin Simin Jalilian vor, die ein Faible für die "Neuen Wilden" hat: "Vier skurrile Figuren mit 3-D-Brillen sitzen in knallroten Kinosesseln auf dem Bild mit dem Titel 'The Wow Effect'. In groben, zackigen Pinselstrichen, deren dick aufgetragene, fast schon wie ein abstraktes Ornament wirkende Ölfarbe aber Konturen und Kontraste ziemlich exakt wiedergibt, lässt Jalilian sie derart gebannt auf die Kinoleinwand starren, dass ihnen der Strohhalm von den Trinkbechern aus den geöffneten Mündern fällt. 'Es sind Menschen, die sich von der Leinwand euphorisieren lassen, aber die Realität nicht sehen', sagt Jalilian der taz. 'L'art pour l'art trifft auf politische Kunst', schreibt die Kunstwissenschaftlerin Larissa Kikol zu Jalilians Malerei. Es ist eine expressive Malerei. Unverkennbar orientiert sich Jalilian, die 1989 in Teheran geboren wurde, an einem Stil der 'Neuen Wilden'. Die waren ihr schon im Iran auf der Kunstakademie ein Vorbild: Martin Kippenberger, Jörg Immendorff."

Heinz Mack Large Star-Spectrum (Chromatic Constellation), 2004. Galerie Almine Rech

Überall Anselm Kiefer, stöhnt Niklas Maak in der FAS, in Amsterdam, London, Schanghei, Missouri und Herrenchiemsee, uff. Als wäre Kiefer nicht eh eine Dauergröße im internationalen Kunstbetrieb. Aber es gibt gerade Interessanteres, findet Maak, abstrakte Nachkriegskunst, die diesen Sommer in mehreren Ausstellungen wiederentdeckt werden kann. Ende der Sechziger war diese oft als "dekorative Verdrängungskunst diffamiert" worden, so Maak, während in den Fünfzigern "etwa die Kunst des von den Nationalsozialisten mit Arbeitsverbot belegten Karl Otto Götz, der mit Rakeln dynamische gestische Kompositionen auf riesenhafte Leinwände schleuderte, noch als Ausdruck individueller Freiheit und eines nicht vom Staat gedrillten und gleichgeschalteten Körpers gefeiert worden war. Eine Generation von Kritikern, die aus den Musikseminaren Adornos auf die Kunst zuging, sah in dieser Malerei auch ein malerisches Äquivalent musikalischer Rhythmen und Harmonien. Die nächste, um 1966 aufstrebende Kritikergeneration kam dagegen zu wesentlichen Teilen aus der Literaturwissenschaft und betrachtete Kunst wie Romane." Maak empfiehlt Heinz Mack in der New Yorker Galerie Almine Rech, Sean Scully im Hamburger Bucerius-Forum, Helen Frankenthaler im Wiesbadener Museum Reinhard Ernst, Auguste Herbin im Münchner Lenbachhaus und die Ausstellung "Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937" im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen.

Weitere Artikel: Jörg Häntzschel berichtet in der SZ von Plänen, den Louvre generalzuüberholen. Elke Linda Buchholz begutachtet für den Tagesspiegel Freiluftkunst auf den Spuren Max Slevogts am Havelstrand. Und Stefan Trinks erzählt vom jahrtausende alten Kampf um die richtigen Farben in der Kunst: "Die Höhlenmalereien konzentrieren sich auf die Blutfarbe Rötel, doch beginnt hier der zweitälteste Streit der Kunst: Mammut ausmalen oder auf die Zeichnung, die Kontur begrenzen? Farbe ist Magie, und die war seinerzeit suspekt."

Besprochen werden die Munch-Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz (Welt) und die Surrealismus-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle (Tsp).