Friedrich Hölderlin (1770-1843) wuchs in privilegierten Verhältnissen auf. Sabine Doering deckt anschaulich die Einflüsse auf, die den begabten Heranwachsenden während der Schul- und Studienzeit in Württemberg prägten: Eine Zeit, die ihn auf das Pfarramt vorbereiten sollte, während es ihn zur Dichtung drängte. In kultur-, mentalitäts- und bildungsgeschichtlicher Perspektive werden zahlreiche Briefe und Dokumente zum Sprechen gebracht. Die Schilderung eines faszinierenden Bildungs- und Reifungsprozesses führt zugleich in eine der interessantesten Epochen der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte: Zu Hölderlins Freunden gehörten Hegel und Schelling; Kants Schriften begeisterten ihn; Schiller und andere Dichter verehrte er als Vorbild. Kenntnisreich widerlegt Sabine Doering hartnäckige Legenden, die sich seit langem um Hölderlins Leben ranken, wie seine angebliche Armut oder die Verklärung seiner Liebesverhältnisse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2022
Mit Faszination verfolgt Rezensent Ewart Reder, wie sich Sabine Doering dem jungen Friedrich Hölderlin in ihrer Biografie nähert. Die Oldenburger Literaturprofessorin kombiniere hier historische Forschung mit hervorragender Erzählweise und ermögliche so, dass die Leser*innen verfolgen können, wie der im Lauffener Klosterhof geborene Hölderlin den Vater und später auch Stiefvater verliert, wie er mit 14 Jahren verspricht, Pfarrer zu werden, und wie sich seine Poesie entwickelt und verändert, erklärt Reder. Am meisten beeindruckt ihn das aus Briefstellen, Textproben und kommentierenden Zeugnissen entstehende Bild, dass sich zu Hölderlins Persönlichkeit zusammensetzt. Hier bekommt man nicht nur einen Überblick über "idealistische Bergeshöhen" und beispiellose Weiten, sondern auch über den "Innenraum einer großen Seele", schließt der Rezensent.
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