Aus dem Französischen von Stephan Geene. Mit einem Vorwort zur deutschen, italienischen und japanischen Ausgabe. Maurizio Lazzaratos "Die Fabrik des verschuldeten Menschen" ist eine knappe und treffende Analyse der gegenwärtigen Krise - aber auch eine Gegenanalyse, denn Lazzarato widerspricht dem allgegenwärtigen Expertengerede: Für ihn sind Schulden nicht das Ergebnis irgendwelcher Exzesse, weder der Börsen noch von Bevölkerungen, die zuwenig arbeiten und zu viel ausgeben würden. Das Prinzip der Schulden liegt im Kern der kapitalistischen Organisation und, wie Lazzarato mit Rückgriff auf Nietzsche zeigt, als introjizierte, einverleibte 'Schuld' sind sie im Neoliberalismus zum Organisationsprinzip aller sozialen Beziehungen geworden. Die Schulden helfen dabei, den neoliberalen Traum vollständig zu erfüllen: radikaler Abbau des Sozialstaates und Auslagern aller Kosten auf die Individuen, die Selbstunternehmer, die arbeitenden Armen.
Als wichtigen Beitrag zeitgenössischer Gesellschaftskritik versteht Raul Zelik den Essay des italienischen Theoretikers Maurizio Lazzarato. Auch wenn der Autor laut Zelik weder alle ökonomischen Daten sauber recherchiert noch Handlungsperspektiven diskutiert, vermag er dem Rezensenten Argumente für die politische Debatte um den Neoliberalismus zu liefern. Auch die Erkenntnis, dass Systemexzesse prinzipiell nicht regulierbar sind, weil sie Machtverhältnisse zwischen Gläubigern und Schuldnern und damit einen Archetyp sozialer, gesellschaftlicher Ordnung etablieren, scheint Zelik interessant. Zumal Lazzarato in dem Zusammenhang Marx, Nietzsche, Foucault und Deleuze miteinander kurzschließt.
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