Insa Meinen, Ahlrich Meyer

Verfolgt von Land zu Land

Jüdische Flüchtlinge in Westeuropa 1938 - 1944
Cover: Verfolgt von Land zu Land
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2014
ISBN 9783506775641
Gebunden, 332 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Insa Meinen und Ahlrich Meyer begeben sich auf die Spuren von Juden aus Deutschland und Österreich, die ab 1938 vor der antisemitischen Gewalt nach Belgien flüchteten. Auch berichten sie erstmals über die schon im Zeichen des Genozid stehenden Fluchten von Juden innerhalb Westeuropas ab 1941/42. Der Leser bekommt ein eindrückliches Bild davon, welche immer neuen Anstrengungen die Menschen auf sich nahmen, um sich und ihre Familien vor dem Untergang zu bewahren. Im Mittelpunkt stehen die Rettungsversuche der vielen "namenlosen" jüdischen Flüchtlinge. Ihre Schicksale werden aus verstreuten Akten, Karteien und Transportlisten der Todeszüge nach Auschwitz erschlossen. Das Buch würdigt diejenigen, die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer fielen und über deren Widerstand bislang kaum etwas bekannt war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2014

Wegweisend findet Rezensent Jan Erik Schulte diese Darstellung jüdischen Widerstands gegen die Verfolgung durch die Nazis. Wenn die Autoren Insa Meinen und Ahlrich Meyer akribisch die Fluchtbewegungen der Verfolgten innerhalb Westeuropas, die Geschichten und Schicksale nachzeichnen und Etappen der Flucht rekonstruieren, die meist trotz allem im Lagertod endete, hat der Rezensent schwer zu kauen. Allerdings weniger an den Statistiken, als an den Fallbeispielen und Einzelschicksalen selbst, die ihm die Autoren durch die Erzählung von Lebensepisoden nahebringen. Schulte entdeckt Parallelen zu heutigen Fluchtbewegungen, weiß aber um die Besonderheit der hier erzählten Geschichten, in denen die Menschen nicht als Opfer erscheinen, sondern als willenstarke Akteure. Eine richtungsweisende Perspektive, betont Schulte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2014

Als vorbildliches Beispiel der "Digital Humanities" bezeichnet Urs Hafner das von Insa Meinen und Ahlrich Meyer verfasste Buch über das dem Holocaust vorausgehende Flüchtlingsdrama deutscher Juden zwischen 1938 und 1944. Dass die Autoren der totalen digitalen Datenverfügbarkeit trotz aller Rechercheerleichterung dennoch kritisch gegenüberstehen, erleichtert Hafner allerdings. Das Buch erschüttert den Rezensenten weniger mit seinen kaum fassbaren Zahlen, als mit den rekonstruierten Einzelschicksalen. Die quellennah und nüchtern wiedergegebenen Fallgeschichten vom Leben (und Sterben) auf der Flucht vor dem Regime machen ihn beklommen. Der Respekt, den die Autoren den Opfern entgegenbringen, wirkt auf den Rezensenten wohltuend.

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