Kurt Flasch

Der Teufel und seine Engel

Die neue Biografie
Cover: Der Teufel und seine Engel
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406684128
Gebunden, 462 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Der Teufel stammt nicht aus Europa, sondern aus dem Orient. Aber jahrhundertelang lag sein Schatten auf dem Kontinent und nahm von da aus den Weg in die neue Welt. Die Europäer erlitten Satan (wie er auf Hebräisch heißt), aber sie verwandelten ihn auch, veränderten den Teufel nach ihrem Bild und Gleichnis. Er nahm die Form an, die gebraucht oder gefürchtet wurde. Er wechselte sein Gesicht und passte sich den Europäern an, die ihn riefen.
Kurt Flasch erzählt in zwanzig Kapiteln die Geschichte des Teufels. Das Buch beschreibt die biblischen Anfänge und die Ausgestaltung der Satanologie durch die Kirchenväter und im Mittelalter, die verhängnisvolle Verbindung von Satan und Sexualität und von Teufelsglauben und Hexenwahn, es macht einen Besuch in der Hölle und widmet sich dem dortigen Personal, den Engeln des Bösen, aber es geht darüber hinaus bis in die Gegenwart.
Der Teufel hat sich gründlich in den Alltag der Menschen eingemischt, bis endlich im Zeitalter der Aufklärung seine Macht beschnitten wurde. Trotzdem reden heute evangelikale Kreise, fundamentalistische Gruppen und das Römische Lehramt wieder viel und realistisch von Satan. Papst Johannes Paul II. hat das von 1614 stammende Ritual der Teufelsaustreibung (Exorzismus) anno 1998 überarbeitet und erneuert. Flaschs Sympathie gilt in seiner großen Erzählung besonders jenen Denkern, die die Herrschaft des Teufels nicht bestärkt, sondern an seiner Entmachtung mitgewirkt haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2016

Rezensent Hans-Albrecht Koch begegnet einmal mehr dem Freigeist, dem Atheisten Kurt Flasch in diesem Buch über den Teufel. Flapsig mitunter, aber sympathisch und vor allem voller Gelehrtheit beschreibt ihm der Philosophiehistoriker die Erfolgsgeschichte des Teufels auf der Bühne der Religionsgeschichte. Dass der Autor dabei konkret wird und sich für die Lebensverhältnisse des Teufels interessiert, weniger für den Teufel als Metapher des Bösen, scheint Koch zu gefallen. Zumal das Buch dennoch als Mentalitätsgeschichte taugt, wie er versichert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2015

Rudolf Neumaier lässt sich von Kurt Flasch den Teufel austreiben. Das geht gut unterm Weihnachtsbaum, meint er. Blasphemisch findet er das nicht, dafür meisterlich ironisch. Wenn Flasch seine Spitzen gegen die Personifizierung des Bösen und seine Etablierung im Christentum abschießt, hat Neumaier teuflische Freude. Dem weiten Bogen von der Genesis über Augustinus bis Goethe folgt der Rezensent nicht nur mit Vergnügen, sondern auch mit Erkenntnisgewinn. Genüsslich Aporien ausweichend, meint Neumaier, schlägt der Autor schließlich den Teufel tot.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Stephan Speicher hätte sich einen etwas breiteren Blick auf den Teufel gewünscht. Kurt Flasch vermag ihn zweifellos zu beeindrucken, indem er Altes und Neues Testament und theologische Überlegungen zur Körperlichkeit des Teufels begutachtet und seine Beobachtungen gelehrt und zugleich eingängig geschrieben mitteilt. Auch die lebenspraktische Bedeutung theologischer Befassung mit dem Teufel kann ihm Flasch nahebringen. Zugleich spürt Speicher die Abneigung des Autors gegen die Figur des Teufels. Flaschs rein ideengeschichtliches Vorgehen jedoch lässt den Rezensenten allein mit allem Teuflischen im Volksglauben oder in den Künsten. Für eine Biografie des Teufels langt das nicht ganz, findet Speicher.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.09.2015

In seiner "neuen Biografie" über den Teufel geht es Kurt Flasch nicht nur um gelehrte Meinungen und Kontroversen zwischen Philosophen und Theologen, schreibt Rezensent Friedrich Wilhelm Graf, sondern auch um die Haltung der "einfachen Leute" zur Gestalt des urbösen Wesens. Für den Autor stelle sich weniger die Frage nach der Existenz Satans als vielmehr danach, wie jene Menschen ihr Leben gestalten, die an den Höllenfürsten glauben. Als "kundig, klar und übersichtlich" lobt Graf die Ausführungen Flaschs und zeichnet die vom Autor präsentierte Deutungsgeschichte des Teufels selbst in groben Zügen nach, von Augustinus' "Lufttier" bis hin zum Katechismus der katholischen Kirche von 1993. Über Flaschs These, ein Christentum ohne Teufel könne dauerhaft nicht überleben, ließe sich streiten, meint Graf, der offenbar seine Freude hatte an den Ausführungen des "gern gelassen heiteren" und kurzweiligen Autors.