Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783737102445 Gebunden, 224 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Siebzehn Jahre alt ist T., als sich sein Vater, angesehener Arzt in einer süddeutschen Kleinstadt, im Jahr 1971 das Leben nimmt. Er stirbt nicht allein, eine jüngere Geliebte ist bei ihm. Ein familiäres Trauma - und ein öffentlicher Skandal. Die Welt der alteingesessenen Familie zerfällt. Zurück bleiben zwei halbwüchsige Kinder, eine vierzigjährige Witwe und die alte Mutter, die das Grab pflegt und zu trinken beginnt. Es dauert viele Jahrzehnte, bis T. sich den Tatsachen stellt und vom Suizid seines Vaters erzählt, davon, wie es dazu kam, wie es danach weiterging - ein eindringlicher Bericht, der um existentielle Fragen kreist: Was ist Heimat, was Familie? Was bestimmt ein Leben? Was trennt Freiheit von Verantwortungslosigkeit, welche Rolle spielt Gesellschaft in der Provinz? Thomas Medicus erzählt von einer Kindheit und Jugend in den 1950er und 1960er Jahren und der Zeit danach, von einem lebensprägenden Trauma.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2026
Warum der Verlag Thomas Medicus' neuen Roman einen "Tatsachenroman" nennt, will dem Rezensenten Rainer Moritz zwar nicht einleuchten, auch wenn Medicus hier offenbar seine eigene Familiengeschichte beschreibt. Das Buch, in dem ein nur als T. benannter Sohn nach 30 Jahren dem Selbstmord seines Vaters nachspürt, liest der Kritiker indes berührt. Der Vater, Otto, war ein liebevoller Lebemann und weltgewandter Arzt, der sich aufgrund manischer Depression in eine Nervenklinik begeben musste und sich dennoch, im Beisein seiner Geliebten, die überlebte, in einem Hotelzimmer vergiftete. Dass Medicus dessen Sohn aus zwei Perspektiven, nämlich aus jener des jungen und des erwachsenen Sohnes erzählt lässt, erscheint dem Kritiker klug, zumal sich beide Stimmen "behutsam" dem Geschehen nähern. Im Kern geht es Medicus um die Frage nach dem Warum und um die Spuren, die der Selbstmord des Vaters beim Sohn hinterließ. Davon erzählt der Autor derart zurückhaltend, dass der Kritiker gern die ein oder andere Bildungshuberei verzeiht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.04.2026
Interessiert liest Rezensent Franz Paul Helms Thomas Medicus' autobiografischen Roman. Medicus setzt sich in diesem Buch mit dem Selbstmord seines Vaters auseinander, der aus der Sicht von dessen Sohn, der Hauptfigur T., geschildert wird. Wir tauchen ein in eine auf den ersten Blick glückliche bürgerliche Welt der bundesrepublikanischen 1950er und 1960er, die Handlung spielt in Franken, die Verhältnisse scheinen geordnet, bis der Tod des Vaters alles durcheinander bringt. Medicus geht es keineswegs darum, den Suizid zu erklären, sondern aufzuzeigen, dass er unerklärbar bleibt. Im nüchternen Ton und auf Dialoge und Drama verzichtend setzt Medicus auf genaue Beobachtungen, die die Lebenswelt der westdeutschen Nachkriegszeit, aber auch deren Hang zum Verdrängen, anschaulich werden lassen, lobt der Kritiker. All das fügt sich zu einem eindringlichen Leseerlebnis, schließt er.
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