Michael Hardt, Antonio Negri

Demokratie!

Wofür wir kämpfen
Cover: Demokratie!
Campus Verlag, Frankfurt/Main 2013
ISBN 9783593398259
Taschenbuch, 127 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Finanz- und Umweltkrisen haben gezeigt: Die Welt braucht eine neue politische Ordnung. In ihrer Streitschrift entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri den Weg dorthin. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen beschreiben sie das Projekt einer Demokratie von unten: Wenn wir uns den Schulden verweigern, aus der Überwachung befreien, neue Netze politischer Information schaffen und die entleerte repräsentative Demokratie durch lebendige Formen der Beteiligung ersetzen, können wir eine neue Verfassung begründen. Eine, in der Wasser, Banken, Bildung und andere Ressourcen "commons", Gemeingüter sind. Auf diesem Weg können wir die Folgen der Finanzkrise, die drängenden Umweltprobleme und die wachsende soziale Ungleichheit überwinden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Durchaus enttäuscht ist Rezensentin Tania Martini von der neuen, 120 Seiten kurzen Fibel der "Empire"-Autoren und Multitude-Theoretiker, die sich mit durchschaubaren Tricks davor verwahren, dass ihre "Deklaration" als Manifest angesehen werde, auch wenn der Versuch, jüngere Protestbewegungen wie Occupy zu beschreiben, im Duktus ohne weiteres als Manifest erkennbar ist. Warum solche semantische Verrenkungen? Um einerseits den Protestbewegungen eine hohe, phänomenologische Qualität zuzusprechen und um andererseits die eigene Warte abzusichern, so die leicht griesgrämige Rezensentin, die das alles für Budenzauber zu halten scheint. Auch sachlich hat sie unter Rückgriff auf ein politphilosophisches Begriffsinstrumentarium einiges zu bemäkeln: Die Homogenisierungen der internationalen Protestbewegungen hält sie für fragwürdig, den Forderungen nach einer neuen demokratischen Kultur, in der sich Identitäten und subjektive Verfasstheit elanvoll ab- und überstreifen lassen, begegnet sie skeptisch: Darüber, dass die beiden Philosophen offenbar die historische Konstituierung von Subjektivität aus dem Blick verloren haben und sich eines Machtbegriffs bedienen, der allein auf den Gegensatz zwischen einer schmalen Elite und der breiten Masse abhebt, muss sich Martini am Ende doch sehr wundern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.03.2013

Für Robert Misik ist Michael Hardts und Antonio Negris Streitschrift "Demokratie!" im besten Falle ein Lieferant für nette Formulierungen einiger tatsächlicher Probleme von Bürokratie, Repräsentation und zentraler Herrschaft.  Auch wenn er es bedauert, es überrascht ihn nicht, dass auf das umfangreiche, romantische "Theorie-Brimborium" der vergangenen Jahre nicht unbedingt ein pragmatisches Manifest folgt. Die Autoren preisen Bewegungen wie Occupy Wall Street, Proteste in Spanien und Griechenland und die Revolutionen im nahen Osten als Manifestationen der Multitude - der ausdifferenzierten Masse -, die sich gegen einen ausgehöhlten Staat auflehnen, gegen scheinbare Demokratien und handfeste Diktaturen, fasst der Rezensent zusammen. Als Stärke der Bewegungen wird ihre dezentrale, führungslose Struktur angeführt. Misik stimmt das skeptisch. Gerade das Scheitern von Occupy, das Verebben von Protesten und die Schwierigkeiten in vielen Ländern nach dem Revolutionsfrühling werfen für ihn die Frage auf, ob strukturschwache Aufwallungen wirklich das Mittel der Wahl sind, wenn es um nachhaltige Veränderungen gehen soll. Auch wenn die Autoren mit einigen Problemdiagnosen sicher Recht haben, Misik hätte sich einen weniger verträumten Blick auf die Realität gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2013

Christoph David Piorkowski vermisst in der Streitschrift "Demokratie!" von Michael Hardt und Antonio Negri Hinweise auf eine praktische Umsetzung ihrer Appelle. Auf der Basis ihrer Gegenwartsanalyse in "Empire" und "Multitude" versuchen die Autoren das Gemeinsame an den Protestbewegungen der letzten Jahre zu sehen, vom Tahrir- bis zum Syntagma-Platz, was ihnen aber nur dank einer starken Beschneidung der tatsächlichen Unterschiede gelingt, findet der Rezensent. Nachdem Negri und Hardt ihrem deskriptiven Anspruch, die "wahren Verhältnisse in der neoliberalen Gesellschaft offenzulegen", schon kaum gerecht werden konnten, erklärt Piorkowski, richten sie eine ganze Reihe von normativen Forderungen an die allgemeine Öffentlichkeit: weg von der Repräsentation und hin zur Basisdemokratie, internalisieren sozialer statt finanzieller Schulden, gemeinsam und öffentlich lebendiges Wissen erarbeiten anstatt totes Wissen zu konsumieren. Piorkowski hat das Gefühl, dass Negri und Hardt die neueren Bewegungen auf Biegen und Brechen in ihrer Theorie der subjektlosen "Multitude" unterbringen wollen und daran scheitern, dass sie ihre politisch-moralischen Forderungen an eigentlich niemanden richten können.

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