Herausgegeben von Wolfgang Eßbach, Joachim Fischer und Helmut Lethen. Späte Aktualisierungen, Historisierungen und Systematisierungen verwandeln Plessners "frühe Sozialphilosophie mit liberalem Ethos" seit zehn Jahren in ein energetisches Zentrum verschiedener Diskurslinien: Der Streit, ob seine "Grenz-Schrift" eher im Textkontinuum mit Schmitts Dezisionismus und der "kalten Verhaltenslehre" der 1920/30er Jahre zu lesen oder als lebensphilosophische Ausdrucks-"Logik der Öffentlichkeit" zu entziffern sei, kreuzt sich mit der 1968er Vergangenheitsbewältigung und der kommunitaristischen Debatte über die Grenzen der Gesellschaft. Inzwischen zieht Plessners Schrift internationale Aufmerksamkeit auf sich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2002
Helmuth Plessners 1924 polemischer Essay "Grenzen der Gemeinschaft" wurde bei seiner Erstveröffentlichung kontrovers diskutiert, geriet aber bald in Vergessenheit. Erst in den achtziger Jahren begann eine Wiederentdeckung, die mit dem Buch "Verhaltenslehren der Kälte" des Literaturwissenschaftlers Helmut Lethen ihren Höhepunkt erreichte. Lethen hatte Plessner darin zum Kronzeugen einer neuen theoretischen und ethischen Sachlichkeit in den zwanziger Jahren gemacht - und die Rezeption von Plessners Buch hat sich davon, wie Ulrich Raulff (der Lethens Buch dennoch ausdrücklich lobt) meint, "bis heute nicht erholt". Ein entscheidendes Versäumnis kennzeichnet auch diesen Diskussionsband, findet der Rezensent: der frühe Text werde nicht in den Kontext des nur scheinbar ganz anderen Buches "Die verspätete Nation" gerückt, in den er gehört. Beides, so Raulff, sind zwei Seiten derselben Medaille: eine "Kritik der Deutschen Ideologie".
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