Während Globalisierung und Zuwanderung den Sozialabbau verstärken, sehen die Eurokraten - unter dem Druck der USA - die Türkei bereits auf einem "unumkehrbaren Weg" nach Europa. Am Beispiel Deutschlands zeigt der Autor, wie sich proislamische Kräfte illegitime Macht aneignen und den EU-Beitritt der Türkei "von oben" herbeiführen. Dabei scheint unerheblich, dass dieses Land trotz diverser Ansätze zur Demokratisierung weiterhin von ethnischen Konflikten, einem zunehmend radikalen Islam und Korruption geprägt bleibt. Durch anhaltendes Bevölkerungswachstum exportiert es Arbeitslosigkeit und Bildungsschwäche nach Europa, wo Deutschland als Hauptfinanzier der EU zum politischen und sozialen Brennpunkt der Zukunft werden könnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2006
"Wohlfeil" und "fast agressiv" nennt Volker Stahr das Buch, indem Hans-Peter Raddatz gegen einen EU-Beitritt der Türkei argumentiert. Wohlfeil deshalb, weil es in der Leserschaft vorhandene Ängste "bedient". Agressiv, weil er die Türkei als "mit der Kultur Europas unvereinbares 100-Millionen-Volk" und die Migration der Türken gen Westen als "ethnischen Dschihad" bezeichnet. "Pikant" findet es Stahr, wenn der Autor für die Korruption der Wirtschaft auf die Zeit vor dem Antritt der islamistischen Regierung 2002 zurückgreift, in der politischen Ebene aber vor einem Fundamentalismus dieser Regierung warnt, die sich wiederum dem Kampf gegen die Korruption verschrieben hat. "Erschreckend" sei es geradezu, wie Raddatz die neue Faktenlage "ignoriert", wenn sie gegen ihn spricht. So beruhe die Bevölkerungszahl von 100 Millionen auf "längst überholten" Prognosen, das Wachstum habe sich mittlerweile entscheidend verlangsamt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2004
Bei den Befürwortern eines EU-Beitritts der Türkei wird sich Hans-Peter Raddatz mit seinem Buch "Die türkische Gefahr? Risiken und Chancen" nach Meinung von Wolfgang Günter Lerch kaum Freunde machen - bei den meisten Türken erst recht nicht. Zu düster falle das Bild aus, das Raddatz von der "modernen Türkei" und ihrer Leitkultur zeichnet. "Schonungslos" beleuchte er Anspruch und Wirklichkeit dieses Staates. Lerch hebt hervor, dass der Autor, Orientalist und Systemanalytiker, die Region nicht nur theoretisch kennt, sondern aus "konkreter Anschauung" und "alltäglicher Lebenswirklichkeit". Weder glaube Raddatz, dass die Türkei eine wirkliche Demokratie ist, noch dass sie annähernd so verweltlicht ist, wie allgemein angenommen. Dass sich die Verhältnisse wesentlich ändern werden, wenn die Beitrittsgespräche einmal laufen, hält er für fraglich. Auch bezweifle er, dass die türkische Gesellschaft bis dahin ihre wichtigsten Probleme auch nur im Ansatz gelöst haben: Kurdenfrage, die traditionelle Strukturschwäche ihrer Wirtschaft, Autoritarismus, traditionelle Verflechtung der Elite mit zumindest dunklen, bisweilen sogar mafiösen Geschäften.
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