Silvia Federici hat mit "Caliban und die Hexe" einen Grundlagentext des materialistischen Feminismus vorgelegt: Sie stellt darin ausführlich dar, weshalb mit der Verbreitung des Kapitalismus in Europa im 16. und 17. Jahrhundert die Hexenverfolgung einherging. In Hexenjagd fasst sie die Erkenntnisse gut verständlich zusammen und überträgt sie auf die heutige, spezifisch gegen Frauen gerichtete Gewalt, insbesondere in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern. Damit lässt sich diese Gewalt, parallel zur Hexenverfolgung, als Phänomen im Zusammenhang kapitalistischer Einhegungen im Zuge der Globalisierung begreifen. Dies führt auch für soziale Bewegungen heute zu der elementaren Frage, wie die frauenspezifische Ausbeutung im Kapitalismus sowie die brutale Gewalt durch Zwangssterilisationen, Vergewaltigungen und Morde überwunden werden können.
Rosemarie Nünning ist frustriert vom "romantischen Antikapitalismus", der sich in Silvia Federicis "Hexenjagd" findet. Darin arbeitet die italienische Feministin der Rezensentin zufolge längst widerlegte Fakten auf und verzettelt sich in argumentativen Widersprüchen. Wenig überzeugend findet Nünning die "erstaunlichen Behauptungen", die Federici bereits in ihrer 2012 erschienenen Publikation "Caliban und die Hexe" aufstellt hatte. Dass die Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert dem Durchsetzen des Kapitalismus diente, hält Nünning für historisch ebenso widerlegt wie die These, dass die Unterdrückung der Frauen zur Herstellung einer Lohnarbeiterschaft in Europa 100.000 weibliche Opfer forderte. Das willkürliche Erweitern, Relativieren und Interpretieren von Begriffen entwertet in den Augen der Rezensentin das Unterfangen Federicis, das sie als "Befindlichkeitstheorie" abtut.
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