Szczepan Twardoch

Sehnsucht

Roman
Cover: Sehnsucht
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783737102322
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während er segelt, wird er ein anderer, beginnt für ihn eine höchst abenteuerliche Reise, die ihn durch Zeiten und Kontinente führt: Plötzlich kämpft er als Soldat in Deutsch-Südwestafrika gegen den Kolonialismus, bald darauf soll er in Berlin, um der Gerechtigkeit willen, einen grausamen Offizier töten, muss dann schwimmend flüchten, geht unter … und taucht neugeboren 1979 wieder auf, wird polnischer Präsident und ringt um die Macht in einem nach rechts gerückten Europa. Ein Name reicht Szczepan Twardoch, um das 20. und 21. Jahrhundert zu erzählen. Ein Mann, der seinen Träumen durch Zeiten und Epochen hinterherjagt - derselbe Mensch in drei unterschiedlichen Leben. Wie bin ich geworden, der ich bin? Warum ist der Mensch zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Ferne, dem Anderen - und der nach Heimat? Ein Abenteuer, eine Feier der Freiheit, das Neue zu denken und zu tun.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.07.2026

Aus dem neuen Roman von Szczepan Twardoch hätten auch drei werden können, findet Rezensent Marc Reichwein, denn jeder der drei Teile ist eine "Ode auf die magische Kraft des Erzählens". Es geht um Erwin Piontek, dessen Nachname auf polnisch Freitag bedeutet, er war früher Bergmann und fragt sich, ob er nicht doch besser Seemann geworden wäre - jetzt tuckert er mit seinem Boot auf dem lokalen Stausee im Kreis und wird gelegentlich von einem Riesen-Wels angeknabbert, amüsiert sich Reichwein. Der zweite Teil führt als Gedankenspiel des Erzählers in eine alternative Realität um 1900, in der Piontek tatsächlich Seefahrer geworden wäre und in den Aufstand der Herero und Nama gerät, erfahren wir. Daran schließt sich ein Ausblick in die Zukunft an, in dem Polen zum russischen Vasallenstaat wird. Twardochs metafiktionale Spielchen, in denen sich Erzähler und Protagonist kabbeln und der Autor sich selbst aufs Korn nimmt, bereiten dem Kritiker viel Freude. Ein wunderbarer Roman, dem ein schönerer Titel auch in der deutschen Übersetzung besser getan hätte, findet Reichwein.