Horst Bienek

Es gibt nur die Kunst, die Liebe und den Tod. Dazwischen gibt es nichts

Die Tagebücher 1951-1990
Cover: Es gibt nur die Kunst, die Liebe und den Tod. Dazwischen gibt es nichts
Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446277441
Gebunden, 1712 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Daniel Pietrek, Gisela vom Bruch und Michael Krüger. "Literatur hat etwas mit Leben zu tun. Literatur allein ist nichts." - Die  Künstlertagebücher von Horst Bienek. Als Kritiker, Romancier, Lyriker war Horst Bienek eine bestimmende Figur im Kulturbetrieb. Vierzig Jahre führte er Tagebuch. Es ist das wilde, pikareske Epos eines Getriebenen und liest sich wie der Roman seines Lebens: Mitreißend und lebendig schreibt er über Literatur, Kunst und Musik und über seine Sex-Ausflüge in die Klappen und Schwulenlokale, zwischen Lebenslust und Enttäuschung. Er trifft die Größen seiner Zeit, von Borges bis Yourcenar und begegnet den Protagonisten der Nachkriegsliteratur, von Reich-Ranicki bis Joachim Kaiser, von Bachmann bis Frisch. Ein Künstlertagebuch von radikaler Offenheit, ein großes Gesellschaftspanorama und seine ganz persönliche Lebensgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2025

Rezensent Wilhelm von Sternburg bespricht die Edition der Tagebücher Horst Bieneks im Rahmen eines Porträts des Autors. Die Aufzeichnungen umfassen die Jahre 1951 bis 1990 und damit auch Bieneks Gefangenschaft in sowjetischen Arbeitslagern Anfang der 1950er, die sein Werk, wie Sternburg weiß, tief prägte. Später lebte Bienek dann in Westdeutschland und engagiert sich in der deutschen Literaturszene, die er in seinen Tagebüchern allerdings, lesen wir, oft recht bissig kommentiert, unter anderem bekommt Marcel Reich-Ranicki sein Fett weg. Auch die Sozialismusbegeisterung westdeutscher Linken, fährt Sternburg fort, ist Bienek nicht geheuer - allerdings schreibt der Autor keineswegs nur über Politik, sondern auch, zum Beispiel, über Musik und über seine Homosexualität. Man sollte diese Tagebücher, wie überhaupt Bienek, weiter lesen, denn das Werk ist nach wie vor äußerst relevant, rät der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2025

Eine hymnische Besprechung widmet Rezensent Wolfgang Schneider den Tagebüchern des Schriftstellers Horst Bienek, die jetzt 35 Jahre nach seinem Tod erscheinen. Für Schneider sind sie "eine künftig unentbehrliche Quelle zur deutschen Literatur der Achtzigerjahre". Bienek war gut vernetzt im Literaturbetrieb, erfahren wir, mit Wolfgang Koeppen habe er über dessen Eheprobleme gesprochen, anderen Kollegen wie Uwe Johnson widmet Bienek nicht unbedingt schmeichelhafte Porträts auf den 1700 Seiten. Ein weiteres wichtiges Thema im Leben und in den Tagebüchern des Autor ist der schwule Sex, so Schneider, für den sich die vielfachen Eskapaden und Ausschweifungen lesen "wie ein Thomas Mann auf Poppers". Das liest sich für den Kritiker erstmal so drastisch wie lustig, erst später komme die Sorge dazu: Bieneks Aids-Erkrankung führt zu seinem frühen Tod 1990. Ein lebenslustiges, fast triebhaftes, zugewandtes Werk, schließt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.01.2025

Rezensent Helmut Böttiger widmet den gerade erschienenen, mit Lücken rund vierzig Jahre umspannenden Tagebüchern von Horst Bienek eine umfangreiche, interessierte Besprechung: Bienek war bis zu seinem Tod an Aids 1990 eine prägende Figur der Gegenwartsliteratur und gerade auch diese Phase des Literaturbetriebs und seine selbstbewusste Verankerung darin bilden für Böttiger eine wichtige Säule der Tagebücher: Begegnungen mit Brecht und Grass, aber auch die Hoffnung auf den Büchner-Preis und die Organisation von stets ausverkauften Veranstaltungen in der Bayrischen Akademie gehören dazu. Ein wichtiger Bestandteil sind aber auch die Schilderungen von Bieneks Homosexualität, erfahren wir, seine Promiskuität, die "Droge Sex" - ein Psychogramm eines äußerst lebendigen Zeitgenossen. Ein großes Werk, das wertvolle Einblicke in die deutsche Nachkriegs- bis hin zur Gegenwartsliteratur biete und den Menschen Horst Bienek näherbringt, resümiert der zufriedene Kritiker.