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Michael Walzer

Erklärte Kriege - Kriegserklärungen

Cover: Erklärte Kriege - Kriegserklärungen
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2003
ISBN 9783434505624
Kartoniert, 150 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Christina Goldmann, mit einem Vorwort von Otto Kallscheuer. Gibt es einen gerechten Krieg und wie ließe er sich begründen? Fände sich eine Begründung, welches wären die Folgen? Unter diesen beiden Leitfragen beschäftigt sich Michael Walzer seit 30 Jahren mit den Formen staatlicher Gewalt. Der hier vorliegende Band versammelt die Stationen dieser Auseinandersetzung mit dem Ziel, sie für die aktuelle Debatte, den Kampf gegen den Terror, fruchtbar zu machen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2003

Der amerikanische Sozialphilosoph Michael Walzer hegt einen nicht ganz unbegründeten Vorbehalt gegen allzu viel Theorie, führt Martin Bauer die Person des Autors ein. Alles Nachdenken bedürfe der Kontrolle durch das geschichtliche Beispiel, erläutert er Walzers Standpunkt mit sichtlicher Sympathie. Der von Otto Kallscheuer klug zusammengestellte neue Essayband lege von diesem wissenschaftlichen Credo bestes Zeugnis ab, hält Bauer fest. Der Band enthält akademische oder publizistische Aufsätze des in Princeton lehrenden Walzer aus den letzten drei Jahren, die ihn einerseits als Befürworter einer 'Theorie des gerechten Krieges', andererseits als linken Patrioten ausweisen, der in der Debatte um den 11. September vor einer willkürlichen Freund-Feind-Politik warnt, ohne dabei verhohlene Sympathien für die Terroristen zu hegen. Ein einleitender Essay umreiße das gesamte Problemfeld der Aufsatzsammlung, empfiehlt Bauer diesen zur Lektüre; hierin widmet sich Walzer der Frage, welches die beste Organisationsform für die globalisierte Gesellschaft sei: Walter spreche sich für einen globalen Pluralismus aus, abgestützt von einem weltumfassenden Institutionengefüge, sagt Bauer. Etwas überrascht zeigt er sich von Walzers Optimismus, der nach dessen Analyse des Scheiterns bisheriger multilateraler Interventionen durchaus etwas gedämpfter hätte ausfallen können, so Martin Bauer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2003

In einer ellenlangen, sehr ins Detail gehenden Rezension nimmt Hilal Sezgin die Überlegungen zum "Erklärten Krieg" des Philosophen Michael Walzer unter die Lupe. Im Mittelpunkt des vorliegenden Essaybandes stehen für Sezgin diejenigen gerechten Kriege, die üblicherweise unter der Flagge der "humanitären Intervention", etwa bei Völkermorden, geführt werden. Walzer sehe hier die Notwendigkeit zu etwas gekommen, was man Nachbarschaftshilfe nennen könne: die Pflicht eines anderen Staates, dem Morden ein Ende zu bereiten. Aufrichtig findet Sezgin in diesem Zusammenhang Walzers Thematisierung des Todes auf beiden Seiten, die es ermögliche, das Dilemma der Situation präzise zu zeichnen. Walzer beschreibt diese Situation laut Sezgin als moralphilosophisches Paradox zwischen deontologischer Lehre, wonach kein Mensch je für einen anderen oder gar für etwas Abstraktes geopfert werden darf, und Utilitarismus, wonach es gerechtfertigt ist, geringeres Leid in Kauf zu nehmen, wenn damit viel Leid zu verhindern wäre. Walzers Beschreibung der paradoxen Situation und ihrer moralischen Kosten findet Sezgin sehr überzeugend, vor allem weil der Autor schon die Situation, in der man sich zu einer gewalttätigen Hilfsaktion entscheidet, als moralische Katastrophe begreife. "Geradezu blauäugig" findet Sezgin dagegen Walzer Vertrauen darauf, dass die Bevölkerung kriegführender Staaten eine gewisse Kontrolle über das militärische Geschehen behält.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2003

"Überaus lesenswert" findet Rezensent Uwe Justus Wenzel den nun auf deutsch vorliegenden Band "Erklärte Kriege -­ Kriegserklärungen", der neue Essays des Philosophen Michael Walzer versammelt. Wenzel charakterisiert das Projekt des am Institute for Advanced Study in Princeton lehrenden Sozialphilosophen als "moralphilosophische Hegung" des Krieges. Den Krieg "hegen", erklärt Wenzel, heiße: "angesichts der Unmöglichkeit, ihn abzuschaffen, an der Begrenzung des Krieges arbeiten." Dem Einspruch des Pazifisten, damit gestehe man dem Faktum des Krieges schon zu viel zu, denn wer ihn begrenze, mache den Krieg, nolens volens, "führbar", hält Walzer, nach Ansicht Wenzels überzeugend, entgegen, dass die Lehre vom gerechten Krieg zugleich Kriterien an die Hand gibt, um die militärische Praxis zu kritisieren und zu korrigieren. Wenzel hebt diesbezüglich hervor, dass für Walzer der "gerechte Grund" für einen Krieg - etwa die Selbstverteidigung - keineswegs alle militärischen Möglichkeiten rechtfertigt, mit denen ein Waffengang sich gewinnen ließe. Eine Missachtung dieses moralischen Minimums könne zudem militärischen wie politischen Misserfolg nach sich ziehen. Walzers Überlegungen bleiben nicht reine Theorie, hält Wenzel fest. So begründe Walzer etwa, warum die Intervention gegen Slobodan Milosevic gerecht war, der Präventivschlag gegen Saddam Hussein dagegen nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2003

Michael Walzers Band "Erklärte Kriege - Kriegserklärungen", der eine Reihe von "ungleich gut ausgearbeiteten" Aufsätzen des New Yorker Sozialphilosophen aus dem Zeitraum zwischen 1995 und 2002 versammelt, hat Rezensent Claus Leggewie im großen und ganzen überzeugt. Walzer kommt nach Leggewie das Verdienst zu, die Lehre vom gerechten Krieg als "kritisches Korrektiv gegen Pazifisten wie Bellizisten" rehabilitiert zu haben. In seinem Buch begründe er unter anderem die Unterschiede, die zwischen der humanitären Intervention gegen Slobodan Milosevic und dem Präventivschlag gegen Saddam Hussein liegen, und wende die Lehre vom gerechten Krieg auf die schwierigen Fälle Irak, Jugoslawien und Palästina/Israel an. Dabei könne er zeigen, "wie auch bei prinzipieller Befürwortung humanitärer Interventionen der Teufel jeweils im Detail steckt, ein 'Regimewechsel' aber sicher nicht in das Repertoire der Legitimationsgründe für einen gerechten Krieg gehört", schreibt Leggewie. Walzer unterscheide sich damit von radikalen Kritikern des "militärischen Humanismus" ebenso wie von der grundlegenden Ablehnung jedweden militärischen Vorgehens in den christlichen Kirchen, von den so genannten Realisten, die die Welt als einen Kampfplatz rivalisierender Wolfsrudel ansehen, genauso wie von den Idealisten, die nun Weltregierung spielen wollen. "Eine solche Position zwischen allen Stühlen", findet Leggewie, "scheint seit dem 20. März 2003 auf Resignation hinauszulaufen."