Im Juli 1938 treffen sich die Vertreter von 32 Nationen im französischen Evian-les-Bains und verhandeln über die Aufnahme von 500 000 "Flüchtlingen". Tatsächlich geht es um deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, zehn Tage lang sind ihr Schicksal und ihre Zukunft Thema der Gespräche am Genfer See - ergebnislos. Die Ereignisse der Vergangenheit wirken bis in die Gegenwart.
Zum ersten Mal wird umfassend über die Konferenz von Evian berichtet und erstmalig werden auch die Konferenzunterlagen für den deutschen Sprachraum ausgewertet. So ermöglicht Jochen Thies Einblicke in die unterschiedlichen Sichtweisen der beteiligten Nationen. Gleichzeitig begleitet er den Weg von Robert Goldmann, der mit seiner Familie in die USA emigriert. Viele bleiben zurück. Wie es ihnen in Hitler-Deutschland ergeht, bildet einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Der Blick geht auch nach München - wie reagiert das NS-Regime auf die Konferenz am Genfer See, was macht Adolf Hitler in diesen Tagen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2018
Robert Probst hält die Verbindung zwischen dem Debakel von Evian und der heutigen Flüchtlingskrise, die Jochen Thies zieht, nicht für zwingend. Mehr Konzentration und tiefere Analysen zu den Ereignissen in Evian 1938 hätten ihm besser gefallen. Die akribische Auswertung des Tagungsberichts und die chronologische Darstellung der Argumente der zweiunddreißig beteiligten Nationen gegen die Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge treiben Probst allerdings noch heute die Schamesröte ins Gesicht. Dass sich der Autor jedoch für eine Geschichtscollage entscheidet und Hitlers Alltag und die Lebensgeschichte einiger jüdischer Protagonisten in die Ereignisse von Evian einbringt, erscheint Probst entbehrlich.
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