Der Konflikt der Konfessionen prägte die europäische Neuzeit entscheidend. Doch evangelische Christen waren nicht einfach evangelisch, Katholiken nicht einfach katholisch. Sie wurden es - in einem Projekt und Prozess, den die Forschung als "Konfessionalisierung" beschreibt. Ebenso analytisch wie anschaulich beschreibt der Band den programmatischen Wandel der Kirchen und Konfessionen, ihre Verflechtung mit der politischen Macht, ihre Lebensformen und Überzeugungen, schließlich die Konflikte zwischen den religiösen Experten und den einfachen Christinnen und Christen in Deutschland zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Zeitalter der Revolutionen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2015
Andreas Holzems Buch über das "Christentum in Deutschland 1550-1850" hat das Zeug zum Standardwerk, verkündet der rezensierende emeritierte Alttestamentler Bernhard Lang. Der Kirchenhistoriker Holzem folgt dem Trend der "Entsakralisierung" der Kirchengeschichte und untersucht die Entwicklung der Konfessionalisierung vor allem in ihrer politischen und sozialen Dimension, erklärt Lang. Besondere Aufmerksamkeit schenkt Holzem dabei den Problemen, auf die beide Konfessionen beim Etablieren ihrer Normen durch die Disziplinierung der Bevölkerung gestoßen sind, so der Rezensent. Das einzige Manko ist, dass Holzem nicht stärker auf die Ursachen der ungleichen Erfolge in Wirtschaft und Bildung von protestantischen und katholischen Milieus eingeht, bedauert Lang.
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