Ende der 1960er Jahre entstand in Frankfurt das Black-Panther-Solidaritätskomitee. Aktivistinnen und Aktivisten der Black Panther Party brachten weiße westdeutsche Linke und in Deutschland stationierte afroamerikanische Soldaten zusammen. In Untergrundzeitungen forderten GIs eine black revolution, skandalisierten die rassistische Diskriminierung innerhalb der US-Armee und beanspruchten, die Black Panther Party in Deutschland zu vertreten. Die Analyse dieser Zeitungen und ihrer Rezeption gibt Aufschluss über das Verhältnis zwischen afroamerikanischen GIs und ihrer deutschen Unterstützerszene und zeichnet das Bild einer spannungsvollen Protestdynamik. Pablo Schmelzer dekonstruiert die vermeintlich passive Rolle außereuropäischer Akteure innerhalb der deutschen 68er-Bewegung. So ist seine Studie nicht weniger als eine Neujustierung der Konzeption des studentischen Internationalismus. Zwar war die transnationale Allianz politisch produktiv, die ambivalente Faszination der radikalen Linken für Afroamerika führte jedoch auch zu umfassenden Auseinandersetzungen um Themen wie Identität und kulturelle Aneignung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.01.2022
Lesenswert findet Rezensent Werner Bührer das Buch des Sozialforschers Pablo Schmelzer über die von Differenzen geprägte Rezeption der Black Panthers und der afroamerikanischen GIs durch die bundesdeutsche Studentenbewegung. Die Spannungen in der Zusammenarbeit, die fragwürdigen Instrumentalisierungen (etwa der Kontakte zwischen Studentinnen und afroamerikanischen GIs oder des Rassismus) und die Gewaltbereitschaft erörtert der Autor laut Bührer aufschlussreich anhand von Quellen aus dem Hamburger Institut für Sozialforschung und internen Protokollen. Viel anregender Stoff über die Schattenseiten von '68, findet Bührer. Dem Autor gebührt Respekt, schon weil er die Akteure und ihre politischen Ansichten ernst nimmt, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2021
Rezensent Jörg Später rauft sich die Haare beim Lesen des "Forschungsdeutsch" in Pablo Schmelzers eigentlich augenöffnender Studie über Kontakte zwischen weißen Studenten und Black Panthers um das Jahr 1968. Das löbliche Anliegen einer Erfahrungsgeschichte, die blinde Flecken der 68-Forschung offenlegt, indem sie qua Lektüre von Untergrundtexten Licht in die "Gemengelage" zwischen Klassenkampf, Rassismus und Antiimperialismus bringt, erscheint Später dadurch etwas zu verlieren. Der Blick in die Lebenswelten von Campus und Kaserne scheint Später allerdings so oder so spannend und aufschlussreich.
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