"Tremate, tremate, le streghe son tornate!", riefen die Feministinnen der 1970er Jahre bei ihren Demonstrationen auf den Straßen Italiens. Nicht nur für die Neue Frauenbewegung, auch für die damals entstehende feministische Forschung war die historische Hexenverfolgung ein großes Thema. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Forschungen zur Dämonologie der Frühen Neuzeit - jener bedeutenden historischen Epoche zwischen 1500 und 1700 - differenziert vorangetrieben und um die Kategorie "Geschlecht" sowie dabei nicht zuletzt um einen vielfältigen Bezug auf "Männlichkeit" erweitert... Das Buch gibt einen Forschungsüberblick anhand ausgewählter Textbeispiele aus der frühneuzeitlichen Dämonologie, leistet darüber hinaus jedoch seinen eigenen Beitrag zur Erklärung sowohl der zahllosen weiblichen wie aber auch der in der Forschung lange Zeit vernachlässigten männlichen Opfer der europäischen Hexenverfolgung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2018
Nichts Neues liest Urs Hafner in dem Buch der Historikerin Claudia Opitz-Belakhal. Mehr als den Wissensstand der Hexenforschung samt Vorstellung der einschlägig bekannten Schriften von Heinrich Kramers "Hexenhammer" bis Agrippa von Nettesheims Kritik an den Hexenprozessen bekommt er nicht geboten. Neu geschrieben sind tatsächlich nur zwei der zehn Kapitel des Buches, stellt er enttäuscht fest, sogar die Synthese ist schon über zehn Jahre alt. Gut lesbar findet er den Band informativ, etwas betulich auch, aber ein wirklich spannendes Buch zur Hexenforschung bräuchte mehr Fantasie und Mut, eine neue Geschichte zu erzählen, meint er.
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