Bestellen Sie bei eichendorff21!Matthias Kalle verzweifelt auf Zeit Online über der Sky-Serie "Es: Welcome to Derry", die zwar auf StephenKings Horror-Epos "Es" basiert, zugleich aber auch ein Prequel zu dessen Verfilmungs-Zweiteiler von 2017 und 2019 darstellt. Kings Roman, unterstreicht Kalle, ist ein großes literarisches Meisterwerk, von dem Film- wie Serienschöpfer "AndyMuschietti, der von allem, was 'Es' tatsächlich ist, erstaunlich wenig zu verstehen scheint. Was den Roman so unvergleichlich macht, ist seine emotionaleTopografie - das Ineinanderfallen von Kindheit und Erwachsensein, das Flirren zwischen Erinnerung und Angst, das Wissen, dass man das, was man liebt, nicht festhalten kann. In 'Es: Welcome to Derry' ist dieses Gefühl bestenfalls Kulisse. Die Serie weiß, wie Horror aussieht, aber nicht, wie er sich anfühlt."
Außerdem: Bert Rebhandl resümiert im Standard die Viennale. Andreas Kilb (FAZ) schreibt einen Nachruf auf den Schauspieler Björn Andrésen, den die Filmgeschichte seit Viscontis "Tod in Venedig" als schönsten Jungen der Welt kennt.
Besprochen werden BenStillers auf AppleTV+ gezeigtes Doku-Porträt über seine Eltern, das Komiker-Duo Stiller and Meara ("bisweilen wird all dies ein bisschen zu viel Selbstbespiegelung", meint Nina Rehfeld in der FAZ), JulienColonnas "Kingdom - Die Zeit, die zählt" (taz), StefanHaupts Verfilmung von MaxFrischs Roman "Stiller", die laut dem ziemlich enttäuschten SZ-Kritiker Marc Hoch so "wirkt, als habe jemand versucht, Auszüge einer Wagner-Oper auf dem Klavier nachzuspielen", und die Netflix-Serie "Boots" (FAZ).
Jan Küveler spricht für die Welt mit dem Schauspieler AugustDiehl, der aktuell in KirillSerebrennikows "Das Verschwinden des Josef Mengele" zu sehen ist. Ursprünglich hatte er kein Interesse, den fürchterlichen KZ-Arzt zu spielen, sagt er. "Warum sollte man jemandem wie Mengele eine Plattform geben? Warum sollte man sich an den erinnern?" Doch dann "dachte ich: Ist das nicht eigentlich gefährlich, so zu denken? Sich nicht erinnern zu wollen." Aber "vielleicht ist das gar nicht wahr. Dass zwar, was er getan hat, monströs ist, aber das ganze Problem doch darin liegt, dass diese Menschen eben nicht nur Monster sind, sondern Menschen" und "diese Menschen wären als Einzelpersonen gar nicht so groß geworden, hätte es nicht ein System gegeben, das sie gebraucht und auch nach dem Krieg unterstützt hat. Wir haben sehr viel darüber gesprochen, Kirill, Olivier und ich: dass bestimmte Systeme bestimmte Menschentypen brauchen. Oft Menschen, die leer sind, ohne Vision, ohne Empathie - Psychopathen. In solchen Systemen werden sie zu Ärzten, Polizisten, Richtern. Sie bekommen eine Funktion."
Überall sterben die Kinos, in Berlin werden welche gegründet. Oder zumindest vor zehn Jahren noch, denn da gingen Il Kino, Wolf und Kino Zukunft an den Start, die sich seitdem als feste Bank der Berliner Arthouse- und Indie-Kinolandschaft etabliert haben. Katharina Böhm hat für die taz mit Carla Molino, Verena von Stackelberg und Sven Loose gesprochen, die die drei unabhängigen Kinos jeweils betreiben - über Fallstricke und Risiken, aber auch unerfüllte Hoffnungen beim Kinomachen, etwa die, dass durch die Digitaliserung Klassiker greifbarer werden könnten: "Das ist kaum möglich, weil die Sachen nicht digitalisiert worden sind oder eine einmalige Vorführung um die 150 Euro kostet für Verschlüsselung und digitales Cinema Package. Dazu die Rechte für den Film selbst. Einen Klassiker einmal zu zeigen, kann bis zu 500 Euro kosten. Das macht meine Vorstellung davon, wie wir mit Filmgeschichte umgehen, schon etwas kaputt. ... An die analogen Kopien kommt man wiederum nicht ran, weil sie nur noch an Museen verliehen werden. Viele Kopien wurden zerstört, weil sie Platz brauchen und die Filmlager nicht mehr da sind. So passieren ständig kleine Tode und Neuentstehungen in der Kinowelt."
Weiteres: Marian Wilhelm fragt sich im Standard bange, wie lange das Wiener HotelInterconti noch als Festivalzentrale für die Viennale genutzt werden kann. Besprochen werden LauraPoitras' auf der Viennale gezeigtes Porträt "Cover-Up" des Journalisten Sy Hersh (Standard), AgnieszkaHollands Kafka-Biopic "Franz K." (Standard) und ScottCoopersSpringsteen-Biopic "Deliver Me From Nowhere" (Welt).
August Diehl als Josef Mengele in dessen "Verschwinden" von Kirill Serebrennikov Für den Filmdienstporträtiert Karsten Munt den Schauspieler AugustDiehl, der aktuell in KirillSerebrennikovs (auf Artechockdoppel-besprochenem) "Das Verschwinden des Josef Mengele" nach dem gleichnamigen Roman von OlivierGuez zu sehen ist. Im Lauf der letzten knapp 30 Jahre hat Diehl international mit so ziemlich allen zusammengearbeitet, die in Arthaus und ambitioniertem Hollywoodkino einen Namen haben. "Die Faszination, die Diehls Spiel aus seinen Figuren holt, liegt dabei nicht in der Offenbarung, sondern im Verbergen. Bereits in seinem Kinodebüt '23 - Nichts ist so wie es scheint' (1998) unterlegt Diehl seine Figur, den Hacker Karl Koch, mit einer Melancholie, die sich zunächst nicht zeigen will. ... Als junger Aufsteiger und als dahinsiechender Choleriker zeigt Diehl seine erstaunliche Fähigkeit, das Innenleben seiner Figuren gegen den eigenen Körper anbranden zu lassen."
Jeremy Allen White denkt als Bruce Springsteen nach "Es muss jetzt mal Schluss sein mit den Biopics", ächzt Joachim Hentschel in der SZ, nachdem er "Deliver Me from Nowhere" über den jungen BruceSpringsteen über sich ergehen lassen musste. Der Film fokussiert auf die Entstehung von Springsteens Früh-80er-Album "Nebraska": Aber "wer sich eine Filmgeschichte über einen kreativen Schaffensprozess vornimmt, sollte aber ein paar Ideen, Bilder oder Erzählstrategien zur Hand haben, um sichtbar zu machen, was im Kopf des geplagten Genies vor sich geht." Diesbezüglich scheitert der Film "spektakulär. ... So schauen wir Springsteen unendlich lange beim halbdunklen Denken zu, während der Fernseher weiß rauscht." Rüdiger Suchsland zeigt sich in seiner Artechock-Kolumne nicht weniger genervt vom Biopic-Trend.
Karen Krüger unterhält sich in der FAZ mit Alejandro G. Iñárritu über dessen Film "Amores Perros", der vor 25 Jahren in die Kinos kam und über den er nun in der Fondazione Prada in Mailand eine Installation eingerichtet hat. Zu diesem Zweck hat der mexikanische Autorenfilmer das Filmmaterial von damals noch einmal neu gesichtet: "Wir haben damals 304 Kilometer Filmmaterial gedreht. Die endgültige Fassung enthält weniger als zwei Prozent davon. ... Ich schaute mir alles an, und mir gefielen auf einmal Dinge, die ich früher nicht bemerkt hatte. Das Material kam mir vor wie eine Plazenta: Es hatte einen Film genährt, der vor 25 Jahren entstand. Aus diesem Fluss an Bildern entstand die Installation. Es gibt keine Erzählung, nur bildliche und akustische Fragmente. 'Sueño Perro' ist alles, was 'Amores Perros' nicht war, und doch trägt sie dessen emotionale DNA in sich und Bilder, Worte, Gefühle, die damals prägend für uns in Mexiko waren."
Weitere Artikel: Für die FAS unterhält sich Mariam Schaghaghi mit ChristophWaltz, der in GuillermodelToros "Frankenstein"-Adaption (unsere Kritik) zu sehen ist. Katrin Hillgruber berichtet auf Artechock vom Filmfestival in Warschau.
Besprochen werden Claire Simons auf der Viennale gezeigter Dokumentarfilm "Writing Life: Annie Ernaux Through the Eyes of High School Students" (Standard), PamelaHogans Dokumentarfilm "Ein Tag ohne Frauen" (Artechock), Guillermo del Toros "Frankenstein" (critic.de, Artechock, NZZ), Agnieszka Hollands "Franz K" (Artechock, Jungle World), JulienColonnas "Kingdom - Die Zeit, die zählt" (Artechock), Bernd Sahlings "Ab morgen bin ich mutig" (Artechock) und die ARD-Serie "Schattenseite" (FAZ).
Oral History der linken USA: Der Film "Union Maids" von Jim Klein, Miles Mogulescu und Julia Reichert. USA 1976
Eine spannende Zeitkapsel: Das DOKLeipzig zeigt in der Retrospektive in diesem Jahr (soweit ermittelbar) alleamerikanischenFilme, die zu DDR-Zeiten auf dem Festival gelaufen sind. Kuratiert wurde die Schau von Perlentaucher-Kritiker Tilman Schumacher und Tobias Hering. Lukas Foerster hat für critic.de sehr ausführlich mit den beiden gesprochen. "Das Interesse" der DDR-Organisatoren "war tatsächlich grundsätzlich ein thematisches", sagt Hering, um eine "möglicherweise experimentelle Machart" ging es nicht. "Von Dokumentarfilmen aus den kapitalistischen Ländern wurde erwartet, dass sie dortigeMissstände thematisierten und sich kritisch dazu positionierten. Das spricht aber noch nicht gegen die Filme. Missstände der eigenen Gesellschaft zum Thema zu machen, ihr den Spiegel vorzuhalten etc. ist ja ein weit verbreiteter und respektierter Selbstanspruch von Dokumentarfilmer*innen. Tendenziös wurde dann erst der Kontext, in dem diese Filme in Leipzig gezeigt wurden, denn in den Filmen aus den sozialistischen Ländern fand eine vergleichbar kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Gesellschaft nicht statt."
Weiteres: Yelizaveta Landenberger berichtet in der taz vom Ukrainischen Filmfestivalin Berlin. Besprochen werden KirillSerebrennikows "Das Verschwinden des Josef Mengele" nach dem gleichnamigen Roman von OlivierGuez (FAZ, mehr zum Film bereits hier), AgnieszkaHollandsKafka-Biopic "Franz K." ("Weitere Filmbiografien des Dichters aus Prag braucht niemand mehr", stöhnt Andreas Kilb genervt in der FAZ, Welt, mehr zum Film bereits hier), GuillermodelToros "Frankenstein" (SZ, unsere Kritik) und ScottCoopers Biopic "Deliver Me From Nowhere" über den jungen BruceSpringsteen (Welt).
Szene aus Guillermo del Toros "Frankenstein". Als "alchemistischen Wahnsinnsakt" siehtPerlentaucher Kamil Moll Guillermo del Toros "Frankenstein" - Film: "Augenfällig und erfreulich vulgärpsychologisch verlagert er eines der Kraftzentren der Geschichte: Den inneren Antrieb, neues, unschuldiges Leben zu erschaffen verbindet der Film mit dem Bemühen Frankensteins, die eigene verlorene Kindheit wiederzuerlangen. Die früh verstorbene Mutter, von der für den jungen Viktor nur ein blutiger Handabdruck auf seinem Hemd bleibt, erscheint ihm Jahre später ersatzödipal in Gestalt der Verlobten seines Bruders William (Felix Kammerer) wieder. Beide Frauenrollen spielt die sonst für ihr wundersam expressives Spiel bekannte Schauspielgöttin Mia Goth erstaunlich zurückgenommen und ätherisch: ein unerreichbares Sehnsuchtsobjekt, das del Toro hintersinnig in zahlreiche farbsatte Gewänder kleidet, geschmückt mit blau gefärbten Federn im Haar oder einem strahlend roten Kruzifix aus Glas." Es gibt also viele tolle Ideen, allerdings droht der Film bisweilen unter dieser Fülle an Details und Einfällen erdrückt zu werden, so Moll.
In der FR schwärmt Daniel Kothenschulte von der "malerischen Bildgestaltung" - sieht aber auch Schwächen : "Mit seiner schwelgerischen Ausstattung, traumhaften Kostümen und betörenden Filmsets sowie der lyrischen Sinfonik des Soundtracks von Alexandre Desplat hat sich del Toro nun selbst in die vorderste Reihe aller Shelley-Verfilmungen eingeschrieben. Ganz ohne Narben und Fehlstellen ist aber auch sein Monster nicht gelungen. Unentschlossen in der Balance zwischen Fantasy und Horror würzte er den Film mit selbstzweckhaft-blutrünstigen Szenen wie dem Auftritt eines Wolfsrudels, das in seiner Digitalanimation mit dem Reiz des Handgemachten bricht. Merkwürdig unentschlossen ist auch sein Verhältnis zur Sexualität: Einerseits deutet sich eine homosexuelle Lesart an. Andererseits verdeckt er jedes vermeintlich anzügliche anatomische Detail."
Weiteres: Antonia Baum hat sich für die Zeit die neue Haftbefehl-Doku auf Netflix angeschaut, in der FAZ schreibt Sebastian Eder dazu. In der tazsprechen drei BetreiberInnen von Independent-Kinos in Berlin, die von der Schließung bedroht waren, darüber, wie sie es geschafft haben, durchzukommen. Besprochen wird Scott Coopers Film "Deliver Me From Nowhere" über den jungen Bruce Springsteen (FAZ, NZZ), Agnieszka Hollands Film "Franz K." (unser Resümee) (taz) und Kirill Serebrennikows "Das Verschwinden des Josef Mengele" (taz).
Ein Kafka, der die vierte Wand durchbricht: Idan Weiss in Agnieszka Hollands "Franz K." Die Filmkritik ist sich uneins über AgnieszkaHollandsKafka-Biopic "Franz K.". SZ-Kritikerin Kathleen Hildebrand etwa ist völlig hingerissen und lobt die polnische Autorenfilmerin dafür, "dass sie Kafka bei all seiner Seltsamkeit als modernenMenschen verständlich macht. Dass sie seine Wunderlichkeit zeigt, ohne sie absurd zu finden. Manchmal schaut ihr Kafka, gespielt von dem ihm erschreckend ähnelnden IdanWeiss, direkt aus einer Szene heraus in die Kamera: Als könnte vom Zuschauer Verständnis kommen für sein Hadern mit der Verlobung mit Felice Bauer aus Berlin. Ein Kafka, der die vierteWanddurchbricht: was für eine Idee." Die Regisseurin "verzichtet aufs Erzählen und belässt es bei einer anspielungsreichen wie bestürzenderkenntnisarmenCollage", stöhnt hingegen Jens Hinrichsen im Tagesspiegel. "Auf längere Sequenzen, die Sinnzusammenhänge herstellen, wartet man vergeblich." Für den Filmdienst hat Hinrichsen mit der Regisseurin gesprochen.
Weiteres: Der Filmdienstgibt die Shortlist für den Willy-Haas-Preis bekannt, mit dem besonders verdienstvolle Filmbücher und Heimkino-Editionen ausgezeichnet werden. Besprochen werden GuillermodelToros "Frankenstein" (taz), ScottCoopers Biopic "Deliver me from Nowhere" über Bruce Springsteen (Standard) und Ben StillersApple-Doku über seine Eltern (SZ).
Geht all in: August Diehl als Josef Mengele Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche wird aus KirillSerebrennikows Schwarzweiß-Adaption von OlivierGuez' ohnehin schon "etwas rätselhaftem" Roman "Das Verschwinden des Josef Mengele" nicht recht schlau: "Interessant an dem Roman ist im Grunde all das, was Serebrennikow weggelassen hat. Das kleinbürgerliche, von Menschenverachtung und Ressentiments zerfressene Milieu der Nazis, die sich in Südamerika in konspirativen Sitzungen treffen und über einen gewaltsamen Umsturz in Deutschland sprechen - während die Deutschen längst am Wirtschaftswunder partizipieren. ... Im Kino funktioniert der innere Monolog allerdings nur bedingt, darum bedarf es schon eines exaltierten Darstellers, um diesen Un-Charismatiker zu verkörpern. Und AugustDiehl legt sich gewaltig ins Zeug: Je tiefer Mengele sich im Leid seines Schicksals suhlt, desto rumpelstilzchenhafter wirkt seine Performance. Er flucht, schreit, tobt. Diehl geht, anders kann man es nicht beschreiben, all in." Doch "als Psychogramm bleibt 'Das Verschwinden des Josef Mengele' zu sehr auf die Schauwerte reduziert. Es gibt an der Figur Mengele letztlich nichts zu erklären."
Außerdem: Valerie Dirk spricht für den Standard mit der Filmemacherin JohannaModer über deren auf der Viennale gezeigtes Mutterschaftsdrama "Mother's Baby". In der FAZgratuliert Jan Brachmann dem Filmregisseur NikitaMichalkow zum 80. Geburtstag. Besprochen werden AzizAnsaris Komödie "Good Fortune" mit Keanu Reeves als Schutzengel (Jungle World) und die Amazon-Serie "Gen V" (FAZ).
Mariam Schaghaghi spricht für die Welt mit LucaGuadagnino über dessen MeToo-Uni-Drama "After the Hunt", in dem sich JuliaRoberts als Philosophieprofessorin immer tiefer in in einem Netz aus Lügen und Intrigen verstrickt (mehr zum Film hier, außerdem dort unsere Kritik). Für den Regisseur hat der Film auch mit der Meinungs- und Diskurskultur der Gegenwart zu tun: "Das20. Jahrhundertistvorbei, und mit ihm die Vorstellung, dass der moralische Kompass von Intellektuellen geprägt wird. Heute ist jede Meinung valide, auch wenn sie von der unsichtbaren Hand und einem Konsens der Mehrheiten gesteuert wird. ... Unsere Identitäten werden von der Allgegenwart des Digitalen so stark geformt, dass wir nicht bemerken, dass wir nur noch 'agiert werden' anstatt zu agieren. Mit künstlicher Intelligenz wird es noch brisanter: Wir sehen ein Video und wissen nicht mehr, ob es echt ist oder KI. Die Grenzen zwischen Wahrheit und Unwahrheit verschwimmen und verwirren immer mehr. Noch hinterfragen wir. Aber morgen vielleicht nicht mehr."
Weiteres: "JosefMengele war der perfekte Psychopath", sagt der Schauspieler AugustDiehl im SZ-Gespräch mit David Steinitz über seine Titelrolle in KirillSerebrennikows Verfilmung von OlivierGuez' gleichnamigem Roman. Christiane Lutz und Roman Deininger reisen für die SZ nach Salzburg, um herauszufinden, warum hier kaum einer den Kitschklassiker "The Sound of Music" kennt, obwohl er der Region zahlreiche Touristen aus aller Welt beschert.
Besprochen werden CarrieRickeys Biografie über die Autorenfilmerin AgnèsVarda (FAZ) und Kelly Reichardts "The Mastermind" (Jungle World, mehr dazu bereits hier).
Vollkommen hingerissen ist der Filmkritiker Rüdiger Suchsland in seiner Kino-Kolumne auf Artechock von einem großen Gespräch, das HertaMüller dem Dlf gegeben hat. Die Schriftstellerin "formuliert in nuce, worum es uns heute gehen muss: Die Rückgewinnung des Ästhetischen. Das ist die wichtigste Forderung für unsere Zeit. Das Ästhetische muss unter all dem Wust der Zuschreibungen, unter all den politischen Pamphleten und Manifesten, unter all der Indienstnahme für soziale und ökologische, Gerechtigkeits- und Gleichstellungs-Anliegen wieder hervorgezerrt werden und für-sich herausgestellt. Das heißt ausdrücklich nicht, unpolitische Kunst zu fordern - ganz im Gegenteil! Es heißt, von der Kunst zu fordern, dass sie mehr ist, als nur ein politisches Pamphlet. Und dies herauszuarbeiten. Es heißt, dass Kunst nicht dadurch besser oder schlechter wird, dass sie 'die richtige' oder 'die falsche' Ideologie und politische Meinung ausdrückt. Es heißt das Ästhetische als etwas Besonderes im politischen Diskurs, der nicht notwendig ästhetisch ist, herauszustellen."
Außerdem: Josef Nagel gratuliert im Filmdienst der Cinémathèquefrançaise zum 90-jährigen Bestehen. Mariam Schaghaghi spricht für die FAZ mit RebeccaMiller über MartinScorsese, über den sie für Apple eine Dokuserie gedreht hat. Jan Küveler spricht für die WamS mit GuillermodelToro über dessen "Frankenstein"-Adaption, die kommenden Donnerstag in die Kinos kommt. In Berlin wurden Filme aus Jakutien gezeigt, eine tief im Osten Russlands liegende Region, von der selbst Russen im Westen nicht genau wissen, wo sie liegt, berichtet Yelizaveta Landenberger in der taz. Valerie Dirk sieht für den Standard auf der Viennale Filme über Mutterschaft. Axel Timo Purr führt auf Artechock durchs Programm der AfrikanischenFilmtageMünchen. Rüdiger Suchsland schreibt auf Artechock einen Nachruf auf DianeKeaton (weitere Nachrufe hier). In der FAZgratuliert Jürgen Kaube dem Schauspieler JohnLithgow zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden WernerHerzogs "Ghost Elephants", der auf der Viennale gezeigt wird (Standard), ScottCoopers Biopic "Springsteen: Deliver Me From Nowhere" (taz), KellyReichardts "The Mastermind" (Artechock, mehr dazu bereits hier), LucaGuadagninos MeToo-Thriller "After the Hunt" (Artechock, critic.de, unsere Kritik), EdwardBergers "Ballad of a Small Player" (Artechock, SZ), LauraPianis "Jane Austen und das Chaos in meinem Leben" (Artechock, Standard), die ARD-Doku "Calmeyers Dilemma - Juden retten im Schatten der Nazis" (FAZ), AgnieszkaHollands Kafka-Film "Franz K." (WamS) und FlorianFrerichs' gleichnamige Verfilmung von ArthurSchnitzlers "Traumnovelle" (FAZ).
In der critic.de-Reihe zum deutschen Genrefilm widmet sich Robert Wagner (der auch für den Perlentaucher tätig ist) ausführlich der Reportfilm-WellederSiebziger: Aufgrund ihrer Defizite und ihres einschlägig spekulativen Charakters zwar leicht zu verdammen, "lauerten hinter dem Aufklärungsgestus nicht selten grelle Satiren und bittere Grotesken. ... Es geht in den Reporten selten um feine gesellschaftliche Analysen, die soziologische und sexual-psychologische Wahrheiten vermitteln wollen, aber doch immer wieder um Unschönes und Derbes im Gewand einer bitteren Gaudi. So zu verallgemeinern ist selbstredend unlauter. Die Filme sind schon jeder für sich grundlegend disparat, voller Stimmungs- und Qualitätsschwankungen, ein Panoptikum aus teutonischemHolzhammerhumor, spritzigenFrivolitäten, Ringen um Verständnis und Lässigkeit, völlig überzogenen Porträts einer gesellschaftlichen Enge, die Fassbinderfilme im Vergleich entspannt wirken lässt." Die Reportfilme "machen es einem nicht einfach, in ihnen finden sich aber Teile einer Gesellschaft, Teile von uns, die andere Filme sich nie getraut haben zu zeigen".
Außerdem: Valerie Dirk bespricht im Standard die auf der Viennale gezeigten Regiedebüts der Schauspielerinnen KristenDunst und HarrisDickinson. John C. Reilly kommt in einem italienischen Western als BuffaloBill zur Viennale, berichtet Marian Wilhelm im Standard. David Steinitz spricht in der SZ mit dem Schauspieler JeremyAllenWhite.
Besprochen werden KellyReichards "The Mastermind" (Welt, mehr dazu bereits hier), LucaGuadagninos "After The Hunt" (Perlentaucher, Tsp, mehr dazu bereits hier), KentJones' Schnitzler-Adaption "Late Fame" mit WillemDafoe (Standard) und die auf Sky gezeigte Serie "The Iris Affair" (FAZ).