Hannah Catherine Davies

Rechtsstaat und Patriarchat

Eine Geschichte sexueller Gewalt in der Bundesrepublik 1973 bis 1997
Cover: Rechtsstaat und Patriarchat
Hamburger Edition, Hamburg 2025
ISBN 9783868548761
Gebunden, 520 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Seit der Entstehung der #MeToo-Bewegung im Jahr 2017 ist das Phänomen der sexuellen Belästigung und Gewalt erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Weitgehend verschwunden aus dem öffentlichen Gedächtnis ist dagegen der jahrzehntelange Aktivismus der Neuen Frauenbewegung, die seit den 1970er Jahren männliche Gewalt gegen Frauen skandalisierte. Gegen massive Widerstände prangerten diese Aktivistinnen Vergewaltigungsmythen an, gründeten Beratungsstellen und setzten sich unermüdlich für eine Reform des Sexualstrafrechts ein. Doch erst 1997, später als in anderen europäischen Ländern, wurde der Vergewaltigungsparagraf in der Bundesrepublik schließlich reformiert.Dieses Buch rekonstruiert die jahrzehntelangen Kämpfe von Feministinnen und zeigt auf, wie sich durch sie der Blick von Öffentlichkeit, Wissenschaft und Recht auf das Problem der sexuellen Gewalt fundamental veränderte. Dabei geht es auch der Bedeutung sozialer Bewegungen und ihres Verhältnisses zum Staat nach und wirft ein neues Licht auf die Rolle von Frauen als politische Akteurinnen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.03.2026

Ein reichhaltiges Buch über den feministischen Kampf wider den patriarchalen Rechtsstaat legt Hannah Catherine Davies hier vor, so Rezensentin Anne-Kathrin Weber. Davies zeigt darin auf, wie feministische Aktivistinnen darauf hin wirkten, insbesondere auf Gesetzesverschärfungen in Bezug auf Vergewaltigungen hin zu wirken. Während lange Zeit auch Gesetzestexte nahelegten, dass Frauen unter Umständen mitschuldig an ihrer eigenen Vergewaltigung sind, drängten Feministinnen auf schärfere Verfolgung und besseren Schutz der Betroffenen. Als besonders hartnäckig erwies sich die Tolerierung von Vergewaltigung in der Ehe - erst 1997 kam es, gegen viel Widerstand und dank einer von Rita Süßmuth angeleiteten überparteilichen Initiative, zu einem Verbot. Davies' Buch ist in einem nüchtern-wissenschaftlichen Stil gehalten und verliert, meint Weber, hier und da ob der Fülle des Materials, ein bisschen die großen Linien aus den Augen. Dennoch fällt das Fazit positiv aus, insbesondere, weil Davies den Fokus auf die weitgehend vergessenen feministischen Kämpfe richtet, die die Gesetzesänderungen erst ermöglichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2025

Rezensentin Petra Gehring liest das Buch der Zeithistorikerin Hannah Catherine Davies mit Spannung. Wie stellt sich die Überwindung einer rein männlich geprägten Strafrechtsreform in den 1960ern im Hinblick auf den Umgang mit sexueller Gewalt aus heutiger Sicht dar. Wenngleich keine reine Erfolgsgeschichte vermag der Band laut Gehring zu belegen, wie autonome Feministinnen mit Nottelefonen und Frauenhäusern mithalfen, Vergewaltigung nicht mehr nur als "Notzucht" zu verstehen. Wie Davies die entsprechenden rechtspolitischen und juristischen Diskurse nachvollzieht, zitatreich und spannend wie ein Krimi, scheint Gehring lesenswert, auch wenn die Autorin die biopolitische Dimension des Themas zu wenig beleuchtet, wie sie findet.

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