Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2025 - Bühne

Marco Labellarte, Lars Eidinger, Samuel Planas (v.l.n.r.) © Jan Versweyveld, Ruhrtriennale 2025

Einen "Theaterabend, der in keine Schublade passt" erlebte Hubert Spiegel für die FAZ bei der Eröffnung der Ruhrtriennale: Ivo van Hoves hat mit "I Did It My Way" einen Hybrid aus Schauspiel- und Tanzabend, Musical und Operette geschaffen, so Spiegel. Gesungen werden Songs von Frank Sinatra und Nina Simone und zwar von Schauspieler Lars Eidinger und der Sängerin Larissa Sirah Herden. Und da gibt es deutliche Unterschiede in den Performances: "Er singt, er tanzt, er ist in manchen Songs staunenswert gut, in anderen deutlich überfordert, aber nur in den seltensten wirkt er frei - Eidinger wird in Sinatras 'Watertown' einfach nicht heimisch, während sein weibliches Gegenüber in die provokant schillernden Hüllen von Nina Simones grandiosen Songs schlüpft wie in eine zweite Haut (...) Die Sängerin, die auch als Schauspielerin und Songwriterin aktiv ist, trägt den Abend über weite Strecken mit ihrer expressiven Soul- und Bluesstimme und einer geschmeidigen Körpersprache, neben der Eidinger seiner Beweglichkeit zum Trotz doch zuweilen wirkt wie ein angeleinter Mehlsack."

Auch Max Florian Kühlem ist in der Nachtkritik (nur) streckenweise überzeugt: "Lary (Larissa Sirah Herden) findet als Frau, die irgendwann 'Goodbye' sagt und im Klischeebild ihren Koffer packt, zu Stärke, einer neuen Identität. Sie entdeckt die Geschichte ihrer schwarzen Schwestern und Brüder und in diesem Zwischenteil wird das Popmusiktheaterding vollends zur amerikanischen Erzählung: Da flimmern Bilder und Reden von Martin Luther King über die amerikanische Landhaus-Rückwand im Zentrum des Bühnenbilds, Lary singt 'Why? (The King of Love is Dead)', rückt auf die Publikumstribünen vor und berührt mit berückendem Gesang und einer Mimik, die den Tränen nah scheint."

Alexander Menden zollt der experimentellen Seite in der SZ Tribut: "Van Hove will Menschen, die in einem performativen Bereich sehr trittsicher sind, in einen anderen versetzen, und dann sehen, wie sich solide Bühnenerfahrung mit tastender Erkundung von Neuland mischt. Das Ergebnis ist nicht immer technisch perfekt, aber immer spannungsreich und reizvoll. Aus dem unroutinierten Gestus heraus entsteht etwas Wahrhaftiges."

Weitere Artikel: Egbert Tholl teilt in der SZ Impressionen vom Kunstfest Weimar. In der FAZ gratuliert Irene Bazinger der Schauspielerin Carmen-Maja Antoni zum Achtzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2025 - Bühne

In der Welt bedauert Manuel Brug zwar, dass sich die amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato aus dem konventionellen Opernbetrieb weitgehend zurückgezogen hat, umso lieber hört er sie mit 24 Dickinson-Songs bei den Bregenzer Festspielen. Dorothea Walchshäusl besucht für die NZZ das Opernfestival in der Arena di Verona und erfährt von dessen Intendantin Cecilia Gasdia, wie sie das Festival nach Krisen durch Misswirtschaft und die Pandemie fit für die Zukunft machen will. Besprochen wird Miet Warlops Stück "Inhale Delirium Exhale" beim Zürcher Theaterspektakel (NZZ).
Stichwörter: Bregenzer Festspiele, Oper, Verona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2025 - Bühne

Szene aus "Internal Climate". Foto: Jelizaveta Gross

Für eine vom dortigen Freedom-Festival unterstützte Recherche ist Tom Mustroph (taz) in die estnische Grenzstadt Narva gereist, wo er russischsprachiges politisches Theater erlebt, das der Bedrohung durch den Nachbarn trotzt. Der Großteil der Bevölkerung ist russischstämmig: "Ursache ist ein radikaler Bevölkerungsaustauch nach dem Zweiten Weltkrieg. '1944 bombardierten die Sowjets Narva. Den Einheimischen wurde danach nicht erlaubt, in die Stadt zurückzukehren. Stattdessen wurden Menschen aus allen Gegenden des Riesenreichs nach Narva gebracht, erzählt (Piret, Anm. d. Red.) Jaaks. Die letzten 80 Jahre Migrationsgeschichte in Narva hat sie in ihrem Dokumentartheaterstück 'Internal Climate' für das Festival komprimiert. Sie fokussiert sich dabei auf die einst geheime Fabrik Baltijets. Hier stellten ausschließlich russischstämmige Menschen unter anderem Bauteile für das Atomwaffenprogramm und das Weltraumprogramm der einstigen Sowjetunion her. ...  Aus den Interviews mit ehemaligen Beschäftigten des Werks, die die Grundlage des Stücks bilden, ging auch hervor, dass viele sich zwar als russisch identifizieren, sie aber keinesfalls von Wladimir Putin in dessen Riesenreich 'heimgeholt' werden wollen." 

Weitere Artikel: Die Zeit stopft das Sommerloch, indem sie den jüdischen Publizisten Meron Mendel, der erklärtermaßen nichts mit Oper und noch weniger mit Wagner am Hut hat, für den Feuilleton-Aufmacher zu den Bayreuther Festspielen schickt. Ebenfalls in der Zeit ist Peter Kümmel hingerissen von Kirill Serebrennikovs Adaption von Vladimir Sorokins Roman "Der Schneesturm" bei den Salzburger Festspielen, vor allem dank Filipp Avdeev als Kutscher und August Diehl als Arzt (mehr hier). Besprochen wird außerdem Brett Baileys kolonialismuskritische Inszenierung "FaustX" beim Kunstfest Weimar (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Bühne

Rossini Opera Festival - Zelmira. Foto: Amati Bacciardi

Das Libretto der Rossini-Oper "Zelmira", deren Aufführung Manuel Brug für die Welt auf dem Rossini-Festival in Pesaro bewundern durfte, ist ein recht krudes, melodramatisches Tohowabohu - aber musikalisch wird der Abend zum Hochgenuss, denn: "Eine Colbran-Stimme, dunkel und sinnlich, dabei leidenschaftlich attackierend, doch mit strahlender Höhe, die besitzt die unorthodoxe, gern als eine Art Gothic Soprano antretende Anastasia Bartoli." Diese macht "aus diesem dreistündigen Verzierungsirrgarten und Koloraturenparcours der Extraklasse eine tolle Show als Darstellerin wie Sängerin. Dabei geizt sie nicht mit Spitzentönen, wagemutigen Intervallsprüngen, aber auch edel gesponnenen Melodien, insbesondere in ihrem Duett wie Terzett mit Marina Viotti als Vertraute Emma."

Außerdem: Egbert Tholl berichtet in der SZ vom Zürcher Theaterspektakel, bei dem unter anderem vermeintliche SUVs im Zürisee herumfahren, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Regine Müller blickt in van auf einige kleinere Formate bei den Salzburger Festspielen, die ihr außerordentlich gut gefallen haben. Besprochen wird Kirill Serebrennikovs Salzburger-Festspiele-Inszenierung von Vladimir Sorokins "Der Schneesturm" (Welt, "Stillstand bei gleichzeitiger Bühnenhektik", siehe auch hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.08.2025 - Bühne

Zaide oder Der Weg des Lichts 2025: Lea Desandre (Persada), Sabine Devieilhe (Zaide), Pygmalion Choir
© SF/Marco Borrelli 

Einen "Cliffhanger für alle Zeiten" hat Mozart mit seinem Singspiel-Fragment "Zaide" geschaffen, erinnert Judith von Sternburg in der FR. Das Libretto ist verloren gegangen und so bricht die Handlung da ab, wo es am spannendsten wird: Werden Zaide und ihr Gebliebter Gomatz nach einer misslungenen Flucht aus dem Palast von Soliman hingerichtet oder nicht? Bei den Salzburger Festspielen gibt nun der libanesisch-französische Dramatiker Wajdi Mouawad eine Antwort, verrät die Kritikerin, und hat, inszeniert von Birgit Kajtna-Wönig, "eine typische Mouawad-Geschichte geschrieben, finster, auch durchaus pathetisch. Die Handlung wird hier übel enden. Aus dem Serail ist ganz blank ein Gefängnis geworden. Soliman und sein Handlanger Allazim lassen hier foltern und legen auch selbst Hand an." Sternburg schwärmt: "Musikalisch und darstellerisch ist das Niveau enorm, luxuriös. Sabine Devielhe und Lea Desandre sind als Sopran und Mezzo im extrabeweglichen, aber fundierten lyrischen Fach erste Klasse."

Einen "grandiosen Abend" verbringt auch SZ-Kritiker Reinhard J. Brembeck und würdigt die Leistung von Dirigent Raphaël Pichon, der das Stück musikalisch ergänzte. Er "verschärft die Todesatmosphäre durch andere Stücke Mozarts, vor allem durch Nummern aus der mit Moll gefluteten Kantate 'Davidde penitente'. Gerade die vier von den umjubelten 'Pygmalion'-Sängern exekutierten Chöre sind ganz Hoffnungslosigkeit, Düsternis, Eschatologie."

Besprochen wird Kirill Serebrennikovs Inszenierung von Vladimir Sorokins "Der Schneesturm" bei den Salzburger Festspielen (NZZ, taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2025 - Bühne

"Der Schneesturm". Bild: Sandra Then.


Kirill Serebrennikov bringt bei den Salzburger Festspielen "Der Schneesturm" von Vladimir Sorokin auf die Bühne, Nachtkritikerin Sabine Leucht fragt sich, ob er bei der Geschichte um den Landarzt Dr. Garin nicht etwas zu dick aufträgt. Garin soll die Menschen davor bewahren, durch eine Infektion zu Zombies zu werden, doch ein Schneesturm kommt ihm in die Quere: "Da ist Mords was los, und das internationale Ensemble ist auch musikalisch schwer auf Zack (...) der Schneesturm ist im Russischen weiblich und kommt hier auch an Klischees wie leicht bekleidete, kichernde Mädchen und dämonische Verführerinnen nicht herum. Und spätestens wenn Subtext zum Merkspruch wird wie in 'An sich selbst kommt man nicht vorbei', wird es platt. (…) Eine Steppeinlage und einen Tanz in einer riesigen Schneekugel gibt es praktisch kontextlos, ein minutiös auserzählter Drogentrip wird als große Läuterungs- und Vorhöllenerfahrung ausgeschlachtet. Wer richtig kitschige Lichtstimmungen mag, kommt dabei voll auf seine Kosten."

Für Egbert Tholl in der SZ ist August Diehl in der Hauptrolle ein Lichtblick in einer ansonsten wenig erfreulichen Inszenierung: "Der zweite Teil der gut drei Stunden langweilenden Aufführung hat ein bisschen was von Revue, irgendwie ironisch oder vielleicht auch nur bewusster Unsinn. Das Blöde an dieser Aufführung: Sie entwickelt keinen Sog. Obwohl sie genau darauf angelegt zu sein scheint, denn analytisch, vielleicht gar politisch aufklärerisch ist hier nichts. Muss ja auch nicht sein, ist ja eine eigene Kunstwelt. Die man, von Diehls Spiel abgesehen, weitgehend unbeteiligt betrachtet. Die Bühne ist offen und ein analoges Theaterbastellabor."

Ronald Pohl macht im Standard auf die fast gruselige Weitsichtigkeit aufmerksam, mit der Sorokin in dem Buch vor rund 15 Jahren schon auf futuristische Weise Züge des heutigen Russlands vorausgesehen hat. Für Simon Strauß in der FAZ bleibt die Poesie, die er aus der Buchvorlage kennt, auf der Bühne "ein wenig auf der Strecke". Auch FR und Spiegel Online sind nach Salzburg gereist und berichten.

Weiteres: Katrin Müller besucht für die taz das Berliner Festival Tanz im August. Ebenfalls für die taz stellt Katrin Ullmann die Theatermacherin Mabel Preach vor. Boris Motzki stellt in der FAZ den "reichen Dramenkosmos" des Baltikums vor, der hierzulande fast unbekannt ist. Valerie Heintges ist für die Nachtkritik auf dem Zürcher Theater Spektakel unterwegs.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2025 - Bühne

Nachtkritiker Michael Bartsch setzt sich im sächsischen Pirna aufs Fahrrad und radelt nach Reinhardtsdorf-Schöna, wo das Ensemble der Sandsteinspiele auf einer Wiese "Überall ist Schöna" aufführt. "Die sächsische Schweiz zeigt, wie's geht", staunt er angesichts der dort gebotenen Zukunftsvision: "Sage keiner, in manchen ländlichen Räumen sei die Zeit stehen geblieben! Hundert Jahre später entsteigen 2125 einer FCKW-freien Kühltruhe aus dem VEB dkk Scharfenstein vier Gestalten. Nach einer feuchten Sause mit dem Bowlengetränk 'Kalte Ente' im laufenden Jahr 2025 wurden sie versehentlich eingefroren. Walter hat noch immer 'einen Riesenschädel von der Schnapsbowle'. Aber seine Liebste Renate ist bestürzt, weil ihr Häuschen plötzlich verschwunden ist. Denn hier wird laut Schild ein Atomkraftwerk gebaut. Ein typischer Einstieg von Texter und Regisseur Arnd Heuwinkel, anfangs 2013 selbst Profi-Schauspieler. ... Zuschauer packt die Erkenntnis, dass hier Folgen heutiger Trends und Entwicklungen über ein Jahrhundert weitergedacht werden."

Weitere Artikel: Thomas David porträtiert in der FAS den Schauspieler Jens Harzer, den er ein Jahr begleitet hat: Harzer wechselt im Herbst vom Thalia Theater zum Berliner Ensemble. Jürgen Kesting unterhält sich für die FAZ mit Cecilia Bartoli über die Vivaldi-Collage, die sie mit Barrie Kosky für die Salzburger Festspiele entwickelt hat und ihr Programm für die nächsten Pfingstfestspiele. Dorion Weickmann ruft in der SZ zum Abschied der Tänzer António Casalinho und Margarita Fernandes traurig Servus: Die beiden gehen von München nach Wien. Egbert Tholl bedauert in der SZ den Weggang der Schauspieldirektorin Marina Davydova von den Salzburger Festspielen: "Davydova verstand die Festspiele nicht. Und die verstanden sie nicht. Es passte nicht." Gerhard Stadelmaier empfiehlt in "Bilder und Zeiten" (FAZ) Gotthold Ephraim Lessings "Der junge Gelehrte". "Verfertiget im Jahre 1747": "Da war der Autor etwas über achtzehn, ein junger, überbrillanter Wissensaufsauger und literarisch sofort wieder Weiterstreuer, Verwerter und Unter-die-Leute-Bringer". Wiebke Hüster gratuliert in der FAZ der amerikanische Balletttänzerin Suzanne Farrell zum Achtzigsten.

Besprochen wird noch die Eröffnung des Zürcher Theaterspektakels mit der französisch-katalanischen Tanzkompanie Baro d'evel (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2025 - Bühne

Szene aus "Derniers Feux" © Tanz im August

So recht zünden will die Eröffnung des Festivals Tanz im August durch den französischen Choreografen Némo Flouret und dessen Stück "Derniers Feux" bei Sandra Luzina (Tagesspiegel) trotz pyrotechnischer Effekte und Kostüme von Issey Miyake nicht: "Flouret hat die Losung ausgegeben, dass alle alles machen - auch wenn sie es nicht richtig können. Den musikalischen Darbietungen fehlt deshalb professionelles Niveau. Zu dem Trommler auf dem Gerüst gesellt sich ein Gitarrist, der bald auch zu singen anfängt: ein englisches Lied mit banalem Text, denn eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen. Der Sound verbessert sich auch nicht, als ein Melodica-Spieler hinzukommt. Zur Punk-Attitüde reicht es nicht."

Weitere Artikel: In der SZ verabschiedet Dorion Weickmann wehmütig das Tänzerpaar António Casalinho und Margarita Fernandes, die vom Bayerischen Staatsballett ans Wiener Burgtheater wechseln. Besprochen wird Ulrich Rasches Inszenierung der Donizetti-Oper "Maria Stuarda" bei den Salzburger Festspielen (Welt, mehr hier) und das szenische HipHop-Konzert "Longing to tell - A Blues Opera" von akua naru, Tyshawn Sorey, Anta Helena Recke, Ensemble Resonanz, nach "Longing to tell" von Tricia Rose (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2025 - Bühne

Nadine Conti greift in der taz einen Skandal um das Theater Osnabrück auf (unser Resümee). Regisseur Lorenz Nolting und die Dramaturgin Sofie Boiten erarbeiteten zusammen mit einem Missbrauchsopfer ein Stück, in dem der sexuelle Missbrauch durch Kirchendiener thematisiert werden sollte. Als aber die Proben begannen, stellte sich Intendant Ulrich Mokrusch plötzlich quer, das Regieteam gibt an, er habe  "darauf gepocht, dass man die Gefühle von Gläubigen im Publikum schützen müsse" und "religiöse Symbole nicht diskreditieren dürfe". Nun wird das Projekt nicht mehr realisiert, eine Protestveranstaltung, zusammen mit der Giordano-Bruno-Stiftung und dem Aktionskünstler David Farago fällt wohl auch ins Wasser, so Conti: "Farago hat schon öfter mit spektakulären, öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor dem Kölner Dom oder auch in Rom dafür getrommelt, der Kirche die Missbrauchsaufarbeitung endlich aus der Hand zu nehmen. Farago plant nun, mit einer fahrbaren Bühne anzurücken, auf der das Regie-Team inklusive Karl Haucke, aber auch Vertreter aus Lokalpolitik und Bistum sitzen sollen - und zwar möglichst nah am Theater oder Dom. Die Stadt tut sich allerdings schwer damit, diese Aktion zu genehmigen, weil dort gleichzeitig noch die sommerliche Konzertreihe 'Theater-Beach' stattfindet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2025 - Bühne

Foto: Hotta Rikimaru / New National Theatre Tokyo


Sieben Höllenkreise muss Rezensent Max Nyffeler für die FAZ durchqueren, um am Ende von Toshio Hosokawas Oper "Natasha", die "rettende Kraft der Liebe" zu erfahren. Im New National Theatre Tokyo öffnen sich: "Die Hölle der entlaubten Wälder, die knallbunte Plastikhölle des Vergnügens, die Fluthölle, die stupide Businesshölle, die Sumpfhölle der politischen Parolen und Agitatoren, die Feuerhölle der Umweltzerstörung und als letzte Konsequenz die Hölle der absoluten Dürre. In der Musik zu diesem Weltuntergangsmenetekel präsentiert sich Hosokawa - ein Novum für ihn - als genuiner Polystilist. Die Vergnügungshölle charakterisiert er durch grelle, teilweise improvisierte Klänge von E-Gitarre und Saxophon, die roboterhaft agierenden Businessmenschen mit monotonen Minimalismus-Mustern. Über weite Strecken dominiert jedoch ein vorwiegend mit Kurzmotiven, Heterophonien und Akkordschichtungen gearbeiteter katastrophischer Tonfall, harmonisch gewürzt mit dem allgegenwärtigen Tritonus, dem 'diabolus in musica'."

Nachtkritik bringt einen Auszug aus einer Bearbeitung des Stücks "Das Salzburger große Welttheater" von Hugo von Hofmannsthal durch die Schriftstellerin Lydia Haider.
Stichwörter: Hosokawa, Toshio